Leutnant von Werefkin, Julius Göler von Ravensburg und Georg von Sarachaga Uria, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 212.
Das Palais Haber in der Langen Straße, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVe 130.

Haber-Skandal

Drei Tote waren 1843 das Ergebnis einer Chronique Scandaleuse. Der Aufstieg Salomon von Habers nach 1800 zum führenden badischen Bankier hatte bereits Missgunst hervorgerufen. Sein Sohn und Erbe, Moritz von Haber, hatte für heikle diplomatische Missionen direkten Zutritt bei der Großherzogin Sophie. In Hof- und Offizierskreisen führten die Gerüchte einer Affäre zu ehrenrührige Beleidigungen gegen Haber, der als Jude als nicht satisfaktionsfähig galt. Eine Ausladung Habers vom Hofball in Baden-Baden mündete in einem Duell, Haber vertreten durch den russischen Offizier von Werefkin, gegen den badischen Oberleutnant Julius Göler von Ravensburg. Dabei ließen beide ihr Leben. Die Trauerzeremonie für Göler in Karlsruhe am 5. September geriet zum "Tumult" vor Habers Palais in der Langen Straße (heute Kaiserstraße) mit Hepp-Hepp-Rufen und "Jud heraus", der schließlich, da keine ausreichenden polizeilichen Gegenmaßnahmen ergriffen worden waren, am späten Abend zum Sturm und zur Plünderung des Haberschen Hauses durch eine auf über Tausend Personen angewachsene Menschenmenge führte. Zuvor war von Haber inhaftiert worden. Polizei und Militär blieben längere Zeit untätig, ehe der Aufruhr schließlich beendet wurde.

Eine Untersuchung deckte zahlreiche Versäumnisse der Behörden und des Militärs auf, gleichwohl wurde der in ganz Deutschland Aufsehen erregende Skandal intern bemäntelt, offene Parteinahme von militärischen und staatlichen Stellen gegen von Haber abgestritten. Die Urteile gegen 36 Verhaftete lauteten zunächst auf Freispruch oder fielen milde aus. Haber wurde am 20. September nach Abbüßung von vier Tagen Gefängnis wegen geplanter Flucht seines Duellvertreters beschieden, dass er das Großherzogtum Baden zu verlassen habe, um "neue Skandale nicht herbeizuführen". Gölers Freund und Duellsekundant Georg von Sarachaga Uria, Regierungsrat und Zensor, forderte nun von Haber zum Duell auf, das am 14. Dezember 1843 außerhalb Badens bei Worms stattfand. Habers Kugel verletzte Sarachaga Uria tödlich.

Die Affäre erregte damals ähnlich großes öffentliches Aufsehen in Deutschland wie die Kaspar-Hauser-Geschichte. Als Beispiel für Ehrenkonflikte und Duelle war sie lange Zeit präsent. Historisch und soziologisch wurden mit ihr zahlreiche politische, soziale und aristokratische Handlungs- und Konfliktfelder ebenso wie die antisemitischen Stereotypen analysiert.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2012

Quellen

Georg von Sarachaga Uria: Vollständige Darstellung der Streitsache zwischen Freiherrn Julius Goeler von Ravensburg und Herrn Moritz von Haber, sowie des darauf entstandenen Duells des ersteren mit Herrn von Werefkin, wie sie vor Gericht niedergelegt wurde, Karlsruhe 1843; ders.: Mein letztes Wort in der Sache gegen Moritz v. Haber. Stuttgart 1843; Moritz von Haber: Die reine Wahrheit über die Streitsache zwischen Moritz von Haber und Freiherrn Julius Göler von Ravensburg, Straßburg 1843; GLA 65/714 (Koelle-Tagebuch), 233/17819 (Bericht des Ministeriums des Inneren vom 31. Oktober 1843); Ruth Meier: "Ich habe die Ehre ... Moritz von Haber." Der Haber-Skandal von 1843 (Schülerarbeit, Beitrag zum Wettbewerb des Bundespräsidenten 2010/11); StadtAK 8/StS 25/132.

Literatur

Rainer Wirtz: Widersetzlichkeiten, Excesse, Crawalle, Tumulte und Skandale, Baden-Baden 19982, S. 130-145; Leonhard Müller: Straßentumult in Karlsruhe. Verlauf und Hintergründe des "Haber-Skandals", in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 2003-2008, Karlsruhe 2009, S. 198-203. Belletristik: Alfred Neumann: König Haber [Erzählung], Stuttgart 1926.