Robert Goldschmit, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 216.

Robert Goldschmit

Gymnasiallehrer, Historiker, Politiker, * 9. Dezember 1845 Grünstadt/Lkr. Bad Dürkheim, † 29. Januar 1923 Karlsruhe, jüd./konfessionslos, ∞ 1876 Auguste Neuhoefer, 3 Kinder.

Der Sohn eines Pfälzer Viehhändlers studierte ab 1864 in Heidelberg, Bonn und Straßburg Geschichte und Altphilologie. 1873 wurde Goldschmit in Straßburg promoviert, war dann ein Jahr in Kolmar als Hilfslehrer tätig und wechselte 1875 an das Karlsruher Gymnasium, an dem er 1877 mit dem Titel Professor fest angestellt wurde. Schon 1868 hatte der Bayer die badische Staatsbürgerschaft erworben, die ihm den Austritt aus der jüdischen Gemeinde ermöglichte, ohne einer christlichen Religion beizutreten. Seine Kinder wurden evangelisch getauft. In Karlsruhe unterrichtete er bis zur krankheitsbedingten Zurruhesetzung 1915 und verfasste für den Geschichtsunterricht Lehrbücher.

An eine breite Öffentlichkeit wandte sich Goldschmit darüber hinaus als Historiker mit Arbeiten über die Geschichte Badens und als Festredner. Außergewöhnlich aber ist sein Wirken für die Karlsruher Stadtgeschichte neben seiner Tätigkeit als Lehrer. 1903-1914 betreute er mit einer Unterbrechung 1909 das Stadtarchiv Karlsruhe und verfasste bis zu seinem Tod die „Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe“. Zum 200. Stadtjubiläum schrieb er zu großen Teilen die Festschrift zur Stadtgeschichte.

Als Leiter des Stadtarchivs hatte sich Goldschmit durch seine Mitarbeit in der städtischen Archivkommission empfohlen. Von 1888 bis 1908 war der nationalliberal und monarchisch gesinnte Historiker Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, seit 1898 als Obmann des Vorstandes der Stadtverordneten. Neben der Archivkommission, der er seit 1896 angehörte, war er unter anderem in der Schulkommission und der sozialen Kommission tätig. Seine politische Aktivität führte ihn nach einer erfolglosen Kandidatur 1897 vier Jahre später als Abgeordneten in die Ständeversammlung. Wegen seiner Gegnerschaft zur Großblockpolitik seiner Partei, der Zusammenarbeit mit den Demokraten und Sozialdemokraten, kandidierte Goldschmit 1904 nicht noch einmal.

Ehrungen für seine Verdienste erhielt Goldschmit vor allem vom Haus Baden: 1899 das Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen, 1910 das Ritterkreuz I. Klasse mit Eichenlaub, 1916 den Orden Berthold I. und 1918 die Ernennung zum Hofrat.

Manfred Koch 2015

Quellen

GLA 235/31631 fol. 207 (Standesliste Goldschmit); Chronik der Landeshauptstadt Karlsruhe für die Jahre 1920-1923, Karlsruhe 1930, S. 329.

Werk

Festrede zur Feier der Kaiser-Proklamation und der Errichtung des Deutschen Reiches auf Veranlassung des Stadtrats der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe, Karlsruhe 1896; Die politischen Errungenschaften Badens unter der Regierung Grossherzog Friedrichs. Festschrift zur Feier der Vollendung des 70. Lebensjahres Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs, Karlsruhe 1896; Die Freiwillige Feuerwehr in Karlsruhe : ihre Begründung und ihre Entwickelung, 1847 – 1897, Karlsruhe 1897; Lehrbuch der deutschen Geschichte: für die Mittelklassen höherer Unterrichtsanstalten, Lahr 1903; Lehrbuch der Geschichte: für die Quarta höherer Unterrichtsanstalten, Lahr 1910; Die Stadt Karlsruhe: ihre Geschichte und ihre Verwaltung. Festschrift zur Erinnerung an das 200jährige Bestehen der Stadt. Zusammen mit Heinrich Ordenstein und Karl Widmer, Karlsruhe 1915; Geschichte der Badischen Verfassungsurkunde 1818-1918, Karlsruhe 1918.

Literatur

Gerhard Kaller: Jüdische Abgeordnete im badischen Landtag 1861-1933, in: Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt (Hrsg): Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, Karlsruhe 1988 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 8), S. 421 f.; ders.: Goldschmit, Robert, in: Bernd Ottnad (Hrsg.): Badische Biographien, NF Bd. IV, Stuttgart 1996, S. 98 f.