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Schloss Rüppurr

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Schloss Rüppurr

Schloss Rüppurr mit der Mühle an der Alb auf einer Umgebungskarte um 1580 (Ausschnitt), Generallandesarchiv Karlsruhe H Rüppurr 13.
Schloss Rüppurr mit der Mühle an der Alb auf einer Umgebungskarte um 1580 (Ausschnitt), Generallandesarchiv Karlsruhe H Rüppurr 13.
Schloss Rüppurr, Grundrissplan der Gesamtanlage mit Legende, J. D. Haeckher 1740, Generallandesarchiv Karlsruhe 66/7124.
Schloss Rüppurr, Grundrissplan der Gesamtanlage mit Legende, J. D. Haeckher 1740, Generallandesarchiv Karlsruhe 66/7124.
Meierei von Schloss Rüppurr, heute Rotes Haus, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Behringer 1725/1 DO.
Meierei von Schloss Rüppurr, heute Rotes Haus, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Behringer 1725/1 DO.

Schloss und Gemeinde Rüppurr werden in frühen urkundlichen Aufzeichnungen immer als unteres und oberes Dorf bezeichnet. Welche von beiden Ansiedlungen als erste entstand, ist heute nicht mehr feststellbar. Man kann jedoch annehmen, dass das Schloss als Stammsitz der Herren von Rüppurr, das als "Haus im Ried" 1103 erstmals urkundlich erwähnt wird, zusammen mit Mühle und Wirtschaftsgebäuden der frühere Ortsteil waren. Die zunächst wohl nur bescheidene Wasserburg wurde bis in das 16. Jahrhundert hinein zu einem ansehnlichen Schloss ausgebaut, wie man auf alten Umgebungs- und Panoramakarten erkennen kann. Die Gebäude waren von einer Befestigungsmauer und einem Wassergraben umgeben. Das eigentliche Schloss war ein dreistöckiges Gebäude mit mittelalterlichen Stufengiebeln. In einer flüchtigen Bleistiftskizze gibt Samson Schmalkalder die Ansicht des Schlosses im Jahre 1689 wieder, als die Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg hier ihr Hauptquartier nahmen und es daher nicht zerstörten.

Einen genauen Grundriss der Gesamtanlage mit Bezeichnung der Gebäude hat uns der Geometer J. D. Haeckher in einem Berain von 1740 überliefert. Das hier unter A bezeichnete Stammschloss wurde 1762 mit einigen kleineren Scheunen und Wohnhäusern abgerissen. Einige Wirtschaftsgebäude wie die Seegräber- und Taglöhnerwohnung (D), die Meierei (C), der Fohlenstall (F) und die Schlossmühle (K) blieben weit bis ins 20. Jahrhundert erhalten. Der später als Zehntscheuer genutzte Fohlenstall wurde als letztes Gebäude 1961 abgerissen. Heute sind vom alten Schlosskomplex nur noch die Meierei und die Mühle an der Alb erhalten.

Nach der Übernahme des Schlosses durch Markgraf Ernst Friedrich von Baden vom damals immer noch dort ansässigen Ortsadel der Pfauen von Rüppurr wurde es mit seinen Nebengebäuden allmählich zu einem markgräflichen Kammergut ausgebaut. So wurde hier seit 1754 die Färberpflanze Krapp angebaut und verarbeitet, deren Produktion der Hofgärtner Christian Thran bereits in Durlach begonnen hatte. Später folgten darauf noch eine Leinwandfabrik, eine Leder- und eine Tabakfabrik. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde das Kammergut verpachtet und dort eine Brauerei, eine Branntweinbrennerei und eine Essigsiederei betrieben. 1848 richtete der badische Staat hier ein Landesgestüt ein. Das Gelände wurde danach vor allem vom Militär und von einem mit diesem verbundenen Reiterverein genutzt, der nahe daran eine Pferderennbahn erbaute, auf der zuletzt in den 1920er Jahren Pferderennen stattfanden. Danach brannten einige Stallgebäude ab und die Nutzung des Geländes wurde nach und nach aufgegeben, so dass schließlich nur noch der heutige Parkplatz übrigblieb, der von Zeit zu Zeit auch als Festplatz für Rüppurrer Vereinsveranstaltungen genutzt wird.

Die Mühle steht heute unter Denkmalschutz, dient aber nach einer gründlichen Renovierung ausschließlich Wohnzwecken, nachdem sie bis 1959 noch in Betrieb war. Kulturdenkmal ist ebenso die Meierei, ehemals Sitz des Verwalters der Grundherrschaft, die in ihrer Bausubstanz noch bis auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, aber heute als privates Therapie- und Begegnungszentrum dient. Nach ihrem roten Anstrich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wird sie das Rote Haus genannt. Aufgrund alter Pläne, Skizzen und Fotografien hat Josef Stengele 1975 den Schlossbereich in einer Rekonstruktionszeichnung dargestellt, die auf einer Erklärungstafel vor Ort, aber auch in der hier genannten Literatur zu finden ist. Planungen für ein Nahversorgungszentrum, ein Seniorenheim und eine KITA auf dem Festplatz unter der denkmalgerechten Einbeziehung des Roten Hauses sollen in naher Zukunft in Abstimmung mit der Bürgergemeinschaft Rüppurr und dem Landesdenkmalamt realisiert werden.

Peter Pretsch 2025

Quellen

Programmbeiträge zum Tag des offenen Denkmals 2003: https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/archiv/dt2003/meierei.php , https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/archiv/dt2003/muehle.php , Filmbeitrag von Baden TV zum Tag des offenen Denkmals 2024: https://www.baden-tv.com/mediathek/video/zum-tag-des-offenen-denkmals-das-rote-haus-oeffnet-seine-tueren-2/ (Zugriff jeweils am 4. August 2025).

Literatur

Peter Pretsch: Karlsruher Stadtteile. Rüppurr. Begleitheft zur Ausstellung der Stadtgeschichte im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe 1985, S. 9-12; 900 Jahre Rüppurr: Geschichte eines Karlsruher Stadtteils, hrsg. von der Bürgergemeinschaft Rüppurr. Mit Beitr. von Hartmut Braun u.a., Karlsruhe 2003; Jan Knopf: Die Renntage von Klein-Rüppurr, in: Blick in die Geschichte Nr. 126 vom 27. März 2020: https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/stadtarchiv/blick-in-die-geschichte/ausgaben/blick-126/pferderennbahn (Zugriff am 4. August 2025).