Max-Planck-Gymnasium, um 1958, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA V V 2558.
Kuppel der Sternwarte des Max-Planck-Gymnasiums, um 1980, Foto: Samuel Degen, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Degen 170.
Sternwarte auf dem Dach des Max-Planck-Gymnasiums, 1984, Stadtarchiv Karlsruhe A48/93/3/41.

Max-Planck-Gymnasium

Nach dem Zweiten Weltkrieg besuchten zunehmend mehr Kinder der südlichen Stadtteile Rüppurr, Dammerstock und Weiherfeld anstelle eines städtischen Realgymnasiums die Ettlinger Oberschule (heute Eichendorff-Gymnasium). 1950 waren es 215 Schülerinnen und Schüler, für welche die Stadtverwaltung jährlich etwa 75.000 DM an Schulausgleichskosten zahlen musste. Um diese Situation zu beenden, wurde zum Schuljahr 1951/52 mit zwei fünften Klassen eine Außenstelle des Goethe-Gymnasiums im Rüppurrer Schlößle (heute Polizeiposten Karlsruhe-Rüppurr) eingerichtet, welches seit den späten 1930er-Jahre von der Rüppurrer Volksschule genutzt wurde. Zum Schuljahr 1952/53 zählte die Zweigstelle bereits vier Klassen mit 159 Schülern. Zum Schuljahr 1953/54 übernahm ein kommissarischer Schulleiter die „Abteilung Rüppurr“, die nun auf zusätzliche Klassenräume im evangelischen Gemeindehaus in der Diakonissenstraße 26 ausweichen musste.

Nachdem die Stadt Anfang 1953 die Errichtung eines neuen Gymnasiums in Rüppurr beschlossen hatte, schrieb sie einen Ideenwettbewerb für den Schulhausneubau aus, der entsprechend der wachsenden Schüler- und Klassenzahlen in mehreren Bauabschnitten ausgeführt werden sollte. Als Sieger der Konkurrenz ging die Architektengemeinschaft Gustav Eck, Peter Salzbrenner und Emil Mai hervor, die für das landschaftlich reizvolle Baugelände am südlichen Ende des Krokusweges nahe dem Durlacher Wald einen weiträumigen Gebäudekomplex im Stil der Nachkriegsmoderne konzipiert hatte, der sich über große Fenster und verglaste Gänge zur Natur hin öffnete.

Während des ersten Bauabschnitts 1953/54 wurde der Außenstelle des Goethe-Gymnasiums am 1. Juli 1954 vom Kultusministerium der Status eines eigenständigen Gymnasiums verliehen, das auf Beschluss des Stadtrats vom 20. Juli 1954 nach dem Physiker Max Planck benannt wurde. Am 14. September 1954 fand die feierliche Eröffnung des Max-Planck-Gymnasiums im zweigeschossigen Osttrakt des künftigen H-Baus statt. Bis 1955 entstand der Westtrakt mit den Verbindungsgängen und dem Innenhof. Erst im dritten und vierten Bauabschnitt von Januar 1957 bis August 1960 wurde mit dem dreigeschossigen Hauptbau der eigentliche Klassenzimmertrakt errichtet. Da der Schule in dieser Zeit von der Heidelberger Sternwarte ein alter Sechs-Zoll-Steinheil-Refraktor für die Einrichtung einer Schulsternwarte angeboten wurde, erhielt das südliche Flachdach des Hauptgebäudes einen Aufsatz mit Drehkuppel. Bereits 1959 konnte die Sternwarte, die zum Markenzeichen der Schule wurde und seit 1979 von der Astronomischen Vereinigung Karlsruhe (AVK) betrieben wird, eingeweiht werden. Mit dem Schuljahr 1959/60 war der Vollausbau des Gymnasiums, das einen neusprachlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zug anbot, abgeschlossen. Im Frühjahr 1960 legten erstmals 29 Abiturienten die Reifeprüfung ab. Die seit 1953 geplante Turnhalle konnte wegen fehlender Mittel erst 1965/66 realisiert werden und wurde, da der Aula-Bau noch immer seiner Ausführung harrte, auch für Schulveranstaltungen genutzt.

