Städtische Festhalle, Nordostportal, 1892, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 158.
Sprengung der Ruine der Festhalle, 4. November 1952, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 1465.

Städtische Festhalle

1844 hatte in der Residenzstadt Karlsruhe das erste badische Sängerfest mit 500-600 Sängern stattgefunden. Die Beliebtheit solcher Feste nahm in den folgenden Jahrzehnten so zu, dass Karlsruhe, als es für 1875 erneut ein badisches Sängerfest plante, einen Festsaal für etwa 5.000 Personen benötigte. Da die Kosten für eine provisorische Halle relativ hoch ausgefallen wären, beschloss die Stadt, einen massiven Hallenbau auf der Schießwiese westlich des Vierordtbads zu errichten. An der 1874 ausgeschriebenen Konkurrenz beteiligten sich lediglich drei Architekten: Thomas Cathiau, Josef Durm und Heinrich Lang. Durm, der bereits das städtische Vierordtbad, die neue Synagoge und den neuen Hauptfriedhof geplant hatte, entschied den Wettbewerb für sich. Im Sommer 1875 wurde mit dem Neorenaissancebau begonnen, der am 29. April 1877 mit einem Festbankett im Rahmen der Feierlichkeiten des 25-jährigen Regierungsjubiläums von Großherzog Friedrich I. eröffnet wurde. Das Sängerfest fand am 19. Mai 1877 statt.

Bei der Festhalle, die damals als größte Holzbinderhalle Deutschlands galt, verband Durm den Bautypus der Basilika mit dem des Saalbaus. Die Eingangsportale, die den Schmalseiten des lang gestreckten, im Nordosten apsidial und im Südwesten rechteckig endenden Baues vorgelagert waren, bildete er als repräsentative Schaufassaden aus. Das Nordostportal zeigte eine von turmartigen Bauten flankierte Exedra, an deren Innenseite oberhalb des kolonnadenartigen Eingangsbereichs eine Ädikula angebracht war. Ihre figurative Ausschmückung mit einer von Adolf Heer entworfenen und durch Fidel Binz ausgeführten Allegorie der Musik erfolgte aus Kostengründen erst 1889 wie auch die Ausmalung des halbkreisförmigen Nischengewölbes mit einem Sinnbild der musikalischen Geselligkeit durch den Kunstmaler Rudolf Gleichauf. Das gegenüberliegende Südwestportal, das zu dem höher gelegenen Festsaal führte, wurde ebenfalls von Turmbauten flankiert, die aber infolge des mehrstufigen Treppenaufgangs weit vor die Front des als Serliana gestalteten Portals traten. Das Rundbogenfeld wurde 1885 mit einem allegorischen Gemälde von Rudolf Gleichauf geschmückt. Stifter der drei genannten allegorischen Darstellungen war der Kunstmaler und Mäzen Wilhelm Klose. Durms Konzeption der Eingangsportale als Schaufassaden ging auf zeitgenössische Vorbilder zurück, wie Gottfried Sempers zweites Königliches Hoftheater in Dresden (Entwurf 1871) oder auch das Hauptportal der Rotunde und das Ostportal der Industriehalle auf der Wiener Weltausstellung 1873 belegen.

Brandschutzmaßnahmen führten 1898 zu umfassenden baulichen Veränderungen. In diesem Zuge entstanden auch ein Wirtschafts- und ein Dienstwohngebäude. Im September 1944 wurde die Festhalle bei Luftangriffen zu großen Teilen zerstört. Anfang November 1952 wurden die Überreste für den Bau der Schwarzwaldhalle gesprengt.

Katja Förster 2012

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 4299-4314, 8/ZGS 26a.

Literatur

Robert Goldschmit: Die Stadt Karlsruhe – ihre Geschichte und ihre Verwaltung. Festschrift zur Erinnerung an das 200jährige Bestehen der Stadt, Karlsruhe 1915, S. 215-217; Gerhard Kabierske: Festplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 236-249, hier S. 240, 245 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26); Ulrike Grammbitter: Josef Durm 1837-1919. Eine Einführung in das architektonische Werk, [Diss. Univ. Heidelberg, 1982], München 1984, S. 264-276; Gründerzeit – Adolf Loos. Jahrhundertwende: Rückblick und Ausblick im Spiegel der Wiener Architektur unter Einbeziehung der Gründerzeitarchitektur Josef Durms, hrsg. von der Stadt Karlsruhe – Städtische Galerie, Karlsruhe 1987, S. 260-265; Katja Förster: Josef Durm, Karlsruhe 2012, S. 45-47 (= Karlsruher Köpfe. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 1); http://www.immo-magazin.de/karlsruhe-historisch-von-der-festhalle-zur-schwarzwaldhalle/ (Zugriff am 28.Oktober 2015).