Die 1926 erfolgreiche Sprintstaffel des FC Phoenix mit Alex Nathan, Otto Faist, Kurt von Rappard und Robert Suhr (von links), Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 3908.

Heinz Alexander Nathan (alias Alex Natan)

Leichtathlet, Journalist, Schriftsteller, * 1. Februar 1906 Berlin, † 14. Januar 1971 London.

Heinz Alexander Nathan war Mitglied der 1926 erfolgreichen 4 x 100-Meter-Staffel des FC Phönix Karlsruhe. Nach dem Abitur in Berlin studierte er Jura, Geschichte und Politische Wissenschaft in Berlin, Heidelberg, München und Leipzig. Neben dem Studium war er als Leichtathlet auf den Sprintstrecken aktiv. Während seiner Semester in Heidelberg schloss er sich dem FC Phönix an. Mit dessen 4 x 100-Meter-Staffel errang er 1926 in deutscher Rekordzeit von 42,1 Sekunden die Deutsche Meisterschaft. Die Staffel, in der Presse auch die fliegenden Karlsruher genannt, stellte im selben Jahr mit 41,9 Sekunden in Kassel den Europarekord für Vereinsstaffeln auf. 1927 verließ Nathan den FC Phönix wieder und wechselte zum SC Charlottenburg, mit dessen Staffel er 1927, 1929 und 1930 Deutscher Meister wurde und 1929 mit 40,8 Sekunden den Weltrekord aufstellte. 1928 nahm er an den Olympischen Spielen teil. 1931 wechselte er zum jüdischen Sportverein Bar Kochba Berlin. Seine Rekorde wurden aus den Listen des Verbandes nach der Machtübernahme der Nazis 1933 gelöscht.
1930 schloss Nathan sein Studium mit der Promotion ab. 1933 emigrierte er über die Schweiz nach England und änderte seinen Namen in Alex Natan. In London und Worcester lehrte er - unterbrochen durch die Internierung als feindlicher Ausländer in Kanada 1940-1943 - Internationale Beziehungen und Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Natan international als freier Journalist und berichtete auch über Sportereignisse und die Karlsruher Leichtathleten. Zudem verfasste er mehrere Bücher über Sport, Geschichte und Literatur. Nathan war Mitbegründer der Anglo-German Association und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Manfred Koch 2014

Werk

Südafrika als Mandat C des Völkerbundes, Diss. 1930; Neues Deutschland, Oxford 1955; Sport und Leidenschaft, Zürich, Paderborn 1956; Silver Renaissance. Essays in Eighteenth-Centry English History, London 1961; German Men of Letters. Twelve Literary Essays, 1963; Graue Eminenzen. Geheime Berater im Schatten der Macht, Freiburg 1967; Sport kritisch, Bern, Stuttgart 1972.

Literatur

Klaus Amrhein: Biographisches Handbuch zur Geschichte der Deutschen Leichtathletik 1898–2005, 2 Bde., Darmstadt 2005; Kürschners deutscher Literatur-Kalender 2000/2001, 2001, S. 1334.