Das Reitinstitut von Neindorff nach Umbau und Sanierung, 1981, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A41/35/4/32.
Vorführung der Klassischen Reitkunst im Reitinstitut von Neindorff, 1987, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A53/137/5/26.

Reitinstitut Egon von Neindorff-Stiftung

1947 gründete der erst 23-jährige Egon von Neindorff (1923-2004), der von 1947 bis 1954 selbst als Dressurreiter an Turnieren teilnahm, in Lörrach eine Reitschule. Als Badische Landesfachschule für Reiten und Fahren verlegte er diese 1949 in die Stall- und Reitanlage der ehemaligen Telegrafenkaserne in der Karlsruher Nordweststadt, in der sich das Reitinstitut noch heute befindet.

Im Reitinstitut Egon von Neindorff, wie er seine Schule seit 1957 nannte, wurde von Beginn an nach den Regeln der klassischen Reitkunst bis zur Hohen Schule, der höchsten Schwierigkeitsstufe der Dressur, unterrichtet. Ebenso dienten von Anfang an nur vorzüglich ausgebildete Dressurpferde als Lehrpferde, so dass aus dem privaten Lehrinstitut schon bald erste erfolgreiche Turnier- und Berufsreiter hervorgingen, die das Reitinstitut national und international bekannt machten.

1954 wurde die Schule von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf offiziell anerkannt. Von nun an gewann der professionelle Ausbildungsbetrieb zum Reitlehrer, Trainer, Ausbilder, Bereiter, Turnierreiter und seit 1976 auch zum staatlichen Pferdewirt neben dem allgemeinen Lehrbetrieb für Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine immer größere Bedeutung. Zum internationalen Renommee des Instituts trug auch der Umstand bei, dass es neben der Spanischen Hofreitschule in Wien, der Königlich-Andalusischen Reitschule in Jerez de la Frontera und der Cadre noir in Saumur zu den wenigen Ausbildungsstätten der Hohen Schule in Europa zählte.

Durch die Anlage der Nancystraße und ihre Bebauung in den 1960er-Jahren ging die Nutzung des angrenzenden Freigeländes für das Reitinstitut verloren. Die Unterbringung von etwa 70 Reitpferden und dem Personal in dem 1906/07 erbauten, 128 Meter langen Stallgebäude ließ ebenfalls sehr zu wünschen übrig, so dass sich Neindorff ab Mitte der 1970er-Jahre nach einem neuen Standort, bevorzugt im südwestdeutschen Raum, umsah. Die Stadt Karlsruhe billigte daraufhin 1978 Sanierungskosten in Höhe von 300.000 DM, mit denen bis 1981 die Gebäude saniert und die heute denkmalgeschützte Reithalle erweitert und ihre Innenausstattung verbessert wurden. Die Außenrenovierung übernahm das Bundesvermögensamt als Eigentümer.

1989 gründete Neindorff den Verein zur Förderung und Erhaltung der klassischen Reitkunst im Sinne des Reitinstituts Egon von Neindorff e. V. und 1991 die Egon von Neindorff-Stiftung, der sich die Stadt Karlsruhe und das Land Baden-Württemberg anschlossen. Damit waren der Fortbestand des Reitinstituts und sein Karlsruher Standort über Neindorffs Tod hinaus gesichert. Ende der 1990er-Jahre kaufte die Stadt, nachdem das Land bereits 1996 die finanzielle Unterstützung aufgekündigt hatte, das Gelände mit den Gebäuden vom Bund und vermietet es seitdem an die Neindorff-Stiftung. Die Reithalle wurde 1999 umfassend saniert. Dort werden bis heute die von Neindorff 1954 ins Leben gerufenen, alljährlich im Frühjahr und Herbst stattfindenden Festabende, bei denen der Öffentlichkeit die Hohe Schule der klassischen Reitkunst präsentiert wird, durchgeführt.

Katja Förster 2019

Quelle

Eva Walther: Das Reitinstitut von Neindorff: Die „kleine Schwester“ der Spanischen Hofreitschule Wien. 30 Jahre internationale Spitze der Dressurreitkunst in Karlsruhe, in: Badische Neueste Nachrichten vom 21. Mai 1977, StadtAK 8/Ze 15.

Literatur

Anke Mührenberg: Reitsport, in: Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis heute, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche und Volker Steck, Karlsruhe 2006, S. 289-301, S. 299-301 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28).