Bettelvogt

Die Anfänge der Stadtverwaltung Karlsruhe im 18. Jahrhundert waren durchaus bescheiden. Der bereits im März des Jahres 1718 von 55 Bürgern gewählte und von Markgraf Karl Wilhelm bestätigte Bürgermeister Johann Sembach sowie sechs im September gewählte Stadträte tagten erstmals am 24. November des Jahres und übernahmen Verwaltungsaufgaben wie die Führung der Stadtrechnung und die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit bis zu einer Strafe von zehn Gulden. Damit verbunden war die Besetzung verschiedener Ämter durch Ratsmitglieder. Zu diesen Ämtern gehörte das Amt des Bettelvogts. Zuständig war er für Maßnahmen zur Einschränkung des Bettelwesens.Außerdem war er in den Anfangsjahren der Stadt zugleich auch Nachtwächter. Erster Bettelvogt wurde der Nachtwächter Michael Endlich, der für seine Dienste jährlich vier Gulden vom Markgrafen und 30 Kreuzer wöchentlich von der Stadt bezog.

Mit der Einrichtung einer markgräflichen Polizeideputation im Jahr 1787, mit der der Markgraf die Befugnisse des Stadtrats spürbar einschränkte, ging dieses Amt auf die neue Behörde über.

Ernst Otto Bräunche 2017

Quellen

StadtAK 8/StS 18/A, 4, Stadtprivileg 1722; 8/StS 6/V:A, 24, Hochfürstliches Mandat die Errichtung der Polizeideputation in der Residenz Karlsruhe betreffend, Karlsruhe 1787.

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Die Karlsruher Ratsprotokolle des 18. Jahrhunderts, Karlsruhe 1995, S. 1-22 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 2); Karl Gustav Fecht: Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Im Auftrag der Städtischen Archivkommission be¬arbeitet. Mit Illustrationen und einem Situationsplan der Gegend, Karlsruhe 1887, S. 77 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/content/titleinfo/264898 (Zugriff am 27. Dezember 2020); Christina Müller: Karlsruhe im 18. Jahrhundert. Zur Genese und sozialen Schichtung einer residenzstädtischen Bevölkerung, Karlsruhe 1992, Neuauflage 2018, S. 38-47 (= Forschungen und Quellen zur Stadtgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 1).