Spielwarenhaus Doering, Ritterstraße 5, 1981, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A42 129/7/31.

Doering Spielwaren GmbH & Co. KG

1796 heiratete der aus dem Württembergischen stammende Johann Friedrich Döring die Tochter des Karlsruher Gemischtwarenhändlers Johann Wilhelm Koelitz und übernahm wohl noch im selben Jahr mit seinem Schwager Karl Wilhelm Koelitz das schwiegerelterliche Geschäft in der Langen Straße 114. Nach dem Tod der Schwiegereltern trennte sich Döring 1804 von seinem Geschäftspartner, der den bisherigen Laden weiterführte, während er im "neuen elterlich kölitzschen Hause" in der Langen Straße 157 eine eigene Gemischtwarenhandlung eröffnete, in der er auch Kinderspielwaren anbot.

1831 überließ er seinem Sohn Wilhelm die Spielwarenabteilung, mit der dieser in Johann Friedrich Dörings 1827/28 erbautem Haus Ecke Ritter- und Zähringerstraße ein eigenes Spielwarengeschäft mit angeschlossener Fabrik und Großhandel eröffnete. Nach dem Tod des Vaters um 1837 ging das Anwesen Zähringerstraße 76 in das Eigentum von Wilhelm und das Lange Straße 157 in den Besitz seines Bruders Carl Leopold über. Um 1844 eröffnete der Spielwarenhändler in seinem Geschäfts- und Wohnhaus auch eine Leihbibliothek für Kinder und Jugendliche. Nach dem Tod Wilhelm Dörings 1855 führte sein Sohn Friedrich Wilhelm Doering die Spielwarenhandlung, Spielwarenfabrik und Jugendleihbibliothek fort.

Nachdem die Zähringerstraße 76 1862/63 in sein Eigentum übergegangen war, vergrößerte und modernisierte er die Verkaufsräume, erweiterte das Spielwarensortiment um Korbwaren und gab die Leihbibliothek auf. 1886 führte er weitere Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen (elektrisches Licht etc.) durch. 1898 trat er das Unternehmen an seinen seit 1894 im Geschäft mitarbeitenden Sohn Wilhelm und dessen Schwester Sofie ab. Ab 1931 führte Wilhelm den Betrieb F. Wilhelm Doering allein weiter, der bis 1929 mit Spiel- und Korbwaren, von 1929-1937 als Spielwarenhaus und ab 1937 mit Spielwaren, Korbwaren, Kinderwagen warb. Von 1937-1941 unterhielt das Unternehmen eine Filiale in der Kaiserstraße 193/195. Beim Luftangriff vom 27. September 1944 wurden das Geschäftshaus in der Zähringerstraße wie auch das Nachbargebäude, in dem Wilhelm Doering und seine Söhne Wilhelm junior und Ernst wohnten, vollständig zerstört.

Der Wiederaufbau des Unternehmens ab 1946/47 erfolgte unter Ernst Doering, der den Verkauf zunächst in der neu bezogenen Wohnung in der Vorholzstraße 17 und dann in einem Behelfsbau am bisherigen innerstädtischen Standort abwickelte. Bis 1949 wurden in der Puppenwerkstätte etwa 4.500 Puppen für den Handel handgefertigt. 1949/50 bezog das Unternehmen ein Ladengeschäft im gegenüberliegenden Neubau der Badischen Beamtenbank in der Ritterstraße 5 (heute 7). Der Behelfsbau wurde als Laden und Lagerraum weitergenutzt und erst 1960 durch einen Neubau ersetzt, der dem Spielwarenverkauf vorbehalten war, während in den angemieteten Räumen bis 1988 vor allem Babyausstattung und Kleinkinderartikel angeboten wurden.

Bereits 1969 wurde das neue Geschäftshaus um ein Geschoss aufgestockt und so umgebaut, dass auf sechs Etagen Spielwaren verkauft werden konnten. 1989 wurde durch eine Kooperation mit Karstadt die Verkaufsfläche im Erdgeschoss Richtung Kaiserstraße hin vergrößert. Unter Eduard W. Peltzer, dem Neffen von Ernst Doering, expandierte die Firma, indem sie zwischen 1981 und 1994 Filialen in Bruchsal, Gaggenau und Bühl unterhielt. Vor allem die wachsende Konkurrenz durch den Internetverkauf führte 2013 zur Schließung des traditionsreichen Fachgeschäfts für Spiel und Freizeit.

Katja Förster 2014

Quellen

Karlsruher Adressbücher 1818 ff. http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/bestaende/adressbuecher.de (Zugriff am 21. Dezember 2020).

Literatur

Jörg H. Peltzer/Eduard Peltzer: Geschichte des Hauses Doering von 1796 bis 2006, hrsg. von der Fa. Doering, [Karlsruhe] 2006.