Jean Ritzert um 1948, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 215/34a.

Jean (Johann Christoph Jakob) Ritzert

Dreher, Bürgermeister, Stadtrat, * 24. Dezember 1880 Oppenheim/Rheinhessen, † 16. Dezember 1970 Karlsruhe, ev., ∞ 1907 Emilie Köhnlein (1 Sohn aus erster Ehe).

Nach Abschluss der Volksschule in Mainz absolvierte Jean Ritzert eine Lehre als Dreher und besuchte 1910 die Berliner Gewerkschaftsschule sowie Kurse für Volkswirtschaft und Allgemeinbildung. Sehr früh trat er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) sowie in den Metallarbeiterverband ein, für den er ab 1907 in Hagen und ab 1911 in Mannheim hauptamtlicher Arbeitersekretär war. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Unteroffizier teil.

1922 wählten Gemeinderat und Bürgerausschuss Ritzert mit knappem Ergebnis für neun Jahre zum zweiten Bürgermeister von Durlach. Die wachsenden Verwaltungsaufgaben mit der Eingemeindung von Aue hatten die Stelle erfordert. Unter Oberbürgermeister Max Zoeller war Ritzert überwiegend für den sozialen Bereich der Stadtverwaltung zuständig. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie war er bei den bürgerlichen Parteien umstritten. Dazu kam ein Eklat im Rathaus, da der Gemeinderat Ritzert Bürgschaft und Zinsen für einen Kredit zum Kauf eines Hauses zusagte und er sogar einen Nachlass auf die Grunderwerbssteuer erhielt. Aufgrund der Proteste in der Bevölkerung lehnte er Letzteres allerdings ab.

Jean Ritzert trat 1931 in den Ruhestand, 1933 wurde er dennoch verhaftet und ein Verfahren gegen ihn aufgrund der oben genannten Vorkommnisse eingeleitet. 1933 wurden ihm seine Ruhebezüge aberkannt. Ab 1935 erhielt er eine kleine Rente und erst 1945 wurde er rehabilitiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Ritzert vom 1. Mai 1947-31. Dezember 1954 Leiter des Durlacher Stadtamtes und von 1948-1959 für die SPD im Gemeinderat von Karlsruhe.
1976 wurde in Durlach die Jean-Ritzert-Straße nach ihm benannt.

Anke Mührenberg 2012

Quelle

StadtAK 1/POA 1/2587a.

Literatur

Susanne Asche/Olivia Hochstrasser: Durlach. Staufergründung, Fürstenresidenz, Bürgerstadt, Karlsruhe 1996 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 17).