| Zeile 12: | Zeile 12: | ||
Anfang 1900 zog er - wieder aus beruflichen Gründen - nach Kiel weiter, wo unter seiner Führung die Fußballabteilung des Kieler Männerturnvereins (KMTV) von 1844 entstand. Wenig später initiierte er maßgeblich die Gründung des Kieler Fußballvereins (KFV) von 1900, was heute dort als Geburtsstunde des Kieler Fußballsports gilt. Der KFV fusionierte 1917 mit dem SV Holstein zu Holstein Kiel. Wegen seiner Verdienste wurde er zum Kieler Ehrenspielwart ernannt. |
Anfang 1900 zog er - wieder aus beruflichen Gründen - nach Kiel weiter, wo unter seiner Führung die Fußballabteilung des Kieler Männerturnvereins (KMTV) von 1844 entstand. Wenig später initiierte er maßgeblich die Gründung des Kieler Fußballvereins (KFV) von 1900, was heute dort als Geburtsstunde des Kieler Fußballsports gilt. Der KFV fusionierte 1917 mit dem SV Holstein zu Holstein Kiel. Wegen seiner Verdienste wurde er zum Kieler Ehrenspielwart ernannt. |
||
1901 kehrte Beier nach Karlsruhe zurück, wo der FC Phönix bis auf wenige Mitglieder zusammengeschrumpft war. Durch seinen Einsatz stabilisierte sich der Verein wieder und konnte 1903 erstmals den Lokalrivalen <lex id="ins-0972">Karlsruher Fußballverein (KFV)</lex> mit 4:3 besiegen. Beier musste nun erneut umziehen, diesmal nach Calais, wo er dem schwächelnden Fußballclub Racing de Calais zu einem Aufschwung verhalf. Doch schon 1904 kehrte Beier - diesmal endgültig - zurück und trug maßgeblich zum Erfolg des FC Phönix bei. Er löste auch das Problem, das in dieser Zeit nahezu alle Karlsruher Fußballvereine betraf, der fehlende eigene Fußballplatz. Der <lex id="top-0646">Engländerplatz</lex>, die Geburtsstätte des Karlsruher Fußballs, war schon lange für alle Vereine zu klein, der große <lex id="top-0408">Exerzierplatz</lex> auf dem heutigen <lex id="ins-1765">Flugplatzgelände</lex> konnte auch nur eine Übergangslösung sein. So kaufte Beier zusammen mit dem Glasermeister <lex id="bio-2010">Ferdinand Lang</lex> ein rund 18.000 Quadratmeter großes Gelände an der <lex id="ins-1746">Rheintalbahn</lex> auf <lex id="top-2016">Neureuter</lex> Gemarkung, auf dem 1906 ein Fußballplatz, ein <lex id="ereig-0151">Tennisplatz</lex> sowie ein Klubhaus mit zwei Umkleideräumen und einem Wirtschaftsraum mit Küche entstanden. Mit dem neuen Platz legte Beier, der 1911/12 auch als Schiedsrichter für den FC Phönix gemeldet war, auch die Grundlage für die Erfolge des Phönix der nächsten Jahre, der zur ersten deutschen Meisterschaft eines Karlsruher Fußballvereins führte. Mannschaftskapitän Beier, der das wichtige 1:1 erzielt hatte, telegraphierte stolz, dass "Phönix heute in Breslau gegen den vorjährigen Deutschen Meister, Fußballclub Viktoria Berlin, die Deutsche Fußballmeisterschaft errungen hat mit vier zu zwei Toren." Auf dem von Beier gekauften Phönixplatz spielte der FC Phönix bis zum Beginn des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieges</lex>; im Oktober 1914 turnte dort schon der <lex id="ins-0981">Männerturnverein (MTV)</lex>. |
1901 kehrte Beier nach Karlsruhe zurück, wo der FC Phönix bis auf wenige Mitglieder zusammengeschrumpft war. Durch seinen Einsatz stabilisierte sich der Verein wieder und konnte 1903 erstmals den Lokalrivalen <lex id="ins-0972">Karlsruher Fußballverein (KFV)</lex> mit 4:3 besiegen. Beier musste nun erneut umziehen, diesmal nach Calais, wo er dem schwächelnden Fußballclub Racing de Calais zu einem Aufschwung verhalf. Doch schon 1904 kehrte Beier - diesmal endgültig - zurück und trug maßgeblich zum Erfolg des FC Phönix bei. Er löste auch das Problem, das in dieser Zeit nahezu alle Karlsruher Fußballvereine betraf, der fehlende eigene Fußballplatz. Der <lex id="top-0646">Engländerplatz</lex>, die Geburtsstätte des Karlsruher Fußballs, war schon lange für alle Vereine zu klein, der große <lex id="top-0408">Exerzierplatz</lex> auf dem heutigen <lex