Hindenburgschule (heute Pestalozzischule) in der Wilhelmstraße (heute Christofstraße) 23 in Durlach, 1915, Pfinzgaumuseum Durlach U I 36/3.
Pestalozzischule, 1996, Pfinzgaumuseum Durlach U I 422.

Pestalozzischule (ehemals Hindenburgschule bzw. Goetheschule)

Für die rasch anwachsende Zahl an Volksschülern in Durlach – von 1900 bis 1908 stieg die Zahl von 1.500 auf über 2.120 Schüler an – reichte der 1877/78 in der Hauptstraße nach Plänen von Heinrich Lang errichtete Schulhauskomplex (heute Friedrich-Realschule in der Pfinztalstraße 78) bereits um 1900 nicht mehr aus. Nach längeren Überlegungen beschloss der Durlacher Stadtrat 1912, eine weitere Volksschule in dem damaligen Neubaugebiet im Westen der Stadt zu errichten und schrieb dafür einen auf Durlacher Architekten beschränkten Wettbewerb aus. Zur Ausführung gelangte schließlich der drittplazierte Entwurf des Architekten Wilhelm Sackberger, eines ehemaligen Mitarbeiters im Architekturbüro von Hermann Billing.

Die Grundsteinlegung des streng gegliederten, dreigeschossigen Schulgebäudes in der Wilhelmstraße (heute Christofstraße) 23 fand am 2. Januar 1914, die feierliche Einweihung am 23. Oktober 1915 statt. Die Unterrichtsanstalt änderte im Laufe ihrer Geschichte dreimal den Namen: Von 1915-1922 und von 1933-1947 hieß sie Hindenburgschule, von 1922-1933 Goetheschule und seit 1947, auf Antrag der Durlacher Lehrerschaft, Pestalozzischule.

Im April 1945 wurde das Schulhaus von den französischen Streitkräften und im Juni des Jahres von den US-Amerikanern beschlagnahmt. Nach der Freigabe im August 1946 nutzte die Stadt von September 1946 bis Juni 1952 den geräumigen Bau als Altersheim für Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Der Schulunterricht fand in dieser Zeit unter schwierigsten Bedingungen in der ehemals als Kaserne genutzten Karlsburg statt.

Nach der Verlegung des Flüchtlingsaltersheims auf die Wilhelmshöhe in Ettlingen Anfang Juni 1952 wurde das Gebäude umfassend renoviert und mit Beginn des neuen Schuljahres am 25. Oktober 1952 feierlich wiedereröffnet. 1984 wurde die landeseinheitliche Hauptschulabschlussprüfung eingeführt sowie zum Schuljahr 1991/92 die Werkrealschule, die zum Abschluss der Mittleren Reife nach der 10. Klasse führt. Bereits 1990 hatte sich der Förderverein der Schule konstituiert.

Neben zahlreichen Kooperationen mit Durlacher Vereinen und Einrichtungen wie der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Kinder- und Jugendhaus, dem Stadtamt und der Stadtbibliothek infolge mehrerer Stadtteilkonferenzen seit Mai 1993 pflegt die Pestalozzischule auch seit 1994 eine enge Zusammenarbeit mit der Federbachschule in Daxlanden, seit 1996 mit der Bertha-von-Suttner-Schule in Ettlingen sowie seit 1999 mit dem Agneshaus und der Gewerbeschule Durlach. Mit letzterer stellt sie seit Herbst 1999 die Kooperationsklasse "Hauptschule – Berufsvorbereitungsjahr". Zur selben Zeit führte die Lehranstalt als eine der ersten Schulen in Baden-Württemberg die Ganztagsgrundschule ein.

Die Grund- und Werkrealschule umfasst heute circa 460 Schülerinnen und Schüler, die sich auf 24 Klassen verteilen. Die Grundschule mit circa 275 Schülern verfügt über zwölf Klassen, je drei pro Klassenstufe, davon je zwei Regel- und eine Ganztagsklasse. Dieses Angebot wird noch um eine Grundschulförderklasse für zurückgestellte schulpflichtige Kinder zur systematischen Vorbereitung auf den Grundschulbesuch sowie um eine Vorbereitungsklasse 2 für Kinder mit wenigen Deutschkenntnissen ergänzt. Die Werkrealschule, die von circa 185 Schülern besucht wird, umfasst acht Klassen sowie eine Vorbereitungsklasse für 11- bis 16-jährige Schüler mit fehlenden Deutschkenntnissen. Außerdem bietet die Schule Werkrealschülern Zusatzunterricht im Fach Französisch an.

Katja Förster 2016

Quellen

StadtAK 5/Durlach A 2528, StadtAK 1/H-Reg 1949.

Literatur

http://www.pestalozzischule-durlach.de (Zugriff am 12. Januar 2016).