Luftaufnahme der Fachhochschule Karlsruhe anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums 1978; nördlich der Moltkestraße (obere Bildhälfte) von links: Instituts- und Laborgebäude, Physik- und Chemiebau (H-Grundriss), darüber die ehemalige Mensa sowie der Block für Architekten und Vermessungsingenieure, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A26a 200/4/10.

Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft

Die 1878 gegründete Großherzoglich Badische Baugewerkeschule war zunächst auf eine bautechnische Ausbildung beschränkt: Bauhandwerker, Baugewerksmeister, niedere Staatsbautechniker für Hochbau und für Wasser- und Straßenbau sowie Gewerbelehrer sollten unter besonderer Berücksichtigung des praktischen Bezugs ausgebildet werden. Mit ihrer Erweiterung um eine maschinentechnische Abteilung 1884, eine bahn- und tiefbautechnische Abteilung 1893 sowie eine elektrotechnische Abteilung 1903 entwickelte sich die Schule endgültig zu einer Techniker-Mittelschule. Von 1878-1892 war die Baugewerkeschule im ehemaligen Schulgebäude der Gewerbeschule am Zirkel 22 untergebracht, ab 1892 in einem stattlichen Neubau in der Moltke-/Ecke Fichtestraße (heute Pädagogische Hochschule), den der Architekt und damalige Direktor der Einrichtung Philipp Kircher entworfen hatte. Steigende Schülerzahlen machten bereits 1893/94 eine erste und 1899 eine zweite Gebäudeerweiterung nach Süden notwendig.

Während des Ersten Weltkriegs kam der Unterricht nahezu zum Erliegen. Im Oktober 1919 wurde der Lehrbetrieb als Badische Höhere Technische Lehranstalt (Staatstechnikum) mit den vier technischen Fachabteilungen Hochbau, Tiefbau, Maschinenbau und Elektrotechnik und einer neuen Schulverfassung (Kollegial-Verfassung) wiedereröffnet. Der Zweite Weltkrieg bedeutete wiederum eine einschneidende Zäsur; beim Luftangriff am 27. September 1944 wurde das Schulgebäude schwer getroffen. Beim Wiederaufbau des Gebäudes wurde das einstige architektonisch aufgelockerte Mansarddach durch ein primitives Dachgeschoss ersetzt sowie Veränderungen im Inneren vorgenommen.

Unter Walter Huber, Architekt, Bauhistoriker und von 1952-1968 Direktor des Lehrbetriebs, vollzog sich der Ausbau der Schule, die von 1963-1971 Staatliche Ingenieurschule Karlsruhe hieß, zur größten Ingenieurschule des Landes Baden-Württemberg. Zu den bestehenden Fachrichtungen Hochbau, Tiefbau, Bauingenieurwesen, Vermessungstechnik, Maschinenbau und Elektrotechnik kamen während seiner Amtszeit Feinwerktechnik (1957), die Unterteilung der Elektrotechnik in Nachrichtentechnik und Elektrische Energietechnik (1961), Wirtschaftsingenieurwesen (1965) und Baubetrieb (1968) hinzu. Nach ersten Erweiterungen südlich und östlich des Hauptgebäudes erfolgten von 1962-1972 Planung und Neubau der gesamten Schulanlage im Hardtwaldgebiet nördlich der Moltkestraße. Die ehemaligen Lehrgebäude zwischen Moltke- und Bismarckstraße werden seit 1972 von der Pädagogischen Hochschule genutzt.

Auf der Grundlage des ersten Fachhochschulgesetzes erhielt die Ingenieurschule 1971 den Status einer Fachhochschule. Zwischen 1971 und 2002 kamen allein neun neue Studienfächer dazu, darunter Informatik (1971), Kartografie (1987) und Baumanagement (2002). Um die Zugehörigkeit zum tertiären Bildungsbereich zu verdeutlichen, fügte die Fachhochschule Karlsruhe 1995 den Zusatz Hochschule für Technik hinzu; seit 2005 firmiert sie als Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft. Mit der Schaffung eines akademischen Auslandsamts zu Beginn der 1990er-Jahre und der Einführung auch englischsprachiger Bachelor- und Masterstudiengänge gegen Ende des Jahrzehnts reagierte die Hochschule auf die zunehmende Internationalisierung. Über 8.000 Studierende, Tendenz steigend, besuchten 2014/15 die Hochschule, die derzeit 28 Studiengänge an sechs Fakultäten anbietet.

Katja Förster 2015

Literatur

Spuren in der Stadt : Beiträge der Fachhochschule Karlsruhe, Hochschule für Technik, zur Karlsruher Stadtentwicklung 1878 – 2003. Katalog zur Sonderausstellung der Fachhochschule Karlsruhe, Hochschule für Technik, und des Stadtmuseums anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Hochschule Karlsruhe 2003 (= Ingenium. Schriftenreihe der Fachhochschule Karlsruhe, Hochschule für Technik, Bd. 3); 125 Jahre Fachhochschule Karlsruhe. Hochschule für Technik 1878-2003, Bd. 1: Wolfram Förster: Historische Entwicklung, Bd. 2: Wolfram Förster/K.-P. Gailfuss/J. Neumann/H. Wagner: Gegenwart und Zukunft, Karlsruhe 2003 (= Ingenium. Schriftenreihe der Fachhochschule Karlsruhe, Hochschule für Technik, Bde. 4 und 5).