Erbprinz-Karl-Ludwig-Denkmal, Kupferstich von Viktor Heideloff, 1804, aus: Fritz Hirsch: 100 Jahre Bauen und Schauen, Bd. 2, Karlsruhe 1932, S. 80.

Erbprinz-Karl-Ludwig-Denkmal

1803-1867 in der Kapelle am Gotischen Turm im Erbprinzengarten.

Ursprünglich plante Erbprinz Karl Ludwig, auf den von ihm bis 1800 erworbenen Grundstücken zwischen Erbprinzen- und Kriegsstraße einen englischen Landschaftspark mit Landschlösschen an dessen Westseite anzulegen. Während einer mehrmonatigen Reise durch Russland und Schweden, zu der er im Juni 1801 mit seiner Gemahlin Erbprinzessin Amalie von Hessen-Darmstadt aufgebrochen war, sollte das Projekt ausgeführt werden. Sein unerwarteter Tod auf der Rückreise am 16. Dezember 1801 bei Arboga (Schweden) führte jedoch zu einer Planänderung. Sein Vater Markgraf Karl Friedrich beschloss, den von seinem verstorbenen Sohn hochgeschätzten alten Eichenbestand im Südosten des projektierten Erbprinzengartens in seiner Gesamtheit zu erhalten und zu einem Hain mit einer Gedenkstätte für Karl Ludwig umzugestalten.

Der von Friedrich Weinbrenner im Frühjahr 1802 vorgelegte Entwurf des so genannten „Gotischen Turms“ kaschierte die divergierenden Fluchtlinien von Stadt- und Gartengrenze durch die Positionierung des Turms auf der Südostecke des Grundstücks, an den nach Westen ein zweigeschossiges Gebäude und nach Norden eine Kapelle angeschlossen waren. Die alten Eichen unterstrichen den mittelalterlichen Charakter des neogotischen Architekturensembles. Im Obergeschoss des bewohnbaren Turmanbaues befand sich ein Kabinett mit Gemälden, die Szenen von der Reise und dem Tod des Erbprinzen zeigten. Von diesem Geschoss aus konnte man, gleich einer Loge, die Kapelle einsehen, in der das von Weinbrenner konzipierte und von dem Stuttgarter Bildhauer Philipp Jakob Scheffauer ausgeführte Denkmal stand.

Das Ehrenmal erhob sich anstelle eines Altars an der südwestlichen Chorwand der einschiffigen, flach gedeckten Kapelle, deren einzige Lichtquelle das gegenüberliegende spitzbogige Eingangsportal bildete. Es setzte sich aus einem monumentalen zweistufigen Postament und einem stelenartigen Cinerarium zusammen, das über einer Inschrift das Bildnis des Verstorbenen im Linksprofil zeigte sowie am Deckel des Aschenbehälters Wappen, Trauermasken und weitere Symbole von Schlaf und Tod. Auf dem Postament vor der Stele war eine große sitzende Statue angebracht, welche die trauernde Witwe darstellte. In der ungleichen Gewichtung von Verstorbenem und Trauernder lag das besondere Moment des Denkmals.

Bald nach dem Tod von Markgräfin Amalie 1832 verlor die Gedenkstätte ihre Bedeutung. Die Planungen des Großherzoglichen Sammlungsgebäudes führten 1867 zum Abriss des Gotischen Turms. Von dem Denkmalprojekt hat sich vermutlich nur das von Scheffauer in Terrakotta gefertigte Modell für die Sitzfigur (Frankfurt a. M., Liebighaus) erhalten.

Katja Förster 2012

Literatur

Literatur: Manfred Großkinsky: Erbprinz-Karl-Ludwig-Denkmal, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 139-143 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7) https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmmY1PdXpuoNV/Denkm%C3%A4ler%20Brunnen%20und%20Freiplastiken%20in%20Karlsruhe%201715-1945.pdf (Zugriff am 23. Dezember 2020).