Josef Durm, 1897, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS III 282.

Josef Wilhelm Durm

Architekt, Leiter der großherzoglichen Baudirektion, * 14. Februar 1837 Karlsruhe, † 3. April 1919 Karlsruhe, kath., später alt-kath., ∞ 1877 Marie Saal, 2 Söhne.

Nach dem Schulbesuch in Karlsruhe und Bruchsal studierte Durm am Polytechnikum in Karlsruhe unter anderem bei Friedrich Theodor Fischer und Heinrich Lang Architektur. Danach arbeitete er im Büro Fischers, legte 1860 bei Heinrich Hübsch die Staatsprüfung ab und wurde als "Baupraktikant" (heute Regierungsbaumeister) übernommen. Mit einem Staatsstipendium weilte er 1866/67 zu einem Studienaufenthalt in Italien, wo er Freundschaft unter anderem mit Anselm Feuerbach schloss. Auf der Rückreise über Paris besichtigte Durm die Weltausstellung und das von Georges-Eugène Haussmann konzipierte neue Pariser Stadtzentrum. 1868 wurde Durm als Professor an das Polytechnikum berufen – eine Tätigkeit, die er bis zu seinem Tod ausübte.

Nach seiner Berufung erhielt Durm bedeutende Bauaufträge, die seinen Ruf, einer der Ersten seines Faches zu sein, begründeten. Zu seinen Bauten in Karlsruhe gehören bzw. gehörten unter anderem: Vierordtbad (1871-1873), Synagoge in der Kronenstraße (1875), Hauptfriedhof (1874-1876), Festhalle (1875-1877), Palais Bürklin (1878-1880; 1889-1890), Prinz Max Palais (1881-1884), Erbgroßherzogliches Palais (1892-1897), Ostflügel der Kunsthalle (1894-1896), Oberlandesgericht mit Amtsgefängnis (1897) und Bezirksamt am Marktplatz (1899). 1887 wurde Durm als Nachfolger von Adolf Helbling zum Baudirektor und 1894 zum Oberbaudirektor ernannt. In der Position als oberster Baubeamter Badens wirkte Durm entscheidend auf die Gestaltung des badischen Bauwesens ein. Seine monumentalen Solitärbauten mit reicher architektonischer Gliederung und mächtigem Bauschmuck in Anlehnung an die italienische Renaissance gerieten gegen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend in die Kritik. Bei der Auflösung der Baudirektion 1902 wurde Durm mit dem Titel Geheimrat in den Ruhestand versetzt. Mit dem Bau der Oberrheinischen Versicherungsgesellschaft in Mannheim entstand 1908-1911 sein letztes großes Projekt.

Als Bauforscher erwarb sich Durm einen internationalen Ruf mit seinen umfangreichen Publikationen zur Baukunst, die bis heute als Standardwerke gelten. Durm erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Mitgliedschaften unter anderem als außerordentliches Mitglied der Königlich Preußischen Akademie des Bauwesens und ordentliches Mitglied der Kaiserlich Deutschen Archäologischen Institute in Berlin, Rom und Athen. Die Stadt Karlsruhe benannte 1960 die Durmstraße nach ihm.

Katja Förster 2012

Quelle

GLA N Durm.

Werk

Die Baukunst der Griechen, 3. Aufl., Leipzig 1910 (= Handbuch der Architektur, Theil 2, Die Baustile, Bd. 1); Die Baukunst der Etrusker, die Baukunst der Römer, 2. Aufl., Stuttgart 1905 (= Handbuch der Architektur, Theil 2, Die Baustile Bd. 2); Die Baukunst der Renaissance in Italien, 2. Aufl., Leipzig 1914 (= Handbuch der Architektur, Theil 2, Die Baustile, Bd. 5).

Literatur

Ulrike Grammbitter: Josef Durm 1837-1919. Eine Einführung in das architektonische Werk, München 1984; Ernst Koch: Oberbaudirektor Professor Dr. Josef Durm 1837-1919. Ein bedeutender badischer Architekt, in: Badische Heimat, Jg. 67, 1987, S. 288-299; Katja Förster: Josef Durm (Karlsruher Köpfe. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe, Bd. 1), Karlsruhe 2012.