Wartehalle der Lokalbahn am Hauptfriedhof, vor 1928, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 41/5c.

Wartehalle der Lokalbahn am Friedhof – InfoCenter am Hauptfriedhof

1891 wurde Hagsfeld an die Lokalbahn Durmersheim – Spöck angeschlossen, was den circa 300-350 Fabrikarbeitern den Weg zu ihren Karlsruher Arbeitsstätten verkürzte. Der 1874-1876 nach Plänen von Josef Durm auf ehemaliger Rintheimer Gemarkung errichtete Karlsruher Hauptfriedhof lag an dieser Lokalbahnstrecke und der seit 1905 parallel dazu verlaufenden Linie der elektrischen Straßenbahn. Angesichts der steigenden Zahlen an Friedhofsbesuchern beauftragte Stadtbaumeister Wilhelm Strieder seinen jungen Kollegen Friedrich Beichel 1904/05 mit der Errichtung einer Wartehalle für die Haltestelle Friedhof.

Beichel berücksichtigte bei seiner Planung die vorhandene Friedhofsarchitektur, indem er sowohl Durms klaren renaissancistischen Stil als auch den hellen Sandstein als Baumaterial aufgriff. Dies äußerte sich in der massiven rechteckigen Mauereinfassung der Wartehalle, die zur Straße hin – durch Sockel, Lisenen, Rundbogen und Dreiecksgiebel – in der Art zweier Ädikulen gestaltet war und dem kleinen Bau einen ‚sakralen‘ Charakter verlieh. Das den offenen Mittelteil der Halle überspannende Pultdach mit T-Träger und dekorativ geformten Stützen aus Gusseisen sowie das Kranz-Motiv an der Innenwand dagegen waren dem Formenrepertoire und Material des zeitgenössischen Jugendstils entnommen und gaben der Wartehalle das augenfällige Aussehen eines Bauwerks der Jahrhundertwende.

Nachdem die 1905/06 errichtete Wartehalle in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Zweck verloren hatte, beschloss die Stadt im Jahr 2000, das ehemalige Stationshäuschen zu renovieren und zu einem modernen Informationszentrum für Fragen rund um das Thema Friedhof zu erweitern. In die vorhandene Bausubstanz wurde dabei so wenig wie möglich eingegriffen, der nötige Raumabschluss nach Süden durch eine eingezogene Glasfront geschaffen. An der Nordseite der ehemaligen Wartehalle, die für Ausstellungen, Lesungen und musikalische Veranstaltungen im kleinen Rahmen genutzt wird, wurde ein eingeschossiger quadratischer Anbau errichtet, welcher dem Träger des InfoCenters, dem Verein zur Pflege der Friedhofs- und Bestattungskultur, als eigentlicher Informations-, Beratungs- und Gesprächsraum dient.

Katja Förster 2021

Literatur

InfoCenter am Hauptfriedhof, https://www.friedhof-karlsruhe.de/infocenter.html (Zugriff am 2. Dezember 2020); Katja Förster: Ein vergessener Stadtbaumeister. Der Architekt Friedrich Beichel und seine Spuren in der Fächerstadt, in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge 2003-2008, Karlsruhe 2009, S. 114-118, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick68/beichel.de (Zugriff am 2. Dezember 2020).