Außenansicht des L'Oréal-Werks in der Hertzstraße, 1964, Foto aus: Karlsruher Adressbuch 1965, S. 67 oben.
Verwaltungs- und Sozialgebäude des französischen Kosmetikkonzerns L'Oréal in der Hertzstraße 175, 1980, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A39/202/4/41.

L'Oréal GmbH & Co.

1907 entwickelte der französische Chemiker Eugène Schueller aus unbedenklichen Chemikalien das erste Haarfärbemittel, das er Oréal nannte und 1908 patentieren ließ. 1909 gründete er in Paris das nur wenig später als L'Oréal firmierende Unternehmen, welches bis 1913 Niederlassungen in Italien, Österreich und den Niederlanden errichtete, etwas später auch in den USA, Kanada, England und Brasilien. In Deutschland gründete das Unternehmen, das inzwischen mit L'Oréal d'Or ein innovatives Produkt zum Aufhellen der Haarfarbe sowie 1928 das erste Shampoo auf den Markt gebracht hatte, 1930 eine L’Oréal-Gesellschaft in Berlin, deren erfolgreicher Aufstieg mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 abrupt endete.

Nachdem das Berliner Firmengebäude 1944 vollständig zerstört wurde, begann der Wiederaufbau der deutschen Tochtergesellschaft ab Herbst 1945 in Karlsruhe. Nach ersten Betriebsstätten in der Durlacher Allee 31/33 und am Haydnplatz 2 bezog die L'Oréal Haarfarben und Parfümerien GmbH 1949/50 einen Neubau in der Wendtstraße 17, der, nachdem L'Oréal 1954 vom Badischen Gemeindeversicherungsverband das angrenzende Anwesen Wendtstraße 19 erworben hatte, um ein modernes Verwaltungsgebäude, das so genannte Weiße Haus, erweitert wurde.

Da die Produktionsstätte in der Wendtstraße die steigende Nachfrage an L’Oréal-Produkten für die Bundesrepublik Deutschland mittelfristig nicht bedienen konnte, erwarb das Unternehmen Anfang der 1960er-Jahre ein 40.000 Quadratmeter großes Gelände in der Nordweststadt (später Hertzstraße 175) für den Bau einer modernen Werkanlage. Von 1961/62 bis 1968/69 entstand in drei Bauabschnitten das neue Werk mit einer Grundfläche von insgesamt 18.000 Quadratmetern. Während die Produktion und der Versand für Deutschland ab 1962 in der Hertzstraße stattfanden, verblieb die Hauptverwaltung in der Wendtstraße. Gegen Ende der 1980er-Jahre beabsichtigte der französische Kosmetikkonzern, auf dem Kronenplatz einen Neubau für die deutsche Verwaltungszentrale zu erstellen. Als das Projekt 1990 scheiterte, verlegte er die Verwaltung nach Düsseldorf.

Die L'Oréal Produktion Deutschland GmbH & Co. KG verblieb in der Hertzstraße und ist bis heute das einzige Werk der L'Oréal-Gruppe in Deutschland. Da die gesamte österreichische Logistik 2009 vom Karlsruher Standort übernommen wurde, wurde das Logistikzentrum in Hagsfeld (L'Oréal Haarkosmetik und Parfümerieartikel GmbH & Co. KG, Am Storrenacker 30) 2008/09 auf eine Logistikfläche von 35.000 Quadratmetern erweitert. In Deutschland zählt L'Oréal circa 1.900 Mitarbeiter, davon circa 770 Beschäftigte an den beiden Karlsruher Standorten. Mit 23 großen internationalen Kosmetikmarken führt die L'Oréal-Gruppe im Bereich Kosmetik den Weltmarkt an. Mit einem Jahresumsatz von circa 997 Millionen Euro gilt Deutschland als drittgrößter Markt des weltweiten Unternehmens.

Katja Förster 2014

Literatur

L'Oréal. Unternehmensgeschichte, http://www.loreal.de/gruppe/unternehmensgeschichte.aspx (Zugriff am am 18. Dezember 2014); Karlsruher Wirtschaftsspiegel, in: Karlsruher Adressbuch 1963, S. 20, 1965, S. 48 u. 67, 1970, S. 11; Viola Fritsche, L’Oréal Deutschland GmbH: Das Logistikzentrum von L’Oréal – ein Synonym für Dienstleistung auf höchstem Niveau, in: Karlsruher Wirtschaftsspiegel, hrsg. von Baden TV GmbH und der Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe, 53. Ausgabe, 2010/11, S. 28 f.