Matthäus Franz Haid

Geodät, * 28. Februar 1853 Speyer, † 5. November 1919 Speyer, kath., ∞ 1880 Henriette Lichtenberger, 3 Kinder.

Matthäus Haid, Sohn eines Bankiers, studierte Geodäsie an der Bau- und Gewerbeakademie Berlin (1870/71), an der Technischen Hochschule (TH) Aachen (1871/72) und an der TH München (1872-1874). Nach Abschluss des Studiums arbeitete Haid im bayerischen Staatsdienst, trat aber 1877 eine Assistentenstelle an der TH München bei Carl Maximilian von Bauernfeind an, bei dem er sich, nachdem er zuvor in Jena promoviert worden war, 1880 habilitierte. Auf Empfehlung Bauernfeinds erhielt Haid 1882 als Nachfolger von Wilhelm Jordan die außerordentliche Professur für praktische Geometrie und höhere Geodäsie an der TH Karlsruhe. 1884 wurde er hier zum Ordinarius und Leiter des Geodätischen Instituts ernannt. Eine Berufung nach München als Nachfolger seines Lehrers Bauernfeind lehnte er 1890 ab. In den Studienjahren 1889/90, 1894/95 und 1901/02 amtierte Haid als Rektor der TH Karlsruhe. 1917 trat er in den Ruhestand.

Neben seiner akademischen Tätigkeit war Haid auch außerhalb des Hochschulbetriebs aktiv. So leitete er ab 1903 die Erdbebenkommission des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe. Diese richtete in einem Stollen unter dem Turmberg in Durlach und in einem Keller unter dem Schlossberg bei Freiburg zwei Stationen zur Messung von Erdbeben mit Heckerschen Horizontalpendeln ein. Nach der Stilllegung des Betriebs der Durlacher Station aus Kostengründen im Ersten Weltkrieg wurde das Inventar 1925 im Geodätischen Institut der TH Karlsruhe wieder aufgebaut.

1895 wurde Haid Mitglied des badischen Obereichungsamts und als badischer Erdmessungskommissär Teilnehmer bei internationalen Gradmessungsarbeiten. 1900 folgte seine Ernennung zum Mitglied des topographischen Bureaus und zum außerordentlichen Mitglied der badischen Oberdirektion des Wasser- und Straßenwesens. In dieser Funktion machte sich Haid um die badische Landesvermessung auch dadurch verdient, dass er einen Vierpendelapparat entwickelte, mit dem es gelang, mehrere mitteleuropäische Erdmessstationen durch relative Schweremessungen zu verbinden. Zudem beriet Haid 1910 die griechische Regierung in Grundbuchangelegenheiten im Zusammenhang mit der thessalischen Agrarfrage.

Für seine Leistungen wurde Haid 1896 zum Hofrat, 1900 zum Geheimen Hofrat und 1917 zum Geheimen Rat Zweiter Klasse ernannt.

René Gilbert 2015

Werk

Untersuchung der Beobachtungsfehler und Genauigkeit des Bayerischen Präcisions-Nivellement, Diss. München 1880; Bestimmung der Intensität der Schwerkraft durch relative Pendelmessungen, Berlin 1904; Die Schwerkraft im badischen Oberlande, 1905; Die seismischen Stationen Durlach und Freiburg i. B., Denkschrift zum 25jährigen Bestehen der Erdbebenkommission des Naturwissenschaftlichen Vereins in Karlsruhe, Karlsruhe 1906; Gezeiten und Starrheitskoeffizienten der festen Erde abgeleitet an den Registrierungen der Horizontalpendel in Freiburg i. B. und Durlach, 1913.

Literatur

Chronik der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe für die Jahre 1918/19, Jg. 35, Karlsruhe 1925, S. 437 f.; Paul Böss: Die Abteilung für Bauingenieurwesen, in: Friedrich Raab (Red.): Die technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe – Festschrift zur 125-Jahrfeier, Karlsruhe 1950, S. 177-180, S. 178; Adolf Schlötzer/Heinrich Merkel: Die Lehrstühle für Praktische Geometrie und Geodäsie, für Geodäsie, Photogrammetrie und Sphärische Astronomie sowie das Geodätische Institut, das Institut für Zeitmesskunde und Uhrentechnik sowie die Erdbebenwarte, in: ebd., S. 181-186, hier S. 181-184; Heinz Draheim: Matthäus Franz Haid, in: Neue Deutsche Biographie (NDB) Bd. 7, Berlin 1966, S. 517 f.