Bürgermeister

Karlsruhe erhielt drei Jahre nach der Stadtgründung einen Bürgermeister. 55 Bürger wählten am 24. März 1718 den Wirt Johannes Sembach (1718-1720). Ihm folgten bis 1812 weitere zwölf vom Stadtrat gewählte und anschließend durch markgräfliches Reskript bestätigte Bürgermeister.


Bürgermeister 1718-1812

1718-1720    Johannes Sembach, Waldhornwirt und Kaufmann.

1720-1724    Johannes Ludwig, Bäckermeister.

1724-1731    Georg Adam Ottmann, Hofglaser.

1731-1734    Johann Ernst Kaufmann, Apotheker, seit 1726 Stadtapotheke.

1734-1744    Johann Cornelius Roman, Kaufmann.

1744-1746    Johann Ernst Kaufmann (s. o.).

1746-1750    Andreas Jacob Maschenbauer, Hofbuchdrucker.

1750-1763    Johann Sebald Kreglinger, Gastwirt und Posthalter.

1764-1770    Georg Jacob Finck, Metzgerzunftmeister und Stadtbaumeister.

1770-1780    Christoph Hennig, Kürschner und Stadtbaumeister.

1780-1799    Christian Ludwig Schulz, Hofsäckler und Stadtbaumeister.

1799-1800    Georg Friedrich Trohmann, Hofmetzger und Stadtbaumeister.

1800-1809    Gabriel Bauer, Gewichtseicher und Steinsetzer im Stadtrat.

1809-1812    Wilhelm Christian Griesbach, Tabak- und Lederfabrikant in Ettlingen, Karlsruhe und Rüppurr.

Der Bürgermeister hatte keine sehr weitreichenden Kompetenzen, er leitete die Sitzungen des Stadtrats und war für die rechtskonforme Erledigung der der Stadt übertragenen Aufgaben sowie für die ordnungsgemäße Rechnungsführung verantwortlich. Ebenso gehörten die Vergabe von städtischen Bauarbeiten, die Personalverantwortung für die städtischen Bediensteten und die Voruntersuchungen bei anstehenden Gerichtsverhandlungen zu seinen Zuständigkeiten. Kontrolliert wurde er vom markgräflichen Oberamtmann. Wie die Ratsmitglieder bekam er zunächst keine Besoldung, bekam aber einen Anteil an den von der Stadt verhängten Strafen. Seit 1730 erhielt er dann ein Jahresgehalt von 45 Gulden.

Nach Erlass der Konstitutionsedikte des Großherzogtums Baden wurde der Bürgermeister erstmals seit 1718 wieder von der Bürgerschaft gewählt, die Ernennung erfolgte nach wie vor durch die Staatsbehörde.

Der 1809 gewählte Bürgermeister Wilhelm Christian Griesbach wurde 1812 zum ersten Karlsruher Oberbürgermeister, dem als Zweiter Bürgermeister Bernhard Dollmätsch zur Seite gestellt wurde, da unter anderem mit der Eingemeindung von Klein-Karlsruhe die Verwaltungsaufgaben zugenommen hatten. Dollmätsch erhielt nun ein Jahresgehalt von 600 Gulden.

Seit 1875 wählten die Stadtverordneten aufgrund der Städteordnung von 1874 neben dem Oberbürgermeister einen Ersten Beigeordneten mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister und einen zweiten Beigeordneten. 1880 werden beide als Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister aufgeführt, seit 1896 nur noch als Bürgermeister. Von 1880-1885 und wieder ab 1909 hatte die Stadt drei Bürgermeister. Begründet wurde die Verstärkung der Bürgermeisterbank mit den gestiegenen Anforderungen. Oberbürgermeister und Bürgermeister hatten nicht nur alle Aufgaben der Gemeindeverwaltung zu verantworten, sondern mussten weitere zahlreiche Funktionen, zum Beispiel als Gemeinderichter oder Schiedsmänner in Strafsachen und bürgerlichen Rechtsangelegenheiten übernehmen. Letztlich schlug sich hier der im Zuge des Urbanisierungsprozesses erforderliche Aufbau der Leistungsverwaltung nieder.

