Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 121.

Friedrich Landolin Karl Freiherr von Blittersdorf

Staatsmann, *14. Februar 1792 Mahlberg/Ortenaukreis, †16. April 1861 Frankfurt a. M., kath., ∞ 1824 Maximiliane Euphrosine Kunigunde Brentano, kinderlos.

Der Sohn eines badischen Hofrats und Landvogts besuchte das Gymnasium in Karlsruhe und studierte von 1809-1812 Rechtswissenschaften in Heidelberg und Freiburg. Blittersdorf begann seine Laufbahn im Staatsdienst 1813 als Sekretär bei der badischen Gesandtschaft in Stuttgart. 1817 wurde er in das Geheime Kabinett des Großherzogs berufen und erhielt Sitz und Stimme im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. 1818 zum Geschäftsträger am Hof in St. Petersburg ernannt, vertrat Blittersdorf 1820-1835 Baden als Gesandter am Bundestag des Deutschen Bundes.

Als entschiedener Gegner der badischen Verfassung von 1818 kämpfte Blittersdorf für eine Stärkung der Zentralgewalt des Bundes und suchte, die demokratischen Reformen in Baden rückgängig zu machen. Damit einher gingen seine Bemühungen um die Verhinderung einer Weiterentwicklung der konstitutionellen Monarchie hin zu mehr Demokratie. Seit 1835 Badischer Außenminister, gelang es ihm in der badischen Staatsregierung eine zentrale Rolle einzunehmen. Als er im Oktober 1839 Staatsminister (Regierungschef) wurde, erreichten die Konservativen unter ihm den größten Einfluss auf die badische Politik. So versuchte Blittersdorf in der Folgezeit, die Machtposition der Ersten Kammer in der Ständeversammlung zu stärken.

Diese Entwicklung zog freilich eine Auseinandersetzung zwischen Blittersdorf und der Zweiten Kammer bzw. den bürgerlich-liberal gesinnten Beamten nach sich, die in der Auflösung der Kammer eskalierte. Als die liberale Opposition 1841 gestärkt aus den Neuwahlen hervorging und Blittersdorf den Konflikt durch Anrufung von Bundeshilfe zu beenden gedachte, verlor er den Rückhalt bei Großherzog Leopold und kehrte im November 1843 als Gesandter nach Frankfurt zurück, wo er bis kurz nach dem Ausbruch der Badischen Revolution 1848 blieb. Enttäuscht und verbittert über die politische Entwicklung in Baden lebte Blittersdorf die letzten Jahre zurückgezogen in Frankfurt.

René Gilbert 2015

Quelle

GLA 52 von Blittersdorf.

Literatur

Friedrich von Weech (Hrsg.): Friedrich Karl Landolin Freiherr von Blittersdorf, in: Badische Biographien AF, Band I, Heidelberg 1875, S. 87-95; Walter Bußmann: Blittersdorf, Friedrich Karl Landolin Freiherr von, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Band 2, Berlin 1955, S. 305; Wolfgang von Hippel: Friedrich Landolin Karl Freiherr von Blittersdorf 1792-1861. Ein Beitrag zur badischen Landtags- und Bundespolitik im Vormärz, Stuttgart 1967.