Ansicht von Norden (Stadtseite) mit Wachhäuschen, Soldaten und Zivilisten, 1870, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVb 189.

Ettlinger-Tor-Denkmal

1803-1872 am südlichen Ende der Schlossstraße (heute Karl-Friedrich-Straße).

Mit dem Ettlinger-Tor-Denkmal, das an der neuen südlichen Stadtgrenze die Hauptzufahrt zum Stadtzentrum bildete, schloss zugleich die von Friedrich Weinbrenner im klassizistischen Stil konzipierte Nord-Süd-Achse, in späterer Zeit auch „Via Triumphalis“ genannt, ab. Da es keine defensive Funktion zu erfüllen hatte, sondern lediglich der Personenkontrolle sowie der Erhebung der Straßen- und Zollgebühren diente, griff Weinbrenner bei seinem Entwurf die lichte Weite einer dorischen Tempelfront auf, die er vor die eigentliche Stadtgrenze rückte.

Für den von Süden Kommenden präsentierte sich die Front als sechsteilige Pfeiler- und Säulenstellung, deren äußere Zwischenräume mit Mauerwerk geschlossen waren, während die drei inneren einen breiteren Durchgang für Fuhrwerke und zwei schmälere Durchgänge für Passanten aufnahmen. Die sechs Stützen, von denen nur die beiden Säulen vollplastisch ausgebildet waren, trugen Gebälk und Giebel. Das Gebälk setzte sich aus einem mit Inschrift versehenem Architrav und einem aus Triglyphen- und Metopenfeldern bestehenden Fries, der das badische Staatswappen und militärische Embleme zeigte, zusammen. Das mit einem Figurenrelief geschmückte Giebelfeld gab in der Mitte die Göttermutter Kybele als Sinnbild für die Stadt Karlsruhe wieder, die von Allegorien der Kunst und der Wissenschaft, des Ackerbaus und des Handels umgeben war. Der Aufriss des Tores zur Stadtseite hin war mit dem zur Feldseite identisch. Da die vorgelagerten Seitenbauten, in denen sich die dorische Tempelordnung vereinfacht fortsetzte, die geschlossenen Zwischenräume weitgehend verstellten, nahm der von Norden Kommende aber nur die drei Durchgänge wahr.

Das Figurenrelief im Tympanon zeigte ein konkretes Ereignis aus der jüngsten badischen Geschichte: Die am 27. April 1803 durch Inkrafttreten des Reichsdeputationshauptschlusses vollzogene territoriale Ausdehnung und Erhebung der Markgrafschaft zum Kurfürstentum. In der Mitte des Tympanons war Fama als Sinnbild des Ruhmes zu sehen, welche Palatina (Personifikation der Rheinpfalz) zu ihrer Rechten an die Hand genommen hat, um sie Badenia (Personifikation Badens) zu ihrer Linken, die sie gerade mit einem Lorbeerkranz bekrönt, zuzuführen. Allegorien des Rheins und des Neckars rahmten die Szene ein.

Unter der Bauleitung des Weinbrennerschülers Friedrich Arnold wurde das Denkmal 1803/04 errichtet. Bei seiner feierlichen Eröffnung am 26. September 1804 fehlten noch die Flachreliefs in den Tympana und der emblematische Schmuck in den Metopenfeldern. Diese Teile wurden 1805 von Bildhauer Tobias Günther ausgeführt und noch im selben Jahr angebracht. Aus verkehrstechnischen Gründen wurde das nicht mehr als zeitgemäß empfundene Tor zu Jahresbeginn 1872 abgebrochen.

Katja Förster 2012

Literatur

Manfred Großkinsky: Ettlinger-Tor-Denkmal, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, 2. Aufl. Karlsruhe 1989, S. 146-153 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7).