id="ins-1765">Flugplatzgelände</lex> konnte auch nur eine Übergangslösung sein. So kaufte Beier zusammen mit dem Glasermeister <lex id="bio-2010">Ferdinand Lang</lex> ein rund 18.000 Quadratmeter großes Gelände an der <lex id="ins-1746">Rheintalbahn</lex> auf <lex id="top-2016">Neureuter</lex> Gemarkung, auf dem 1906 ein Fußballplatz, ein <lex id="ereig-0151">Tennisplatz</lex> sowie ein Klubhaus mit zwei Umkleideräumen und einem Wirtschaftsraum mit Küche entstanden. Mit dem neuen Platz legte Beier, der 1911/12 auch als Schiedsrichter für den FC Phönix gemeldet war, auch die Grundlage für die Erfolge des Phönix der nächsten Jahre, der zur ersten deutschen Meisterschaft eines Karlsruher Fußballvereins führte. Mannschaftskapitän Beier, der das wichtige 1:1 erzielt hatte, telegraphierte stolz, dass "Phönix heute in Breslau gegen den vorjährigen Deutschen Meister, Fußballclub Viktoria Berlin, die Deutsche Fußballmeisterschaft errungen hat mit vier zu zwei Toren." Beier wurde 1909 mit dem goldenen Phönixring geehrt und zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt. .Auf dem von Beier gekauften Phönixplatz spielte der FC Phönix bis zum Beginn des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieges</lex>; im Oktober 1914 turnte dort schon der <lex id="ins-0981">Männerturnverein (MTV)</lex>. |
||
Im Ersten Weltkrieg wurde Beier, der als Leutnant und Adjutant im Reserveinfanterieregiment 109 Kriegsdienst leistete, mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet. Außerdem war er Träger des Militärischen Karl-Friedrich-Verdienstordens und des <lex id="ins-1607">Zähringer Löwenordens</lex>. Artur Beier starb durch einen Kopfschuss am 31. Januar 1917 bei Malancourt 20 km nordwestlich von Verdun. |
Im Ersten Weltkrieg wurde Beier, der als Leutnant und Adjutant im Reserveinfanterieregiment 109 Kriegsdienst leistete, mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet. Außerdem war er Träger des Militärischen Karl-Friedrich-Verdienstordens und des <lex id="ins-1607">Zähringer Löwenordens</lex>. Artur Beier starb durch einen Kopfschuss am 31. Januar 1917 bei Malancourt 20 km nordwestlich von Verdun. |
||
Version vom 3. November 2025, 11:10 Uhr
Richard Arthur Beier
Kaufmann, Fußballspieler, * 15. Februar 1880 Karlsruhe, † 31. Januar 1917 bei Malancourt/Dép. Meuse/Frankreich.
Arthur Beier war eine herausragende Persönlichkeit in der Früh- und Hochzeit des Karlsruher Fußballs. Der Sohn des aus Plauen zugezogenen Kaufmanns Oskar Beier, Gründer eines seit 1880 zunächst in der Ritterstraße 4, dann in der Kaiserstraße 174 ansässigen Spezialgeschäfts für Spitzen, Stickereien und Weißwaren, übernahm laut Süddeutscher Sportzeitung 1905 das Geschäft, bis zu seinem Tode firmierte im Adressbuch allerdings seine Mutter Helene, die 1926 verstarb, als Inhaberin. Beier gründete aber 1905 rasch eine eigene Abteilung für Sportartikel.
Bereits mit 12 Jahren spielte Arthur Beier Fußball und stieß zu den von Walther Bensemann begründeten Karlsruher Kickers. Nach deren Auflösung 1895 unterbrach er kurz seine fußballerischen Aktivitäten, um dann beim 1894 gegründeten FC Phönix zu spielen. 1896 übernahm der erst 16-jährige die Schriftführung im Verein und war an der Gründung des Süddeutschen Fußballverbandes im folgenden Jahr beteiligt. Mit seinen spielerischen Qualitäten als Mittelläufer und vor allem durch sein Organisationstalent wurde er ein für den Erfolg und den Weiterbestand des Vereins entscheidender Mann.
Zunächst zog er aber 1898 aus beruflichen Gründen nach Stuttgart. Dort spielte er beim Cannstatter Fußballclub, ehe er im nächsten Jahr zu den Mitbegründern der Stuttgarter Kickers gehörte. Beier spielte nie in der Nationalmannschaft, wurde aber von Bensemann 1899 zu einem der so genannten Urländerspiele vor der Gründung des DFB in Karlsruhe berufen und verlor mit seiner Mannschaft gegen England mit 0:7.
