Nathan Uri Kahn (Natan U. Kaan)

Landesrabbiner der Unterlande der Markgrafschaft Baden-Durlach, * um 1666 Metz, † 16. Juni 1749 Karlsruhe, jüd., verh.

Kahn folgte 1718 dem 1713 ernannten ersten Landesrabbiner Isaak Salomon Kahn für die Markgrafschaft Baden-Durlach. Diese erste Ernennung eines Landesrabbiners in der Markgrafschaft war aufgrund der Zunahme der jüdischen Bevölkerung nach der Niederlassungserlaubnis durch die baden-durlachischen Markgrafen seit Ende des 17. Jahrhunderts und wegen heftiger interner Streitigkeiten der Durlacher und Grötzinger Juden erfolgt.

Nathan Uri Kahn wurde zunächst für drei Jahre von Markgraf Karl Wilhelm, der ihm den Vorzug gegenüber einem aussichtsreicheren Kandidaten gab, ernannt. Sein Schwiegervater "Hofjud" Model (Model Löw) aus Pforzheim hatte sich beim Markgrafen für ihn verwandt und sich verpflichtet, ein Modellhaus in Karlsruhe für ihn zu erwerben. Kahn siedelte etwa um 1720 nach Karlsruhe über. Sein Amt versah er bis zum Tod 1749.

1721 unterstützten ihn zwar viele Juden aus den Unterlanden, die Mehrheit in Karlsruhe sprach sich aber gegen ihn aus. Auch der Markgraf war von seinen theologischen und innerjüdischen Streit schlichtenden Fähigkeiten nicht überzeugt. Aber auf Bitten von Model Löw behielt er sein Rabbinat. Umstritten blieb Kahn in Karlsruhe bis zuletzt. Dabei dürfte auch die Abneigung zahlreicher jüdischer Bewohner gegen seinen Unterstützer und "Judenschultheiß" Salomon Meyer eine Rolle gespielt haben. 1727 war Kahn mit Salomon Meyer für die Erneuerung der markgräflichen "Judenordnung" von 1715 für die gesamte Markgrafschaft mitverantwortlich.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Quellen

GLA 357/333 [Anstellung], 74/3729 [Differenzen in Karlsruhe].

Literatur

Berthold Rosenthal: Heimatgeschichte der badischen Juden seit ihrem geschichtlichen Auftreten bis zur Gegenwart, Bühl 1927, insb. S. 203 und 209; Ernst Otto Bräunche: Vom Schutzjuden zum Bürger zweiter Klasse. Die jüdische Gemeinde bis zum Erlass des Judenedikts 1809, in: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, Karlsruhe 1988, insb. S. 50 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 8).