Friedrich II., Großherzog von Baden, 1907, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 224.

Friedrich II. Ludwig Leopold August von Baden

Großherzog, * 9. Juli 1857 Karlsruhe, † 9. August 1928 Badenweiler/Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald, ev., ∞ 20. September 1885 Prinzessin Hilda von Nassau, kinderlos, 1927 Adoption Berthold Markgraf von Baden.

Die Erziehung des Prinzen Friedrich von Baden erfolgte in der eigens für ihn geschaffenen Friedrichschule gemeinsam mit elf ausgesuchten adligen und großbürgerlichen Altersgenossen. Nach dem Abitur 1875 wurde er in das Leibgrenadierregiment Nr. 109 aufgenommen. Sein Vater Großherzog Friedrich I. hatte für ihn jedoch zunächst zur fundierten Allgemeinbildung ein Studium Generale mit den Schwerpunkten Geschichte und Jura geplant. Reisen nach Italien (1875/76), zur Weltausstellung nach Paris und nach England sollten zudem den Horizont erweitern. Das Studium, für das kein Abschluss angestrebt wurde, absolvierte Friedrich von Baden in Heidelberg, Bonn, Leipzig und Freiburg. Im Oktober 1880 setzte der Erbgroßherzog seine militärische Laufbahn fort, unterbrach diese aber 1881/82 zur Vertretung seines erkrankten Vaters in Karlsruhe. Stationiert war er in Potsdam (1880/81 und 1883-1885), Freiburg (1885-1891), Berlin (1891-1893), Freiburg (1894-1897) und Koblenz (1897-1902).

Sein Aufstieg vom Premierleutnant 1881 zum Major 1884 verlief rasch. 1885 wurde er als Bataillonskommandeur beim 5. Infanterieregiment in Freiburg zum Oberst und 1893 als Kommandeur der 29. Division in Freiburg zum Generalleutnant befördert. In Koblenz diente er schließlich beim VIII. Armeekorps als Kommandierender General. 1901 scheiterte, sehr zur Verärgerung des badischen Hofs, der Wunsch zur Unterstützung des greisen Großherzogs Friedrich I. die Nachfolge als Kommandierender General des XIV. Armeekorps in Karlsruhe anzutreten. In Preußen hatte man Bedenken, das 1871 aus der badischen Armee gebildete XIV. preußische Armeekorps dem badischen Thronfolger zu unterstellen. Friedrich von Baden nahm daraufhin 1902 seinen Abschied vom Militärdienst. Eine Reaktivierung im Ersten Weltkrieg verhinderte eine in den späten 1880er-Jahren aufgetretene rheumatische Erkrankung, die seine Sehkraft zunehmend einschränkte.

Friedrich von Baden nahm mit seiner Ehefrau Hilda - die Eheschließung galt als Neigungsehe ohne dynastische oder politische Erwägungen - 1902 seinen Wohnsitz in Karlsruhe, in dem für ihn errichteten Erbgroßherzoglichen Palais (heute Bundesgerichtshof). Nach dem Tod seines Vaters übernahm er am 28. September 1907 die Regierung und kündigte vor der Ständeversammlung am 26. November an, die Regierung im Geiste seines Vaters und in Treue zu Kaiser, Reich und Verfassung führen zu wollen. Friedrich II. hat in seiner Regierungszeit im Frieden und im Ersten Weltkrieg keine politischen Akzente gesetzt, er war gegen soziale Reformen und gegen durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen gebotene Verfassungsänderungen. Auch in seinem konservativen Kunstverständnis und mit seiner glanzlosen Hofhaltung konnte er der Residenz keine Impulse als kulturelles Zentrum des Landes geben.

Am 9. November 1918 nahm der Großherzog die ohne seine Zustimmung erfolgte Bildung einer Vorläufigen Volksregierung ohne Widerspruch zur Kenntnis. Am 11. November floh er mit seiner Familie nach einem durch den Matrosen Heinrich Klumpp inszenierten Putschversuch vor dem Schloss aus Karlsruhe. Am 13. November ließ er sich in seinem Zufluchtsort Schloss Zwingenberg bei Eberbach vom vormaligen Staatsminister Heinrich von Bodman und dem Chef der vorläufigen Volksregierung Anton Geiß zu einer Erklärung über den Regierungsverzicht bewegen. Friedrichs II. Hoffnung auf eine Fortsetzung der Monarchie endete am 22. November als er, wiederum gedrängt von Geiß und von Bodman, seine Abdankungserklärung in seinem neuen Aufenthaltsort Langenstein im Hegau unterzeichnete.

Das Großherzogspaar, das nie die Popularität von Friedrich I. und Luise erreicht hatte, zog sich nach Freiburg zurück. Der Lebensabend von Friedrich II. war getrübt durch die fast vollständige Erblindung. Kurz vor seinem Tod adoptierte er den Sohn seines Neffen Prinz Max von Baden, da nur die direkte Erbfolge den Besitz des Hauses Baden garantierte. Nach seinem Tod fand er unter großer Beteiligung der Bevölkerung in der Karlsruher Grabkapelle seine letzte Ruhestätte.

Manfred Koch 2016

Literatur

Leonhard Müller: Friedrich II. als Erbgroßherzog von Baden (1857–1907). Neue Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 145 (1997), S. 323-347; ders.: Friedrich II.: Großherzog von Baden, 1857–1928, in: Lebensbilder aus Baden-Württemberg, 20, 2001, S. 341–366; Gerhard Kaller: von Baden, Friedrich II. (Ludwig Leopold August) Großherzog, in: Badische Biographien, NF, Bd. 1, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1982, S. 24-27.