Leonhard Sohncke

Mathematiker, Physiker, Professor, * 7. April 1842 Halle (Saale), † 1. November 1897 München, ∞ 1866 Elise Bernhardi, 2 Töchter.

Der Sohn eines Mathematikprofessors besuchte die Lehranstalt der Franckeschen Stiftungen zu Halle und studierte 1859-1865 Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität Halle. Bereits als Student hatte Sohncke die Stelle eines Hilfsassistenten am mineralogischen Institut inne. Das Studium schloss er mit der Lehramtsprüfung sowie einer auf Latein verfassten Promotion ab. Nach dem pädagogischen Probejahr wurde Sohncke 1866 Gymnasiallehrer in Königsberg. Die zu geringe wissenschaftliche Betätigung als Pädagoge in Verbindung mit der Bekanntschaft zu dem Physiker Franz Ernst Neumann führte ihn zurück zur praktischen Physik, indem er sich bei Neumann 1869 mit einer Arbeit über die Kohäsion des Steinsalzes habilitierte.

Nach kurzer Tätigkeit als Privatdozent wurde Sohncke 1871 auf den Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Technischen Hochschule (TH) Karlsruhe berufen, wo er auch die Geschäftsführung des Meteorologischen Instituts übernahm und in einem anregenden Austausch mit seinen Kollegen Christian Wiener und Adolph Knop stand. Mit Letzterem gehörte er 1871 zu den Begründern des Oberrheinischen Geologischen Vereins.

In seiner Karlsruher Zeit entfaltete Sohncke auf den Gebieten der Meteorologie, Mineralogie und der Festkörperphysik eine umfangreiche Forschungs- und Publikationstätigkeit, von denen seine Arbeit über die Entwicklung einer Theorie der Kristallstruktur als sein bedeutendstes wissenschaftliches Werk gilt. 1883 folgte Sohncke einem Ruf der Universität Jena als Ordinarius für Physik und 1886 einem Ruf der TH München auf den Lehrstuhl für Experimentalphysik.

1887 wurde Sohncke außerordentliches und 1889 ordentliches Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften. Zudem erhielt er 1892 die Ehrendoktorwürde der Universität Padua. 1993 wurde auf dem Campus Süd des KIT der Leonhard-Sohncke-Weg nach ihm benannt.

René Gilbert 2016

Werk

De aequatione differentiali seriei hypergeometricae, Diss. Halle 1866; Über die Cohäsion des Steinsalzes in krystallographisch verschiedenen Richtungen, Habil.-Schrift, Königsberg 1869; Die unbegrenzten regelmäßigen Punktsysteme als Grundlage einer Theorie der Krystallstruktur, Karlsruhe 1876; Entwickelung einer Theorie der Krystallstruktur, Leipzig 1879; Zum Einfluß des Schwarzwaldes auf die Regenverteilung, Karlsruhe 1880; Die klimatischen Verhältnisse von Karlsruhe, Karlsruhe 1882.

Literatur

Friedrich von Weech/Albert Krieger (Hrsg): Leonhard Sohncke, in: Badische Biographien, Bd. 5, Heidelberg 1906, S. 732 f., https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/periodical/pageview/251864 (Zugriff am 10. August 2017); Siegmund Günther: Sohncke, Leonhard, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 54, Leipzig 1908, S. 377-379.