Moritz von Haber um 1860, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 530.

Moritz von Haber

Bankier, * 22. November 1798 Karlsruhe, † 3. November 1874; jüd., ev. konvertiert, ∞ 1819 Germaine Worms de Romilly, 3 Kinder.

Moritz von Haber war das älteste von neun Kindern des badischen Hofbankiers Salomon von Haber und übernahm zusammen mit Bruder Ludwig (1802-1892) nach dem Tod des Vaters 1839 das Bankhaus. Haber war wie andere Familienmitglieder der 2. Generation vom Judentum zum Christentum konvertiert. 1819 mit einer adligen Pariser Bankierstochter verheiratet, trennte er sich später von seiner Frau. 1823-1838 lebte er in Paris, London und Portugal. Er führte die Finanzgeschäfte der früheren französischen Herrscherfamilie der Bourbonen sowie der „Karlisten“, einer bourbonischen Nebenlinie, die Anspruch auf den spanischen Thron erhob. Dieser Umgang mit dem europäischen Hochadel bot nach seiner Rückkehr in Karlsruhe Anlass zu Argwohn in bürgerlichen und Hofkreisen, den er durch sein überaus selbstbewusstes Auftreten verstärkte. Er beförderte damit auch die bereits dem Vater nach dessen raschem Aufstieg entgegenbrachte Ablehnung. Haber, der in dem nach Salomon von Haber benannten Palais in der Langen Straße wohnte, hatte in Karlsruhe unmittelbaren Zutritt zum Hof, insbesondere zu Großherzogin Sophie, die ihn mit einer diplomatischen Mission in Schweden beauftragt hatte.

Diese Kontakte zur Großherzogin wurden Gegenstand von Gerüchten, die wiederum schließlich 1843 in einer Duell-Affäre, dem sogenannten Haber-Skandal, mündeten. Deswegen wurde Haber im gleichen Jahr nach knapp vierwöchiger Haft das Aufenthaltsrecht in Baden entzogen, worauf er sich zunächst kurz in Mainz, dann in Hessen-Darmstadt niederließ.

1847/48 musste das Bankhaus Haber als Folge der in England entstandenen Finanzkrise, Ursache waren fehlgeschlagene hochspekulative Bankgeschäfte, wegen der Kündigung von Krediten durch Frankfurter Banken Konkurs anmelden. Haber wurde neben Abraham Freiherr von Oppenheim, Gustav Mevissen und anderen 1853 Mitgründer der Bank für Handel und Industrie Darmstadt (1931 in die Dresdner Bank fusioniert), deren Konstituierung bei den Zeitgenossen für Furore sorgte und als gegen die Frankfurter Bankhäuser gerichtet galt. Zudem war er Aufsichtsrat der 1855 in St. Gallen gegründeten Deutsch-Schweizerischen Kreditbank und zusammen mit seinem Bruder Ludwig beteiligte er sich 1855 an der Gründung der Österreichischen Credit-Anstalt (1997 in der Bank Austria Creditanstalt aufgegangen).

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Literatur

Heinrich Schnee: Hofbankier Salomon von Haber als badischer Finanzier, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 109, 1961, S. 341-359; Albrecht Strobel: Der Fall des Bankhauses S. v. Haber & Söhne Ende 1847, in: Alemannisches Jahrbuch, 1973/75, S. 597-635; Rainer Wirtz: Widersetzlichkeiten, Excesse, Crawalle, Tumulte und Skandale, Baden-Baden 21998, S. 130-145.