Anfang 1900 zog er - wieder aus beruflichen Gründen - nach Kiel weiter, wo unter seiner Führung die Fußballabteilung des Kieler Männerturnvereins (KMTV) von 1844 entstand. Wenig später initiierte er maßgeblich die Gründung des Kieler Fußballvereins (KFV) von 1900, was heute dort als Geburtsstunde des Kieler Fußballsports gilt. Der KFV fusionierte 1917 mit dem SV Holstein zu Holstein Kiel. Wegen seiner Verdienste wurde er zum Kieler Ehrenspielwart ernannt.
1901 kehrte Beier nach Karlsruhe zurück, wo der FC Phönix bis auf wenige Mitglieder zusammengeschrumpft war. Durch seinen Einsatz stabilisierte sich der Verein wieder und konnte 1903 erstmals den Lokalrivalen Karlsruher Fußballverein (KFV) mit 4:3 besiegen. Beier musste nun erneut umziehen, diesmal nach Calais, wo er dem schwächelnden Fußballclub Racing de Calais zu einem Aufschwung verhalf. Doch schon 1904 kehrte Beier - diesmal endgültig - zurück und trug maßgeblich zum Erfolg des FC Phönix bei. Er löste auch das Problem, das in dieser Zeit nahezu alle Karlsruher Fußballvereine betraf, der fehlende eigene Fußballplatz. Der Engländerplatz, die Geburtsstätte des Karlsruher Fußballs, war schon lange für alle Vereine zu klein, der große Exerzierplatz auf dem heutigen Flugplatzgelände konnte auch nur eine Übergangslösung sein. So kaufte Beier zusammen mit dem Glasermeister Ferdinand Lang ein rund 18.000 Quadratmeter großes Gelände an der Rheintalbahn auf Neureuter Gemarkung, auf dem 1906 ein Fußballplatz, ein Tennisplatz sowie ein Klubhaus mit zwei Umkleideräumen und einem Wirtschaftsraum mit Küche entstanden. Mit dem neuen Platz legte Beier, der 1911/12 auch als Schiedsrichter für den FC Phönix gemeldet war, auch die Grundlage für die Erfolge des Phönix der nächsten Jahre, der zur ersten deutschen Meisterschaft eines Karlsruher Fußballvereins führte. Mannschaftskapitän Beier, der das wichtige 1:1 erzielt hatte, telegraphierte stolz, dass "Phönix heute in Breslau gegen den vorjährigen Deutschen Meister, Fußballclub Viktoria Berlin, die Deutsche Fußballmeisterschaft errungen hat mit vier zu zwei Toren." Beier wurde 1909 mit dem goldenen Phönixring geehrt und zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt. .Auf dem von Beier gekauften Phönixplatz spielte der FC Phönix bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges; im Oktober 1914 turnte dort schon der Männerturnverein (MTV).
Im Ersten Weltkrieg wurde Beier, der als Leutnant und Adjutant im Reserveinfanterieregiment 109 Kriegsdienst leistete, mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet. Außerdem war er Träger des Militärischen Karl-Friedrich-Verdienstordens und des Zähringer Löwenordens. Artur Beier starb durch einen Kopfschuss am 31. Januar 1917 bei Malancourt 20 km nordwestlich von Verdun.
2017 benannte der aus der Fusion aus dem FC Phönix und dem VfB Mühlburg entstandene Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix (KSC) ein Nebenstadion des neuen Wildparkstadions nach dem ersten Mäzen und Stabilisator des FC Phönix, dem der KSC verdankt, dass er in der Liste der deutschen Fußballmeister geführt wird. 2025 verlor das Arthur-Beier-Stadion seinen Namen zugunsten eines aktuellen Sponsors.
Quellen
VereinsWiki Holstein Kiel, https://vereins.fandom.com/wiki/Holstein_Kiel; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828; Zwei Förderer des Fußballs. Eugen Kipp und Artur Beier, in: Süddeutsche Sportzeitung vom 16. November 1911, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/7026701?query=%22Arthur%20Beier%22 (Zugriff jeweils am 27. Juli 2025).
Literatur
Ernst Otto Bräunche: Fußballhochburg Karlsruhe, in: Ernst Otto Bräunche und Volker Steck (Hrsg.): Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis heute, Karlsruhe 2006, S. 168-218 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28), Thomas Alexander Staisch: Die Deutschmeister: Die Geschichte des Karlsruher FC Phönix 1894. 1909 - eine vergessene Meisterschaft, Rastatt 2014.