Ludwig Trunzer

Architekt, * 10. Februar 1866 Neckarburken/Gde. Elztal/Neckar-Odenwald-Kreis ), † 8. Mai 1951 Karlsruhe, kath., später konfessionslos, ∞ 1. 1889 Anna Spinner († 1909), 2. 1918 Josefina Oberle, geb. Letsch, 2 Töchter, 1 Sohn.

Ludwig Trunzer studierte an der Karlsruher Baugewerkeschule (heute Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft). Beeinflusst von Hermann Billing, mit dem er gelegentlich zusammenarbeitete, war er anschließend 1890-1929 als Privatarchitekt im Karlsruher Mietwohnungsbau tätig. Dabei legte Trunzer eine ungewöhnlich hohe Schaffenskraft an den Tag. So plante er zeitweise bis zu 15 fünfgeschossige Mietshäuser pro Jahr, wobei ganze Straßenzeilen gleichzeitig entstanden. Bis 1914 sind von ihm insgesamt 162 Mietshäuser nachweisbar. Weitere 18 Mietshäuser wurden zwischen 1926-1929 gebaut.

Die von Trunzer geplanten Gebäude entstanden zu Beginn im konservativen Stil und später im Jugendstil. Viele von ihnen sind heute als Kulturdenkmale ausgewiesen. Sie befinden sich hauptsächlich in der West- und in der Südweststadt. Zu diesen gehören die Häuser Scheffelstraße 53, Schillerstraße 28 und 56, Sophienstraße 142-144, 158, 160a und 182, Körnerstraße 12, 22, 30 und 32, der Komplex Liebigstraße 17, 19 / Wilhelm-Baur-Straße 6, Gabelsbergerstraße 13, 15 und 17, Goethestraße 45, Gutenbergstraße 1 und 2 sowie Herderstraße 5.

Darüber hinaus schuf Trunzer folgende Gebäudeverzierungen: den Erker am Gebäude Kriegsstraße 175 (1904), den Treppengiebel am Gebäude Weltzienstraße 31 (1905), den Fassadenschmuck am Haus Sophienstraße 158 (1905), den Seerosenfries am Eingang des Gebäudes Hübschstraße 9 (1904/05), die Glasfenster im Treppenhaus des Gebäudes Weltzienstraße 22a (1904), den Balkonschmuck am Gebäude Nelkenstraße 33 (1904) sowie den Auerhahn, den Fuchs und das Eichhörnchen am Gebäude Yorckstraße 41 (1904).

Trunzer wohnte und arbeitete in dem 1892 von ihm selbst erbauten Gartenhaus Yorckstraße 41a. Von 1928 bis zu seinem Tod lebte er in einem weiteren Eigenbau, dem Mietshaus Gellertstraße 27.

René Gilbert 2016

Literatur

Gerhard Kabierkse: Der Architekt Hermann Billing (1867-1946). Leben und Werk, Karlsruhe 1996, S. 53, 181 (= Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte Bd. 7); Monika Bachmayer/Robert Dreikluft: Jugendstil in Karlsruhe – Formen, Vielfalt, Fantasien, Karlsruhe 2002, S. 164 f.; Isolde und Paul Brunner: Baudenkmale im Kaiserreich. Beispiele von Werken ehemaliger Professoren und Absolventen der Baugewerkeschule, in: Spuren in der Stadt: Beiträge der Fachhochschule Karlsruhe, Hochschule für Technik, zur Karlsruher Stadtentwicklung 1878–2003, hrsg. von Susanne Richter, Karlsruhe 2003, S. 49-78, hier S. 70.