Evangelische Kirche Grünwettersbach, 1972, Stadtarchiv Karlsruhe 7/PS Berger 265.

Evangelische Kirche Grünwettersbach

Seit wann Grünwettersbach eine Kirche hat, ist nicht bekannt. Das erste nachgewiesene, im romanischen Baustil errichtete Gotteshaus stammte aber spätestens aus dem 12. Jahrhundert. Von dieser Kirche ist noch der ursprünglich wahrscheinlich frei stehende Turm erhalten. Die unterhalb des ersten Gesimses zu lesende Zahl 1408 weist auf den Nachfolgebau hin, wofür spätere Quellen sprechen. In das ebenfalls erhalten gebliebene Taufbecken ist die Jahreszahl 1491 eingelassen. Anfang der 1980er-Jahre gefundene Pläne vom Grundriss der Kirche zeigen, dass das aus rotem und gelbem Sandstein erbaute und auf acht Säulen stehende dreischiffige Langhaus, von dem kleine Mauerreste erhalten sind, an den Kirchturm angebaut wurde. Dies könnte bedeuten, dass ein Vorgängerbau existiert hat.

Erstmals erwähnt wird die Kirche 1278. Aus diesem Jahr ist mit Adelhart auch der erste Pfarrer überliefert. Da Grünwettersbach eine Gründung des Klosters Herrenalb ist, das ab 1338 unter die Schirmherrschaft der Grafen von Württemberg kam, wurden die Geistlichen durch Mönche dieses Klosters gestellt. In der 1348 ausgestellten ältesten Urkunde über die Grünwettersbacher Kirche bzw. Pfarrei, die damals die Dörfer Mutschelbach, Stupferich, Dürrenwettersbach, Langensteinbach, Spielberg, Etzenrot, Reichenbach und Busenbach umfasste, übertrug der Propst zu St. German in Speyer das Patronatsrecht der Pfarrkirche zu Grünwettersbach den Brüdern des Johanniterordens (Deutschorden zu Mergentheim). Seit 1348 war Grünwettersbach damit eine Pfarrei des Deutschen Ordens in der Ballei Franken und wurde ausschließlich mit Ordenspriestern besetzt, welche direkt dem Deutschmeister, seit 1527 dem Hochmeister des Deutschen Ordens unterstanden. Diese Sonderstellung führte dazu, dass der seit Mitte des 14. Jahrhunderts zu Württemberg gehörende Ort 1534/35, als Herzog Ulrich die Reformation in seinem Herzogtum einführte, weiterhin katholisch blieb. Erst eine militärische Niederlage des Hochmeisters gegen den württembergischen Herzog Christoph 1552 führte infolge des Heidelberger Vertrags vom 25. März 1553 zur Abtretung der Grünwettersbacher Pfarrei an die württembergische Landeskirche und damit zur erstmaligen Besetzung der dortigen Pfarrstelle mit einem evangelischen Geistlichen.

Zwölf Jahre später erfolgte die Verkleinerung der Pfarrei Grünwettersbach, zu der nun nur noch Mutschelbach und Hohenwettersbach gehörten, da die anderen Dörfer beim alten Glauben geblieben waren. Im Dreißigjährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Kirche als Wachhaus und Pferdestall genutzt und mehrmals geplündert. 1714 kam es zu einer erneuten Verkleinerung der Pfarrei, als die Filialgemeinde Dürrenwettersbach ausgegliedert wurde und unter dem neuen Namen Hohenwettersbach als eigene Pfarrei von Durlach aus verwaltet und seelsorgerisch betreut wurde. Spätestens seit 1722 besaß die Kirche eine Orgel. 1743 erfolgte der Bau des Pfarrhauses.

Nachdem die evangelische Kirche seit Jahrzehnten dringend sanierungsbedürftig gewesen, eine Instandsetzung wegen Geldknappheit jedoch immer hinausgeschoben worden war, ging der Verfall soweit, dass der Kirchturm 1776 einzustürzen drohte. Daraufhin genehmigte die württembergische Regierung zunächst die Sanierung des Kirchturms und schließlich den Neubau des Langhauses. Differenzen über die Finanzierung verzögerten allerdings die Baumaßnahmen, sodass erst 1778 mit den Arbeiten am Turm begonnen werden konnte. 1781 wurde das dreischiffige Langhaus mit Chor bis auf die Fundamente abgebrochen und auf diesen bis 1784 nach Plänen des Ludwigsburger Kirchenratsbaumeisters Wilhelm Friedrich Goez eine etwas höhere Saalkirche, ebenfalls mit Westempore, errichtet werden. Die alten Backsteine wurden dabei wiederverwendet und um neue, größere Quadersteine ergänzt. 1788/89 musste der Kirchenboden wegen Fäulnis entfernt und neu verlegt werden.

Mit dem Anfall von Grünwettersbach an das Großherzogtum Baden 1806 wurden die evangelisch-lutherischen Ratskollegien in Karlsruhe, die sich ein Jahr später mit dem reformierten Ratskollegium in Heidelberg zum Großherzoglich Badischen Evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe zusammenschlossen, die oberste kirchliche Verwaltungsbehörde. Dieser untergeordnet war das für Grünwettersbach zuständige Spezialat Durlach.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es immer wieder zu kleineren Veränderungen an der Kirche. 1889 wurde mit dem Karlsruher Glasmaler Hans Drinneberg ein Vertrag über 13 neue Kirchenfenster – zwölf farbige Butzenfenster und ein Fenster mit der Darstellung der Bergpredigt für die mittlere Chorwand – abgeschlossen. Letzteres wurde bei einem Jagdbomberangriff vom 28. September 1944 auf Durlach und die Bergdörfer zerstört, aber 1950 vom ortsansässigen Künstler Heinz Barth durch das Motiv der Auferstehung Christi ersetzt. Ebenfalls 1950 erhielt der Kirchturm vier neue Glocken, deren Vorgänger im Ersten und Zweiten Weltkrieg zur Kriegswaffenproduktion eingeschmolzen worden waren.

1986 erfolgte eine umfassende Renovierung der Kirche, die am 7. Dezember 1986 wiedereingeweiht werden konnte. Bei einer weiteren Renovierung 1996 kam es zu einer Umgestaltung des Innenraums, in dem die Bestuhlung um Kanzel und Taufbecken herum angeordnet wurde und Michael Munzer die Fenster mit den symbolischen Farben des Kirchenjahrs gestaltete.

Die evangelische Kirche Grünwettersbach ist Teil der Evangelischen Kirchengemeinde Grünwettersbach, zu der außerdem noch ein Kindergarten und ein Gemeindehaus gehören. Die Kirche ist Kulturdenkmal nach § 2 des baden-württembergischen Denkmalschutzgesetzes.

René Gilbert 2019/Katja Förster 2021


Quelle

Karlsruher Kulturdenkmale Evangelische Kirche Grünwettersbach https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=00174 (Zugriff am 1. August 2021).

Literatur

Wilhelm Sprengel/Heinz-Theo Krahl: Wettersbacher Heimatbuch, Karlsruhe 1974, S. 162-197; Evangelische Kirchengemeinde Grünwettersbach (Hrsg.): Evangelische Kirche Grünwettersbach, hrsg. zum Abschluß der Renovierung und Wiedereinweihung der Kirche am 7. Dezember 1986, Karlsruhe 1986; Jürgen Krüger: Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, hrsg. von Günter Frank u. a., Ubstadt-Weiher 2015, S. 245 f.; Katja Förster: Wettersbach, Grünwettersbach und Palmbach von den Anfängen bis zur Gegenwart, Karlsruhe 2019, S. 43-58, 190 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 34).