Menü
Suche

Paul Billet


Paul Max Billet

Propagandamarsch der NSDAP in Karlsruhe vor der Landtagswahl am 25. Oktober 1925, rechts neben dem Fahnenträger Paul Billet, Foto aus: Bildbericht vom Kampf der badischen Nationalsozialisten, Straßburg 1943, S. 9, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 445.
Propagandamarsch der NSDAP in Karlsruhe vor der Landtagswahl am 25. Oktober 1925, rechts neben dem Fahnenträger Paul Billet, Foto aus: Bildbericht vom Kampf der badischen Nationalsozialisten, Straßburg 1943, S. 9, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 445.

Buchdrucker, Mitglied der Sturmabteilung (SA), * 20. April 1905 Lahr, † 25. Mai 1931 Karlsruhe, ev.

Der Lahrer SA-Mann Paul Billet, Sohn eines Mechanikers und gelernter Buchdrucker, kam bei einem Propagandaumzug der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) am Pfingstmontag, dem 25. Mai 1931, auf der Kaiserstraße nahe der Adlerstraße unter zunächst nicht ganz geklärten Umständen zu Tode. Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) hatten den Umzug angegriffen, so dass in der Presse zu lesen war, dass Billet von Kommunisten erschlagen worden sei. Von den nach dem Vorfall verhafteten Kommunisten, die auf Billet eingeschlagen hatten, wurden vier wegen Landfriedensbruch zu Gefängnisstrafen verurteilt. Eine weitere polizeiliche Untersuchung 1932 ergab aber , dass eine ebenfalls der KPD angehörende Zuschauerin Billet einen Knüppel zwischen die Speichen seines Motorrades geworfen hatte, so dass dieser schwer gestürzt und an den Folgen des Sturzes verstorben war. Die Frau wurde in einem zweiten Prozess am 24. MaI 1932 wegen schweren Landfriedensbruchs in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten verurteilt. Der Führer bedachte dies mit der Schlagzeile "Vertierte Weiber als Totschläger" und lieferte damit eines von vielen Beispielen der Instrumentalisierung und propagandistischen Ausschlachtung des Todes des Lahrer Sa-Mannes.

Schon an der Beerdigung Billets nahmen zahlreiche Nationalsozialisten teil. Am 3. Juni 1931 fand eine Trauerkundgebung der NSDAP in der, einem Artikel der Zeitung Der Führer zufolge, überfüllten Festhalle statt. Der Adjutant Hitlers Wilhelm Friedrich Karl Brückner und der SA-Gruppenführer Südwest Dietrich von Jagow hielten Traueransprachen. Billet galt nun bald als einer der Blutzeugen der badischen NSDAP. Nach ihm wurde noch 1933 der Platz an der Kleinen Kirche in Paul-Billet-Platz benannt, am 23. November 1935 das Paul-Billet-Denkmal in der Kaiserstraße aufgestellt. Nach dem 5. März 1933 wurden in vielen Orten Straßen umbenannt, in einigen Orten, wie in Karlsruhe gar Denkmäler errichtet. Ähnliche Ehrungen erhielt Billet auch in anderen badischen Orten, so wurde 1935 das Reichsarbeitsdienstlager der Abteilung 6/273 in Lahr nach ihm benannt. Nach Ende des Kriegs wurden die Denkmäler entfernt und die Platz- und Straßenbenennungen aufgehoben.

Ernst Otto Bräunche 2024

Quellen

Stadtarchiv Lahr Familienmeldebogen Karl Friedrich Billet; Karlsruher Zeitungen 1931 bis 1935, darunter Der Führer vom 2. Juni 1931, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3187313?query=%22Paul%20Billet%22, vom 22. Mai 1932 https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3193676?query=vertierteund vom 24. November 1935, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3456892 (Zugriffe am 17. Janaur 2025).

Literatur

Beatrice Vierneisel: Paul-Billet-Denkmal, in: Gerlinde Brandenburger/Manfred Großkinsky/Gerhard Kabierske/Ursula Merkel/Beatrice Vierneisel: Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715-1945, Karlsruhe 1989, 2. Aufl., S. 654-657 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 7), Teil 1 (PDF) und Teil 2 (PDF) zum Download (Zugriff am 15. Mai 2024).