Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 149.

Karl Ludwig Wilhelm Arthur von Brauer

Politiker, Diplomat, * 17. November 1845 Karlsruhe, † 24. April 1926 Baden-Baden, ev., ∞ 1891 Carola von Holzing-Berstett.

Brauer, Sohn eines Juristen, studierte von 1864-1868 Rechtswissenschaften in Göttingen, Berlin, Heidelberg und Freiburg. Im Herbst 1868 trat er in den badischen Justizdienst und nahm am Deutsch-Französischen Krieg als Feldauditeur teil. Ab Juni 1872 arbeitete der preußenfreundliche Brauer für das Auswärtige Amt des Deutschen Kaiserreichs. Stationen seiner diplomatischen Karriere waren Attaché in Bukarest 1872/73, Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt 1874/75 sowie Konsul in Sankt Petersburg 1875-1881. Von 1881-1888 hatte Brauer die Funktion des Vortragenden Rats der politischen Abteilung des Auswärtigen Amts inne. Danach leitete er von 1888-1890 vorübergehend das Generalkonsulat in Kairo.

Nach dem Sturz Bismarcks, dem Brauer politisch und persönlich nahestand, kehrte er in den Dienst des Großherzogtums zurück und wurde 1890 badischer Gesandter in Berlin und bevollmächtigter Minister beim Bundesrat. 1893 übernahm er auf Wunsch Großherzog Friedrichs I. das neu geschaffene Ministerium des Großherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten (einschließlich der Verwaltung der Badischen Staatseisenbahn). 1901 wurde Brauer zusätzlich Vorsitzender (Ministerpräsident) des Badischen Staatsministeriums.

Das bedeutendste Ereignis seiner Amtszeit stellte die Verfassungsreform 1904/05 dar, in der die direkte Wahl der Zweiten Kammer der Ständeversammlung anstelle der indirekten durchgesetzt, die Erhöhung der Zahl der Abgeordneten beschlossen sowie eine neue Wahlkreiseinteilung und die bürgerliche Umbildung der Ersten Kammer der Ständeversammlung vorgenommen wurde. 1905 nahm Brauer aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied und trat in den Hofdienst. 1906 erhielt er den Posten eines Großhofmeisters, den er auch unter Großherzog Friedrich II. behielt. Brauer galt als kluger Politiker mit offener und liebenswürdiger Persönlichkeit, der die gemäßigt liberale Politik seiner Amtsvorgänger fortsetzte.

René Gilbert 2014

Werk

Zwei Monate Dienst in Friedrichsruh, 1915; Die deutsche Diplomatie unter Bismarck, 1906; Im Dienste Bismarcks, 1936.

Literatur

Willy Andreas: Arthur von Brauer, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 2, Berlin 1955, S. 543 f.; Albert Herzog: Ihr glücklichen Augen – Ein Karlsruher Journalist erzählt aus seinem Leben, Karlsruhe 2008, S. 227-232.