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De:Lexikon:bio-0754: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:bio-0754.jpg|200px|thumb|left|Heinrich Kurz, [https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/zoom.php?bestand=11237&id=3630901&screenbreite=1920&screenhoehe=1040 Generallandesarchiv Karlsruhe 231 Nr. 2937 (780) Bild 1].]]


=Heinrich Kurz=
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Metallarbeiter, Gastwirt, Landwirt, <lex id="ins-1520">Landtagsabgeordneter</lex>, * 22. September 1867 <lex id="top-1002">Grötzingen</lex>/Stadt Karlsruhe, † 26. Oktober 1934 Grötzingen/Stadt Karlsruhe, ev., ∞ 1917 Emilie Brunner.<br/ ><br/ >
Metallarbeiter, Gastwirt, Landwirt, <lex id="ins-1520">Landtagsabgeordneter</lex>, * 22. September 1867 <lex id="top-1002">Grötzingen</lex>/Stadt Karlsruhe, † 26. Oktober 1934 Grötzingen/Stadt Karlsruhe, ev., ∞ 1917 Emilie Brunner.<br/ ><br/ >
Kurz kam als Sohn des Landwirtsehepaares Johann Heinrich und Katharina Kurz zur Welt. Sein Geburtsort blieb immer sein Lebensmittelpunkt. Nach der Lehre als Metallschleifer arbeitete er in der Nähmaschinenfabrik <lex id="ins-0083">Gritzner</lex> in <lex id="top-0558">Durlach</lex>, unterbrochen nur durch den Militärdienst 1888 bis 1890. Als Mitglied der <lex id="ins-1633">Gewerkschaft</lex> der Metallarbeiter beteiligte er sich 1904 an dem wochenlangen Schleiferstreik für einheitlich geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Der Erfolg blieb aus, Kurz erhielt mit zahlreichen anderen die Kündigung, kam auf eine schwarze Liste der Unternehmer und fand keine Arbeit mehr. Daraufhin übernahm er in Grötzingen das Gasthaus Zum Löwen in der <lex id="top-2032">Niddastraße</lex>, das nun endgültig zum Lokal der <lex id="ins-0330">Sozialdemokraten</lex> wurde. Mitten im <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> gab er 1916 mit knapp 50 Jahren die Gastwirtschaft ab und wurde Landwirt. Seine Ehefrau, die er 1917 heiratete, führte in ihrem gemeinsamen Wohnhaus in der Niddastraße einen Gemischtwarenladen.
Heinrich Kurz kam als Sohn des Landwirtsehepaares Johann Heinrich und Katharina Kurz zur Welt. Sein Geburtsort blieb immer sein Lebensmittelpunkt. Nach der Lehre als Metallschleifer arbeitete er in der Nähmaschinenfabrik <lex id="ins-0083">Gritzner</lex> in <lex id="top-0558">Durlach</lex>, unterbrochen nur durch den Militärdienst 1888 bis 1890. Als Mitglied der <lex id="ins-1633">Gewerkschaft</lex> der Metallarbeiter beteiligte er sich 1904 an dem wochenlangen Schleiferstreik für einheitlich geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Der Erfolg blieb aus, Kurz erhielt mit zahlreichen anderen die Kündigung, kam auf eine schwarze Liste der Unternehmer und fand keine Arbeit mehr. Daraufhin übernahm er in Grötzingen das Gasthaus Zum Löwen in der <lex id="top-2032">Niddastraße</lex>, das nun endgültig zum Lokal der <lex id="ins-0330">Sozialdemokraten</lex> wurde. Mitten im <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> gab er 1916 mit knapp 50 Jahren die Gastwirtschaft ab und wurde Landwirt. Seine Ehefrau, die er 1917 heiratete, führte in ihrem gemeinsamen Wohnhaus in der Niddastraße einen Gemischtwarenladen.


Bereits bei der Übernahme des Löwen war Kurz in Grötzingen eine feste politische Größe. 1893 gehörte er zu den Gründern der SPD im Ort und wurde im selben Jahr in den <lex id="ins-1015">Bürgerausschuss</lex> gewählt. Er war zudem Vorsitzender des Grötzinger Metallarbeitervereins und des Gesangvereins Liederkranz. 1907 wurde der SPD-Vorsitzende Gemeinderat und blieb es bis 1933. 1930 nahm Kurz kommissarisch für wenige Wochen das Amt des Bürgermeisters wahr und wurde 1931 stellvertretender Bürgermeister in Grötzingen. Bereits 1905 stellte ihn seine Partei als Landtagskandidaten auf, wobei er nur knapp in der Stichwahl unterlag. Ab 1909 zog er dann bis 1933 in das Karlsruher <lex id="ins-1355">Ständehaus</lex> ein und übernahm schnell die Aufgabe, für die SPD zu landwirtschaftlichen Themen Stellung zu nehmen.
Bereits bei der Übernahme des Löwen war Kurz in Grötzingen eine feste politische Größe. 1893 gehörte er zu den Gründern der SPD im Ort und wurde im selben Jahr in den <lex id="ins-1015">Bürgerausschuss</lex> gewählt. Er war zudem Vorsitzender des Grötzinger Metallarbeitervereins und des Gesangvereins Liederkranz. 1907 wurde der SPD-Vorsitzende Gemeinderat und blieb es bis 1933. 1930 nahm Kurz kommissarisch für wenige Wochen das Amt des Bürgermeisters wahr und wurde 1931 stellvertretender Bürgermeister in Grötzingen. Bereits 1905 stellte ihn seine Partei als Landtagskandidaten auf, wobei er nur knapp in der Stichwahl unterlag. Ab 1909 zog er dann bis 1933 in das Karlsruher <lex id="ins-1355">Ständehaus</lex> ein und übernahm schnell die Aufgabe, für die SPD zu landwirtschaftlichen Themen Stellung zu nehmen.


