Walter Georgi

Maler, Illustrator, * 10. April 1871 Leipzig, † 17. Juni 1924 München oder Holzhausen am Ammersee, ∞ Wina Sarah Georgi († 1944 KZ Theresienstadt).

Walter Georgi, Sohn des ersten Leipziger Oberbürgermeisters Otto Georgi, besuchte 1882-1888 das Königliche Gymnasium in Leipzig. 1890/91 studierte er an den Kunstakademien Leipzig und Dresden sowie ab 1893 an der Akademie der bildenden Künste in München.

Nach seinem Studium wurde er 1896 in der bayerischen Hauptstadt einer der wichtigsten Illustratoren der Wochenzeitschriften Die Jugend und des Simplicissimus. 1899 schloss sich Georgi mit Reinhold Max Eichler, Erich und Fritz Erler, Adolf Münzer und Leo Putz zur Künstlergruppe „Die Scholle“ zusammen, die im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts die Münchener Avantgarde bildete. 1900 hielt sich Georgi in Paris auf, wo er für ein Zimmer der Weltausstellung den Bilderzyklus „Herbsttag“ schuf. Bei der Brüsseler Weltausstellung 1909 war er mit einem Fries im Vestibül des Deutschen Hauses vertreten. 1903 zog Georgi nach Holzhausen am Ammersee und gründete dort 1905 mit Mitgliedern der „Scholle“ eine Künstlerkolonie.

1908 erhielt er als Nachfolger für den arbeitsunfähig gewordenen Ludwig Schmid-Reutte eine Professur an der Großherzoglich-Badischen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, die er bis 1919 innehatte. Zu seinen Schülern gehörten Eva Eisenlohr und Rudolf Schlichter. 1912 wurde Georgi Mitglied des Deutschen Werkbundes. Außerdem war er Mitglied im Deutschen Künstlerbund. 1914 erhielt Georgi den Auftrag, 25 Feldpostkarten für den Kekshersteller Bahlsen zu entwerfen. Im selben Jahr unternahm er eine Studienreise in die Bretagne, wo mehrere Landschafts- und Seebilder entstanden. Georgis weiteres Werk umfasst vor allem Damen- und Herrenportraits, die durch ihre besonderen Farbeffekte überzeugen, sowie Stillleben und Zeichnungen. Seine illustratorischen Arbeiten stellen insbesondere verträumte bis kraftvolle Landschaften, mitunter auch volkstümliche Alltagsszenen in naturalistischem, später in impressionistischem Stil dar.

Nach seiner Karlsruher Zeit kehrte Georgi 1919 nach München zurück. Einen Teil des Jahres verbrachte er in seinem Sommeratelier in Holzhausen. Georgi starb an den Folgen einer nicht erkannten Blinddarmentzündung.

Neben seinem malerischen Werk veröffentlichte Georgi mehrere Aufsätze zur Kunst und Kunstgeschichte in den Fachzeitschriften „Innendekoration“ und „Deutsche Kunst und Dekoration“.

René Gilbert 2016

Werk

Bildnis des Vaters, Öl auf Leinwand 1904; Brotzeit bei der Ernte, Öl auf Leinwand 1904; Zwei Frauen in der Küche, Öl auf Leinwand 1909 (alle drei Neues Stadtmuseum Landsberg am Lech); Kuppelbild der Abteikirche St. Blasien 1909; Selbstbildnis mit Palette, Öl auf Leinwand (Privatbesitz).

Literatur

Benno Rüttenauer: Walter Georgi, in: Die Rheinlande – Vierteljahrsschrift des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, 18 (1909), 7, S. 217-227; Ulrich Thieme/Felix Becker (Begr.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 13, Leipzig 1920, S. 429 f.; Leo Mülfarth: Kleines Lexikon Karlsruher Maler, Karlsruhe 1987, S. 161; Walter Georgi 1871-1928, hrsg. von Hartfrid Neunzert, Passau 1994 [Ausstellungskatalog]; Ruth Stein: Walter Georgi - Landsberg am Lech, Neues Stadtmuseum; zum 70. Todesjahr, in: Weltkunst – Aktuelle Zeitschrift für Kunst und Antiquitäten 64 (1994), S. 2083.