Nachdem vom 17. Juni 1879 bis 24. März 1886 vorerst vorübergehend drei Bürgermeister amtiert hatten, wurde die dritte Bürgermeisterstelle 1909 dauerhaft eingeführt. Nach dem Ersten Weltkrieg erhöhte sich die Zahl der Bürgermeisterstellen am 29. September 1919 auf vier, ehe sie am 7. Mai 1924 nach der auf eigenen Wunsch erfolgten Zurruhesetzung des Bürgermeisters Max Horstmann wieder auf drei reduziert wurde.

Im Zuge der nationalsozialistischen Machtübernahme erhielten die Bürgermeister Heinrich Sauer und Erich Kleinschmidt am 20. März 1933 wie Oberbürgermeister Julius Finter zur Überwachung Kommissare zugeordnet. Verschont blieb zunächst nur der dem Zentrum angehörende Bürgermeister Hermann Schneider, der erst am 30. März einen eigenen Kommissar erhielt. Endgültig abgelöst wurden der Oberbürgermeister und die drei Bürgermeister im Gegensatz zu anderen badischen Städten erst am 8. Mai 1933, allerdings nicht nach dem zwischenzeitlich erlassenen Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, sondern aufgrund einer Übereinkunft mit den Betroffenen, die deren geschlossenen Rücktritt und die Pensionierung vorsah. In der Bürgerausschusssitzung am 8. Mai wurden der neue Karlsruher Oberbürgermeister Adolf Friedrich Jäger und Bürgermeister Hermann Fribolin gewählt. Um Sparsamkeit zu demonstrieren, hatten die Nationalsozialisten zwei Bürgermeisterstellen gestrichen. Doch als sich 1934 herausstellte, dass die Führungsaufgaben von zwei Bürgermeistern allein nicht zu bewältigen waren, wurde Stadtrat Peter Riedner am 1. Oktober besoldeter Stadtrat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Stadt schon am 21. Juni 1945 zunächst wieder zwei, 1947 drei, 1961 vier Bürgermeister. 1978 wurde das Finanzreferat in ein fünftes Dezernat umgewandelt. Die fünfte Bürgermeisterstelle wurde 2004 im Rahmen einer Haushaltskonsolidierung bis 2008 wieder abgeschafft.

2015 wird die Stadt Karlsruhe im Bürgermeisteramt vom Oberbürgermeister, zwei Bürgermeisterinnen und drei Bürgermeistern geleitet. Erste Frau im Bürgermeisteramt war 1995 Heinke Salisch, Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Laut Gemeindeordnung sollen die Bürgermeister die Kräftverhältnisse im Gemein­de­rat widerspiegeln, so dass es immer wieder zu Ausein­an­der­set­zun­gen über die Besetzung von Bürgermeisterstellen gekommen ist. 2021 gehören eine Bürgermeisterin und ein Bürgermeister der Christlich Demokratischen Union (CDU), einer der SPD, die eine weitere ihr zustehende Bürgermeisterstelle mit einem parteilosen Bewerber besetzt hat, und eine Bürgermeisterin den Grünen an.

Ernst Otto Bräunche 2015/2021

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Stadtrat und Bürgerausschuß, in: Residenz im Kaiserreich. Karlsruhe um 1890, Karlsruhe 1990, S. 118-125; Ernst Otto Bräunche: Oberbürgermeister und Bürgermeister, in: 200 Jahre kommunale Selbstverwaltung - Erfolgsgeschichte und Zukunftsmodell. Festschrift zur Hauptversammlung des Städtetags Baden-Württemberg am 23.10.2008 in Baden-Baden, Stuttgart 2008, S. 68-77; Manfred Koch: Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP8rgLfNoyL/Karlsruher%20Chronik.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020); Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe - Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998 https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP1XI2Dw44t/Karlsruhe%20Die%20Stadtgeschichte.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020); Manfred Koch: Eine Frage der Mehrheitsverhältnisse. Karlsruher Bürgermeisterwahlen 1961-1983, in: Manfred Koch: Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 2003-2008, Karlsruhe 2008, S. 30-34 http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick82/aufsatz1.de (Zugriff am 21. Dezember 2015); http://www.karlsruhe.de/b4/stadtverwaltung.de (Zugriff am 21. Dezember 2015).