Nach der <lex id="ereig-0111">Machtübernahme</lex> steckten die <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> auch den führenden Grötzinger Sozialdemokraten für mehrere Wochen in <lex id="ereig-0137">Schutzhaft</lex> und verboten die Weiterführung des Gemischtwarenladens. Danach lebte er noch etwas mehr als ein Jahr und starb 1934 im Alter von 67 Jahren. 1945 benannte die Gemeinde Grötzingen eine 1933 nach einem Nationalsozialisten benannte Straße zum Gedenken an ihn in <lex id="top-1174">Heinrich-Kurz-Straße</lex> um.
Nach der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> steckten die <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> auch den führenden Grötzinger Sozialdemokraten für mehrere Wochen in <lex id="ereig-0137">Schutzhaft</lex> und verboten die Weiterführung des Gemischtwarenladens. Danach lebte er noch etwas mehr als ein Jahr und starb 1934 im Alter von 67 Jahren. 1945 benannte die Gemeinde Grötzingen eine 1933 nach einem Nationalsozialisten benannte Straße zum Gedenken an ihn in <lex id="top-1174">Heinrich-Kurz-Straße</lex> um.


<div style="text-align:right;">''Manfred Koch 2022''</div>
<div style="text-align:right;">''Manfred Koch 2022''</div>

Aktuelle Version vom 19. Dezember 2025, 12:24 Uhr


Heinrich Kurz

Metallarbeiter, Gastwirt, Landwirt, Landtagsabgeordneter, * 22. September 1867 Grötzingen/Stadt Karlsruhe, † 26. Oktober 1934 Grötzingen/Stadt Karlsruhe, ev., ∞ 1917 Emilie Brunner.

Heinrich Kurz kam als Sohn des Landwirtsehepaares Johann Heinrich und Katharina Kurz zur Welt. Sein Geburtsort blieb immer sein Lebensmittelpunkt. Nach der Lehre als Metallschleifer arbeitete er in der Nähmaschinenfabrik Gritzner in Durlach, unterbrochen nur durch den Militärdienst 1888 bis 1890. Als Mitglied der Gewerkschaft der Metallarbeiter beteiligte er sich 1904 an dem wochenlangen Schleiferstreik für einheitlich geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Der Erfolg blieb aus, Kurz erhielt mit zahlreichen anderen die Kündigung, kam auf eine schwarze Liste der Unternehmer und fand keine Arbeit mehr. Daraufhin übernahm er in Grötzingen das Gasthaus Zum Löwen in der Niddastraße, das nun endgültig zum Lokal der Sozialdemokraten wurde. Mitten im Ersten Weltkrieg gab er 1916 mit knapp 50 Jahren die Gastwirtschaft ab und wurde Landwirt. Seine Ehefrau, die er 1917 heiratete, führte in ihrem gemeinsamen Wohnhaus in der Niddastraße einen Gemischtwarenladen.

Bereits bei der Übernahme des Löwen war Kurz in Grötzingen eine feste politische Größe. 1893 gehörte er zu den Gründern der SPD im Ort und wurde im selben Jahr in den Bürgerausschuss gewählt. Er war zudem Vorsitzender des Grötzinger Metallarbeitervereins und des Gesangvereins Liederkranz. 1907 wurde der SPD-Vorsitzende Gemeinderat und blieb es bis 1933. 1930 nahm Kurz kommissarisch für wenige Wochen das Amt des Bürgermeisters wahr und wurde 1931 stellvertretender Bürgermeister in Grötzingen. Bereits 1905 stellte ihn seine Partei als Landtagskandidaten auf, wobei er nur knapp in der Stichwahl unterlag. Ab 1909 zog er dann bis 1933 in das Karlsruher Ständehaus ein und übernahm schnell die Aufgabe, für die SPD zu landwirtschaftlichen Themen Stellung zu nehmen.

Nach der Machtübertragung steckten die Nationalsozialisten auch den führenden Grötzinger Sozialdemokraten für mehrere Wochen in Schutzhaft und verboten die Weiterführung des Gemischtwarenladens. Danach lebte er noch etwas mehr als ein Jahr und starb 1934 im Alter von 67 Jahren. 1945 benannte die Gemeinde Grötzingen eine 1933 nach einem Nationalsozialisten benannte Straße zum Gedenken an ihn in Heinrich-Kurz-Straße um.

Manfred Koch 2022

Literatur

Susanne Asche: Eintausend Jahre Grötzingen. Die Geschichte eines Dorfes, Karlsruhe 1991 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 13); 100 Jahre SPD Grötzingen 1893-1993. Geschichte des Ortsvereins Grötzingen von den Anfängen bis zur Gegenwart, zusammengestellt von Blanka Tomanek-Hannemann unter Mitarbeit von Rita Butendeich, Karlsruhe-Grötzingen 1993; Manfred Koch (Hrsg.): Im Mittelpunkt der Mensch. Parlamentsreden Karlsruher SPD-Abgeordneter, Karlsruhe 2001, S. 96-101.