Bielefeld’s Hofbuchhandlung, Kaiserstraße 141/Ecke Marktplatz, vor 1886, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVe 119.

Bielefeld’s Hofbuchhandlung und Verlag

Der gelernte Buchhändler Adolf Bielefeld erwarb zum 1. Januar 1839 die Sortimentsbuchhandlung von Christian Theodor Groos in der Schloßstraße (heute Karl-Friedrich-Straße) 4, während Verlag und Druckerei im Besitz von Groos verblieben. Nach Erhalt der Buchhändlerkonzession am 20. März 1839 eröffnete Bielefeld den mit Groos’sche Buchhandlung (A. Bielefeld) firmierenden Laden, dem er noch im selben Jahr eine englische Leihbibliothek angliederte. Zum 1. Januar 1841 benannte er sein Geschäft in A. Bielefeld’s Buchhandlung um. Noch im selben Jahr bezog er mit der Buch- und Kunsthandlung neue Räumlichkeiten im Groos’schen Haus in der Lange Straße (heute Kaiserstraße) 135 (später Nr. 141), direkt am Marktplatz. Am neuen Standort richtete er auch ein Juridisch-Cameralistisches Lesecabinett mit einem Jahresabonnement von sechs Gulden ein; die Leihbibliothek dagegen verkaufte er bereits 1842 an Friedrich Fabel, den neuen Besitzer der Marx’schen Buchhandlung.

Seit 1841 trat Adolf Bielefeld auch als Verleger in Erscheinung. Im Verlag von A. Bielefeld erschienen unter anderen amtliche Gesetzesausgaben, Publikationen zur badischen Geschichte, zu Karlsruhe und Umgebung. 1847 erweiterte er Buchhandlung und Verlag um eine Musikalienhandlung, die nach 1862 in den Besitz von Friedrich Dört überging. Am 14. April 1856 wurde er zum Hofbuchhändler ernannt. Fortan firmierte sein Unternehmen als A. Bielefeld’s Hofbuchhandlung und Verlag von A. Bielefeld’s Hofbuchhandlung. 1860 erwarb er von den Groos’schen Erben das Haus Lange Straße 135. Am 14. November 1862 eröffnete er eine Zweigniederlassung in Kehl. Zum 1. Januar 1867 übertrug er seinem ältesten Sohn Josef Bielefeld die Geschäftsleitung.

Mit der Übernahme des väterlichen Betriebs gründete Josef Bielefeld zugleich ein Antiquariat. Die Kehler Filiale verlegte er am 25. März 1867 nach Offenburg und verkaufte sie zum 1. Juni 1869 an Julius Astmann, der sie als A. Bielefeld’s Hofbuchhandlung Jul. Astmann weiterführte und zum 1. März 1872 nach Straßburg/Elsass verlegte.

Unter Josef Bielefeld gewann das Verlagsgeschäft größere Bedeutung. In der Nachfolge der Chr. Fr. Müller’schen Hofbuchhandlung erschien ab 1873 bei Bielefeld das Karlsruher Adressbuch. Den Buchhändler Gustav Liebermann nahm er zum 1. Januar 1874 als Teilhaber in die Firma auf und übergab ihm die Leitung des Antiquariats. Zum 1. Juli 1882 wurde dann die A. Bielefeld’s Hofbuchhandlung unter Bielefeld und Liebermann aufgeteilt. Bielefeld übernahm den Verlag, der fortan als J. Bielefeld’s Verlag firmierte, Liebermann das Sortiment und Antiquariat, die zunächst als A. Bielefeld’s Hochbuchhandlung (Gust. Liebermann) und seit der Teilhaberschaft von Gottfried Köttel ab 1. Januar 1883 als A. Bielefeld’s Hochbuchhandlung (Gust. Liebermann & Cie.) zeichneten. Schwerpunkt des neuen Verlags, der nach Wilhelm Creuzbauers Tod 1883 dessen Verlag übernahm, bildeten neben Neuauflagen bisheriger Werke vor allem neusprachliche Lehrbücher (Philipp Plattner: Französische Schulgrammatik; Richard Kron: Le Petit Parisien etc.), Fortbildungsmittel, Taschengrammatiken etc. Den 1884 erworbenen bautechnischen Verlag G. Knapp in Leipzig stieß Bielefeld Anfang 1893 wieder ab, da der erwartete Zuwachs durch Publikationen von Lehrkräften der Karlsruher Technischen Hochschule ausblieb. 1893 trennte er sich ebenso von der belletristischen Verlagsgruppe.

Nach Bielefelds Tod am 28. Juli 1902 leitete der seit 1882 im Verlag tätige Buchhändler Wilhelm Rieseberg im Auftrag der Witwe bis zum 31. Dezember 1904 den Betrieb. Dann übernahm der älteste Sohn und ausgebildete Jurist Otto Bielefeld die Geschäftsführung, der bereits im Vorjahr den Verkauf des Karlsruher Adressbuches an die G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag veranlasst hatte. 1906 verlegte er den J. Bielefeld’s Verlag nach Freiburg i. Br.

Katja Förster 2014

Literatur

Festgabe zum 50-jährigen Bestehen des Badisch-Pfälzischen Buchhändler-Verbandes, hrsg. vom Badisch-Pfälzischen Buchhändler-Verband, Heidelberg 1925; Chronik der Karlsruher Verlage 1719-1918, zusammengestellt durch Ernst Otto Bräunche auf der Grundlage der Texte von Rainer Fürst und Christina Wagner, in: Zwischen Autor und Leser. Karlsruher Verlage von der Stadtgründung bis heute, hrsg. vom Stadtmuseum Karlsruhe, Karlsruhe 1999, S. 49-63, bes. S. 53-57.