Christine Friedlein, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 374.

Christine Friedlein

Opernsängerin (Alt), Schauspielerin, * 7. Januar 1862 Regensburg, † 25. September 1938 Bregenz, ledig.

Christine Friedlein absolvierte ihre Gesangsausbildung an der Königlich bayerischen Musikschule in München, wo sie Schülerin von Marie Schröder-Hanfstängl und Johanna Jachmann-Wagner war. Nach Abschluss ihres Studiums wurde sie von Hermann Levi für kleinere Partien im „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen engagiert. Am 1. Oktober 1884 gab Friedlein am Großherzoglichen Hoftheater Karlsruhe ihr gefeiertes Debüt als Orpheus in der Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck. Im Dezember 1890 sang Friedlein die Anna in der Uraufführung der vollständigen Fassung der Oper „Les Troyens“ von Hector Berlioz. Ihre bedeutendsten Partien als Altistin waren darüber hinaus die Fidès in „Der Prophet“ von Giacomo Meyerbeer, die Azucena in „Der Troubadour“ und die Ulrica in „Ein Maskenball“ (beide von Guiseppe Verdi), die Hedwige in Gioachino Rossinis „Wilhelm Tell“, die Irmentraut in „Der Waffenschmied“ und die Gräfin in „Der Wildschütz“ (beide von Albert Lortzing), Frau Reich in „Die lustigen Weibern von Windsor“ von Otto Nicolai sowie die Fricka in „Der Ring des Nibelungen“.

In der Spätphase ihrer Karriere verlegte sich Friedlein, der neben meisterhaften gesanglichen Fähigkeiten auch großes darstellerisches Talent bescheinigt wurde, zunehmend auf die Schauspielerei. Unterstützt wurde sie dabei von Generalintendant August Bassermann, der ihr Rollen wie die erste Hexe in „Macbeth“ von William Shakespeare, die Hanna Kennedy in „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller oder die Mirza in „Judith“ von Friedrich Hebbel übertrug.

Neben ihrem Engagement in Karlsruhe nahm Friedlein auch zahlreiche Gastauftritte wahr, darunter am Königlichen Hoftheater Stuttgart, an den Opernhäusern in Mannheim und Frankfurt a. M. sowie in Brüssel. Außerdem trat sie regelmäßig als Konzertsängerin auf. Für ihre künstlerische Leistung erhielt sie 1908 das Verdienstkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen.

Stimmprobleme und ein Nervenleiden führten dazu, dass Friedlein ihre Karriere 1912 beendete. Im Ruhestand verlegte sie ihren Wohnsitz nach Bregenz, wo sie ihren Lebensabend verbrachte. 1923 veröffentlichte Friedlein ihre autobiographischen Aufzeichnungen, die zuvor als Fortsetzungsreihe im Karlsruher Tagblatt erschienen waren. Sie enthalten zahlreiche Anekdoten aus dem Karlsruher Künstlermilieu.

René Gilbert 2019

Quelle

GLA 57a/809.

Werk

Erinnerungsblätter (einer Hofopernsängerin), Karlsruhe 1923.

Literatur

Wilhelm Kosch (Begr.): Friedlein, Christine, in: Deutsches Theater-Lexikon Bd. 1, Klagenfurt 1953, S. 497; Walther Killy (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie Bd. 3, München 1996, S. 454.