Aufgrund stetig steigender Schülerzahlen erwies sich der Gebäudekomplex bereits in den späteren 1960er-Jahren als zu klein. Auf die 21 vorhandenen Klassenzimmer kamen 1966 28 und 1969 sogar 33 Klassen mit 840 Schülerinnen und Schülern. Die beiden nördlich des Hauptbaus zum Jahresende 1969 in Fertigbauweise errichteten eingeschossigen Pavillons, die Raum für vier Klassenzimmer und zwei Musiksäle schufen, brachten keine wirkliche Verbesserung. 1976 erreichte die Auslastung des Gymnasiums mit 1.096 Schülern in 36 Klassen den Höchststand. Dunkle Kellerräume mit Milchglasfenstern als Unterrichtsbehelfsräume, Wanderklassen und regelmäßiger Nachmittagsunterricht gehörten inzwischen zum Schulalltag. Im November 1979 rief der Elternbeirat zu einer Protestveranstaltung gegen die schulischen Missstände auf, an der sich etwa 700 Schüler, Eltern und Lehrer beteiligten. Die Aktion führte dazu, dass 1980/81 einer der beiden zuletzt errichteten Pavillons um ein zweites Geschoss mit vier Klassenzimmern aufgestockt wurde.

1969/70 wurde das Max-Planck-Gymnasium mit drei weiteren Gymnasien des Landes als Versuchsschule für die erst 1978 flächendeckend eingeführte reformierte gymnasiale Oberstufe ausgewählt. Mitte der 1980er-Jahre rückte die Ausführung der seit 1953 geplanten Aula, die auch von den Rüppurrer Vereinen als Veranstaltungssaal genutzt werden sollte, in den Fokus der politischen Diskussion. Mehrere Lösungsvorschläge wurden von der Stadt als Schulträger erörtert. Eine Überdachung des ungenutzten Innenhofs des H-Baus durch eine Stahlkonstruktion mit Satteldach erwies sich als die einfachste Lösung und wurde bis Juni 1991 umgesetzt.

Seit dem Schuljahr 1986/87 können Schüler des naturwissenschaftlichen Zuges auch das Latinum erwerben. Eine weitere Neuerung, mit der man den deutlich sinkenden Schülerzahlen in den 1990er-Jahren entgegenwirken wollte, war die Einführung eines neuen Profils: Als erstes Gymnasium Nordbadens bot das Max-Planck-Gymnasium zum Schuljahr 1995/96 Bildende Kunst als Kernfach an. Der neue Schwerpunkt trug dazu bei, dass die Schülerzahlen wieder anstiegen, bis 2002/03 auf 663 und bis 2016/17 auf rund 850. Zum Schuljahr 2018/19 kam mit Informatik, Mathematik, Physik (IMP) noch ein viertes Profil hinzu. Die sehr gute Auslastung der Schule führte 2015/16 zur bisher letzten Erweiterungsmaßnahme: Nördlich des H-Baus entstand ein längsgestreckter Trakt mit Aufenthaltsraum, Fach-, PC- und Klassenräumen, der über einen Lichthof zugleich mit der Aula verbunden ist.

Katja Förster 2021

Quellen

Max-Planck-Gymnasium Rüppurr, https://www.mpg-ka.de/ (Zugriff am 25. Februar 2021); Badische Allgemeine Zeitung vom 5. November 1953 (Erster Spatenstich), 15. September 1954 (Einweihung); Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 11. Oktober 1969 (Pavillonbauten), 7. November 1979 (Demonstration), 29. Januar 1981 (Erweiterung), 17. September 1986 (Aula), 21. Juli 1991 (Aula), 11. Juli 1995 (Profil „Bildende Kunst“), 2. Dezember 2016 (Erweiterung).

Literatur

Reinhold Sutterer: Die Schulen in Rüppurr seit 1900, in: 900 Jahre Rüppurr. Geschichte eines Karlsruher Stadtteils, hrsg. von der Bürgergemeinschaft Rüppurr, Karlsruhe 2003, S. 183-195, bes. S. 187-190.