Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS I 351.

Ludwig Wilhelm von Baden (Türkenlouis)

Markgraf, Generalleutnant, * 8. April 1655 Paris, † 4. Januar 1707 Rastatt, kath., ∞ 1690 Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg, 5 Söhne (3 früh †), 4 Töchter (3 früh †).

Der Sohn von Markgräfin Louise Christine von Savoyen-Carignan und Markgraf Ferdinand Maximilian von Baden-Baden wuchs in der Familie seines Großvaters Markgraf Wilhelm von Baden-Baden und dessen zweiter Frau Maria Magdalena von Öttingen-Baden auf. Ab 1670 unternahm er eine Kavaliersreise nach Spanien, Italien und Österreich. 1874 nach Baden-Baden zurückgekehrt, trat Ludwig Wilhelm in die kaiserliche Armee ein und beteiligte sich am Reichskrieg gegen Frankreich. Bei der Belagerung der Festung Philippsburg 1676 bewies er großes militärisches Talent, weshalb er von Kaiser Leopold I. in Wien zum Obristen ernannt wurde.

1678 trat Ludwig Wilhelm die Nachfolge des 1677 verstorbenen Markgrafen Wilhelm von Baden-Baden an. 1683 zog er als kaiserlicher Feldherr in den "Großen Türkenkrieg" (1683-1699). Bereits 1683 glückten ihm beachtliche Erfolge über die Osmanen, weshalb er noch im Oktober 1683 vom Feldmarschall-Leutnant zum General der Kavallerie befördert wurde. Nach weiteren Siegen erhielt er 1686 ein eigenständiges Kommando und wurde zum Feldmarschall und am 1689 zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen im Osten ernannt. Seinen größten militärischen Triumph feierte er in der Schlacht bei Slankamen am 19. August 1691, in welcher der Feind trotz personeller Übermacht vernichtend geschlagen wurde. Hierfür ernannte ihn Kaiser Leopold I. 1691 zum Generalleutnant, der spanische König verlieh ihm 1692 den Orden des Goldenen Vlieses. Die von Ludwig Wilhelm in den Türkenkriegen erbeuteten Schätze (Türkenbeute) bewahrt heute das Badische Landesmuseum in Karlsruhe.

1693 erhielt Ludwig Wilhelm den Oberbefehl über die alliierten Truppen am Oberrhein zur Abwehr der wiedererstarkten französischen Offensive. Trotz schwacher Truppenverbände gelang es ihm, die Oberrheinlinie bis zum Frieden von Rijswijk 1697 zu halten. Auch im anschließenden Spanischen Erbfolgekrieg (1702-1714) führte er die alliierte Oberrhein-Armee. Ludwig Wilhelm verstarb infolge einer nicht heilen wollenden Verwundung sowie etlicher innerer Erkrankungen in dem seit 1699 in Rastatt unter der Leitung des italienischen Baumeisters Domenico Egidio Rossi erbauten neuen Residenzschloss. Sein Grabmal befindet sich in der Stiftskirche Baden-Baden, der Grablege der markgräflichen Familie, wo seit 1754 ein monumentales Epitaph an den siegreichen "Türkenlouis" erinnert.

Katja Förster 2014

Literatur

Hans Schmidt: Ludwig Wilhelm, Markgraf von Baden-Baden, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), 15 (1987), S. 350-354; Wolfgang Froese/Martin Walter (Hrsg.): Der Türkenlouis. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden und seine Zeit, 2. Aufl. Gernsbach 2010; Heinrich Niester: Das Epitaph des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, des Heiligen Römischen Reichs General-Feld-Marschall, genannt „Türkenlouis“, in der Stiftskirche zu Baden-Baden und sein Meister Johann Schütz, in: Badische Heimat, Jg. 30, 1950, S.50-54, http://www.badische-heimat.de/magazin/09_5/bad_epitaph_ludwwilhelm.pdf (Zugriff am 11. November 2014).