Wilhelm Creuzbauer (1803-1883), Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 213.
Titelblatt des Badischen Sagen-Buches von August Schnetzler, erschienen im Verlag Creuzbauer und Hasper 1846.

Kunst-Verlag W. Creuzbauer

Der aus Durlach stammende Kunsthändler Wilhelm Creuzbauer wurde 1828 Leiter des kurz zuvor von Carl Ludwig Frommel und August Klose in Karlsruhe gegründeten Kunstverlags. Auf den Titelblättern der Neuerscheinungen des Verlags, die oft in Kooperation mit bekannten Verlagsbuchhändlern wie C. Gerold, Wien, A. Schloss & Co., London, Black, Young & Young, London und J. Veith, Paris entstanden, zeichnete er spätestens seit 1833 mit Carlsruhe / Kunst-Verlag W. Creuzbauer oder Carlsruhe / W. Creuzbauer. Dadurch war der Kunsthändler, der 1832 die Konzessionen für eine Buch- und eine Steindruckerei und 1834 für eine Sortimentsbuchhandlung erhielt, in kunst- und buchhändlerischen Kreisen bereits bekannt, bevor er zum 18. April 1835 eine eigene Buch- und Kunsthandlung in der Schloßstraße (heute Karl-Friedrich-Straße) 9 eröffnete.

Creuzbauer übertrug Franz Nöldeke, der zum 1. Januar 1836 hälftiger Teilhaber des Unternehmens wurde, die Geschäftsführung in Karlsruhe, während er selbst noch 1835 in Leipzig eine Zweigniederlassung des Kunstverlags und der Buch- und Kunsthandlung eröffnete, die er bis zur Schließung 1838/39 leitete. Im Januar 1841 erwarben Creuzbauer und Nöldeke von Carl Egon Fürst zu Fürstenberg dessen von Johann Velten gekaufte und im Dezember 1840 genehmigte Kunst- und Musikalienhandlung einschließlich einer Steindruckerei. Nachdem Nöldeke im März 1841 die Konzessionen für Musikalienhandel und Steindruckerei erhalten hatte, bezogen er und Creuzbauer mit ihrer Buch-, Kunst-, Musikalienhandlung und lithografischen Anstalt neue Ladengeschäfte in der Schloßstraße 2 und 5. Zum 15. September 1842 lösten die beiden die Sozietät auf, wobei mit ministerieller Genehmigung Creuzbauers Konzessionen zum Buch- und Kunsthandel auch auf Nöldeke und dessen Konzessionen zum Musikalienhandel und zur Lithografie auch auf Creuzbauer übertragen wurden.

Creuzbauer behielt die Ladenräume in der Schloßstraße 2 und Nöldeke die in der Schloßstraße 5. 1844/45 - zu dieser Zeit erwarb Hofbuchdrucker Wilhelm Hasper Carl Egon Fürst von Fürstenbergs Wohn- und Geschäftshaus in der Langen Straße 225 - scheint Creuzbauer, der bereits seit 1841 in dem Haus wohnte, auch seine buch- und kunsthändlerischen Aktivitäten dorthin verlegt zu haben und mit Hasper eine Sozietät eingegangen zu sein. Das Adressbuch von 1845 führt unter Buch- und Steindruckereien Creuzbauer und Hasper, Lange Straße 225 an, 1846 erschien das Unternehmen zusätzlich noch in der Rubrik Kupferdruckerei, die bis dahin nur den von Klose an Adolf Roth verkauften Kunstverlag angeführt hatte. Von 1845-1847 erschienen bei Creuzbauer & Hasper mehrere Publikationen, darunter das Vollständige Gesetzes-Lexicon für den badischen Staatsbürger in zwei Bänden von Johann Friedrich Wehrer. Danach gingen beide wieder geschäftlich getrennte Wege.

Mit der Übernahme der Nöldeke’schen Buch- und Kunsthandlung in der Langen Straße 133 im November 1851 betrieb Creuzbauer neben seinen Tätigkeiten als Kunsthändler, Steindruckereibesitzer und Verleger nun auch wieder eine Sortimentsbuchhandlung; bis 1860 lief diese nachweislich noch unter dem Namen Nöldeke’sche Buch- und Musikalienhandlung (W. Creubauer). Zwischen 1862 und 1865 wurde er Miteigentümer des Hasperschen Hauses in der Langen Straße 225, in dem er fortan allen seinen Geschäften nachging. Zum 1. Januar 1870 übergab er seinem älteren Sohn Emil die Sortimentsbuchhandlung, der in der Langen Straße 193 ein Ladengeschäft eröffnete, das zunächst noch als W. Creuzbauer’sche Buch- und Kunsthandlung, ab 1. Oktober 1871 als E. Creuzbauer’sche Buchhandlung firmierte. Seinem jüngeren Sohn Georg übertrug er 1871 die Steindruckerei, während er weiterhin das Verlagsgeschäft besorgte. Die Söhne vermochten das väterliche Geschäft nicht zu halten. Georg Creuzbauer gab bereits 1879 die Steindruckerei auf. Emil Creuzbauer verkaufte zum 1. Januar 1880 die Sortimentsbuchhandlung an Ernst Kundt, der ab 1. Oktober 1880 unter eigenem Namen firmierte.

Nach dem Tod von Wilhelm Creuzbauer 1883 ging der Verlag W. Creuzbauer in dem von Josef Bielefeld auf.

Katja Förster 2014

Literatur

Karlsruher Adressbücher 1827-1884; Rainer Fürst: OB August Klose (1791-1872) und der "Kunstverlag" in Karlsruhe, in: Badische Landesbibliothek intern, Nr. 42, Silvester 1991, S. 10-12; Literarisch-artistische Anzeige des Kunstverlags W. Creuzbauer, in: Das Ausland. Ein Tagblatt für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker, 6. Jg., Nr. 334, November 1833, S. 1336; Chronik der Karlsruher Verlage 1719-1918, zusammengestellt durch Ernst Otto Bräunche auf der Grundlage der Texte von Rainer Fürst und Christina Wagner, in: Zwischen Autor und Leser. Karlsruher Verlage von der Stadtgründung bis heute, hrsg. vom Stadtmuseum Karlsruhe, Karlsruhe 1999, S. 49-63, bes. S. 52-55.