Parkschlössle, Seitenansicht, 1924, Pfinzgaumuseum Durlach U I 623.

Parkschlössle

Von 1889-1892/93 errichtete der Straßburger Bauunternehmer und Architekt Karl Seufert auf seinem 9.653 Quadratmeter großen Grundstück an der Ettlinger Straße (heute Badener Straße 33) in Durlach eine Villa im Stil der Gründerzeit. Noch vor 1898 verkaufte er das parkartige Anwesen mit der im Volksmund so genannten Seufert-Villa. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel kaufte die Durlacher Kaufmannsfrau Karoline Schaumburg 1920/21 das Anwesen.

1925 eröffnete sie mit ihrem Ehemann im Erdgeschoss der Villa das Café-Restaurant Parkschlössle, das, ab 1926 um eine Gartenwirtschaft erweitert, besonders durch seine Tanz- und Freilichtveranstaltungen zu einem beliebten Treffpunkt wurde. Die wirtschaftliche Regression führte 1929 zur Zwangsversteigerung des Anwesens, das Eigentum der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei AG in Donaueschingen wurde. Wegen Unrentabilität des verpachteten Gaststättenbetriebs verkaufte die Brauerei 1942 das Parkschlössle an die Durlacher Kaufmannsfrau Elisabeth Rührup, die mit ihrem Mann den Café- und Restaurantbetrieb bis Ende 1950 fortführte.

Anfang 1951 verkaufte sie das Anwesen mit der nach Kriegsschäden wieder instand gesetzten Villa an die Stadt Karlsruhe. Diese beabsichtigte, da die seit 1946 als Flüchtlingsaltersheim dienende Pestalozzischule für den Schulbetrieb frei gemacht werden musste, neben der Villa zügig einen Neu- bzw. Erweiterungsbau als Flüchtlingsaltersheim für 200-220 Personen zu erstellen. Der Plan scheiterte jedoch an fehlenden Haushaltsmitteln. Lediglich die Villa konnte mit Mitteln aus dem Soforthilfefonds zur Aufnahme von 39 Bewohnern der Pestalozzischule hergerichtet werden, die restlichen 126 Bewohner bezogen im Juni 1952 die von der Stadt als städtisches Altersheim gepachtete Wilhelmshöhe in Ettlingen. 1964 wurde die Gründerzeitvilla an der Badener Straße abgebrochen und bis 1968 ein vom Durlacher Architekten Rainer Bucerius entworfener Neubau als Städtisches Alters- und Pflegeheim Parkschlössle errichtet.

Das im November 1968 eröffnete Haus konnte bis zu 180 Personen aufnehmen und war nach damals modernen Gesichtspunkten strukturell zweigeteilt in eine Altersheim- und eine Pflegeheimabteilung. Der fortwährende Entwicklungs- und Spezifizierungsprozess in der Altenpflege führte 1993/94 zur Aufstockung des sechs Geschosse hohen Gebäudes um ein weiteres Stockwerk mit acht altengerechten Appartements für Betreutes Wohnen sowie 1994/95 zur Einrichtung einer gerontopsychiatrischen Pflegeabteilung für altersverwirrte und demenzerkrankte Personen im Erdgeschoss. Nachdem die Rechtsform der beiden städtischen Alters- und Pflegeheime Parkschlössle und am Klosterweg und des städtischen Kinder- und Säuglingsheims in der Sybelstraße zum 1. Januar 1995 in eine gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt worden war, erfolgte von 2005-2009 die Generalsanierung und Modernisierung des Gebäudes (117 Heimplätze) sowie die Erweiterung des Seniorenzentrums um einen viergeschossigen Würfelbau (32 Plätze) und einen zweigeschossigen Terrassenbau mit 12 Zwei-Zimmer-Wohnungen für Betreutes Wohnen. Das vielfältige und variabel zu gestaltende Raumangebot ermöglicht es, auf zukünftige demografische Entwicklungen zu reagieren.

Katja Förster 2013

Literatur

Katja Förster: Das Parkschlössle. Zur Geschichte der städtischen Altenpflege in Durlach, Karlsruhe 2009 (= Häuser- und Baugeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 10); dies.: Vom Hospital zum Parkschlössle. Altenpflege gestern und heute am Beispiel Durlachs, in: Blick in die Geschichte, Nr. 91, 24. Juni 2011, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick91/altenpflege.de (Zugriff am 28. Oktober 2013).