Hermann Böning, Foto: Initiative Heidelberger Stolpersteine, http://www.stolpersteine-heidelberg.de/hermann-boening.html (Zugriff am 9. Juni 2016).

Franz Adolf Hermann Böning

Politiker, * 18. Mai 1894 Heidelberg, † 2. Oktober 1939 Hohenasperg/Lkr. Ludwigsburg, konfessionslos, ledig, liiert mit Maria Schnepf, 1 Tochter.

Hermann Böning wurde als ältester von drei Söhnen eines bei der Bahn beschäftigten Kupferschmieds geboren und absolvierte nach der Volksschule 1908-1911 eine Lehre zum Schlosser. 1912 trat Böning als Freiwilliger in ein preußisches Eisenbahn-Regiment in Hanau ein und leistete von 1914-1918 Kriegsdienst in einer Eisenbahnbaukompanie. Nach der Genesung von einer Malariaerkrankung arbeitete er als Lokomotivführer bei der Deutschen Reichsbahn in Heidelberg.

1919 trat Böning dem Spartakusbund und 1920 der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. 1923 wurde er zum Stadtrat in Heidelberg gewählt. Wegen Organisation einer verbotenen Demonstration erhielt er 1924 eine sechsmonatige Gefängnisstrafe. Die Verurteilung zog ein Berufsverbot und den Verlust des Mandats als Stadtrat nach sich. Böning blieb jedoch im Rhein-Neckar-Raum weiter politisch und gewerkschaftlich tätig und arbeitete bis 1929 als Notstandsarbeiter und Werber für die Mannheimer Arbeiterzeitung. 1929 wurde Böning für die KPD in den Badischen Landtag (Wahlkreis 20, Heidelberg) gewählt und zum hauptamtlichen Gewerkschaftssekretär der KPD-Unterbezirksleitung in Karlsruhe ernannt. Er verlegte daraufhin seinen Wohnsitz nach Karlsruhe und erhielt dort 1930 ein Mandat für den Stadtrat.

Seine kommunal- und landespolitische Tätigkeit ist durch den mehrfachen Verstoß gegen Notstandsverordnungen, wie dem Versammlungs- und Demonstrationsverbot, sowie durch seine Beteiligung an der so genannten Karlsruher Rathausschlacht vom 11. Mai 1931 zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten geprägt. Als Hauptverantwortlicher auf KPD-Seite wurde Böning wegen gefährlicher Körperverletzung, öffentlicher Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch zunächst zu einer zweimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die nach einem Revisionsverfahren auf einen Monat verkürzt wurde. Im Frühjahr 1932 ordnete ihn die Bezirksleitung der KPD in Mannheim als Instruktor in den Unterbezirk Lörrach-Waldshut ab.

Als die Lage für Kommunisten nach dem Reichstagsbrand vom 28. Februar 1933 in Deutschland zunehmend bedrohlicher wurde, ging Böning nach Basel, um von dort die Parteiarbeit für Oberbaden und den Widerstand in Form von nach Deutschland geschmuggelten Flugblättern zu organisieren. Am 5. August 1933 wurde er bei einem geplanten Treffen mit seiner Lebensgefährtin nahe Ettlingen verhaftet und am 2. Februar 1935 vom Oberlandesgericht Karlsruhe wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Er trat seine Haft im Männerzuchthaus Bruchsal an und wurde im März 1936 nach Hohenasperg, der Zweiganstalt des Zuchthauses Ludwigsburg verlegt. Einen Monat vor seiner Entlassung kam Böning bei einer Transportfahrt nach Asperg unter ungeklärten Umständen ums Leben.

Als Verfolgter des Nationalsozialismus erinnern seit 2011 in der Heidelberger Kaiserstraße 42 und seit 2013 vor dem Neuen Ständehaus in Karlsruhe Stolpersteine an ihn.

René Gilbert 2015

Quellen

GLA 231/10956 fol. 58, 270/787, 270/936-937; StadtAK 1/H-Reg 785-786.

Literatur

Karl Groß (Bearb.): Handbuch für den Badischen Landtag. Landtagsperiode 1929-1933, S. 148; Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik Bd. 2, Frankfurt a. M. 1969, S. 79 f.; Hans Teubner: Exilland Schweiz. Dokumentarischer Bericht über den Kampf emigrierter deutscher Kommunisten 1933-1945, Ost-Berlin 1975, S. 29 f.; Ernst Otto Bräunche: Residenzstadt, Landeshauptstadt, Gauhauptstadt. Zwischen Demokratie und Diktatur 1914-1945, in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina: Wagner Karlsruhe – Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 357-502, hier S. 422, 429, 515.