Domenico Egidio Rossi

Maler, Architekt,* 1. September 1659 Fano/Region Marken/Italien, † 19. Februar 1715 Fano, ∞ 1695 Maria Magdalena Stifter, 3 Söhne, 1 Tochter.

Über die Jugendjahre und Lehrzeit Domenico Rossis ist nichts bekannt. Man vermutet, dass er in Bologna eine Ausbildung in der Quadraturmalerei absolvierte, einer speziellen Wand- und Deckenmalerei, die mittels perspektivisch gegebener Scheinarchitekturen den gebauten Raum in seiner dreidimensionalen Wirkung steigert. Die Fähigkeit, Architektur durch Malerei vorzutäuschen, setzte Kenntnisse des baukünstlerischen Entwurfsprozesses voraus, was Rossi ermöglichte, später ausschließlich als Architekt und Bauleiter tätig zu sein. Von Ende der 1680er-Jahre bis zu seiner Niederlassung in Rastatt im März 1698 arbeitete er als Maler, Bauleiter und Entwerfer, unter anderen für das Fürstenhaus Liechtenstein (Feldsberg, Wien), die Grafen Czernin (Wien, Prag) und den kaiserlichen General Caprara (Wien).

Nach dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1697 berief Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, genannt der Türkenlouis, Rossi als Leiter des herrschaftlichen Bauwesens nach Baden. Zu seinen ersten Aufgaben gehörten die Planung und Bauausführung eines Jagdschlosses in dem fast völlig zerstörten Marktflecken Rastatt. Der zum Jahresende 1699 gefasste Entschluss des Markgrafen, die begonnene Anlage unter Einbezug und Wiederverwertung der bereits errichteten Teile nach dem Vorbild der Versailler Schlossanlage in eine repräsentative Residenz zu erweitern, verlangte von Rossi die Anfertigung neuer Auf- und Grundrisse. Das Rastatter Residenzschloss, innerhalb weniger Jahre ausgeführt, gilt als Hauptwerk des Architekten. Parallel erledigte er für den Markgrafen noch andere Aufträge, darunter die Planung und Ausführung des Lust- und Jagdschlosses Scheibenhardt (1699-1702), in dessen Gegend die markgräfliche Familie seit dem 16. Jahrhundert das Jagdrecht besaß.

Von 1698-1702 stand Rossi auch im Dienst des Markgrafen Friedrich VII. Magnus von Baden-Durlach als entwerfender und beratender Architekt für den Wiederaufbau von dessen 1689 durch französische Truppen zerstörten Durlacher Residenz, der Karlsburg. Fehlende Geldmittel ließen jedoch den überarbeiteten Entwurf einer mehrflügeligen Schlossanlage nur in Ansätzen realisieren.

Der Tod von Markgraf Ludwig Wilhelm im Januar 1707 bedeutete für Rossi das Ende seiner Bautätigkeit in Baden, zumal das Rastatter Schloss nahezu vollendet war. Noch im selben Jahr kehrte er in seine Geburtsstadt Fano zurück. Für die letzten Lebensjahre sind Planungen in Mantua, Parma und Ancona belegt.

Katja Förster 2014

Literatur

Wolfgang E. Stopfel: Domenico Egidio Rossi – der Architekt des Rastatter Schlosses, hrsg. von Stadt Rastatt, Rastatt 1986; Günter Passavant: Studien über Domenico Egidio Rossi und seine baukünstlerische Tätigkeit innerhalb des süddeutschen und österreichischen Barock, Karlsruhe 1967.