Ernst Friedrich Markgraf von Baden-Durlach, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oI 10.

Ernst Friedrich von Baden-Durlach

Markgraf, * 17. Oktober 1560 Mühlburg oder Durlach, † 14. April 1604 Remchingen, ev., seit 1599 ref., ∞ 1585 Anna von Ostfriesland (1562-1621), kinderlos.

Ernst Friedrich von Baden-Durlach war der älteste von drei Söhnen des Markgrafen Karl II. von Baden-Durlach und der Anna von Pfalz-Veldenz. Nach dem Tod seines Vaters wurde er ab 1577 am Hof seines Vormunds Ludwig von Württemberg erzogen, während die Regierungsgeschäfte bis 1584 von einer Vormundschaftsregierung geführt wurden. Nach seiner Regierungsübernahme teilte Ernst Friedrich – entgegen der Bestimmung im Testament seines Vaters – seine ererbten Landesteile mit seinem Bruder Jakob, wobei er selbst die untere Markgrafschaft mit Durlach und Pforzheim erhielt. 1586 gründete er in Durlach das Gymnasium illustre, das 1724 nach Karlsruhe verlegt wurde (Bismarck-Gymnasium). 1588 gab er den Auftrag zum Bau des Schlosses Gottesaue auf dem Gelände der ehemaligen Benediktinerabtei Gottesaue.

Im Verhältnis zur Markgrafschaft Baden-Baden ist Ernst Friedrich insbesondere durch deren Besetzung im Jahr 1594, der sogenannten Oberbadischen Okkupation, bekannt geworden. Aufgrund der vom baden-badischen Markgrafen Eduard Fortunat massiv betriebenen Verschuldung sah sich Ernst Friedrich zu diesem Schritt ermächtigt, da er nicht für die Schulden der anderen badischen Linie aufzukommen bereit war und das badische Hausgesetz für diesen Fall eine Besetzung erlaubte. Die Oberbadische Okkupation wurde erst 1622 durch Kaiser Ferdinand II. beendet.

Ernst Friedrich neigte früh zum Calvinismus, sodass er bereits bei seinem Amtsantritt 1584 die Konkordienformel, die letzte Bekenntnisschrift der evangelisch-lutherischen Kirche, nicht unterschrieb. 1599 trat er schließlich zum reformierten Glauben über. Die Beweggründe für seine Konversion und sein Plan, in seinem Herrschaftsgebiet das reformierte Bekenntnis einzuführen, legte er im Stafforter Buch dar. Mit diesem Vorhaben zog er zahlreichen Widerstand auf sich, der in Pforzheim besonders groß gewesen war. So wehrten sich die Bürger der Stadt vehement gegen die Abberufung evangelischer bzw. die Einsetzung calvinistischer Pfarrer und drohten mit Gewaltaktionen. Im Frühjahr 1604 führte Ernst Friedrich einen bewaffneten Söldnertrupp nach Pforzheim an. Während einer Marschpause bei der Burg Remchingen erlitt er einen Schlaganfall, dem er am selben Tag erlag.

Ernst Friedrich war der erste badische Monarch, der einen Orden stiftete, nämlich 1584 den Ritterorden der blauen Binde.

René Gilbert 2016

Werk

Stafforter Buch, Staffort 1599.

Literatur

Friedrich Wielandt: Ernst Friedrich Markgraf von Baden-Durlach, in: Neue Deutsche Biographie (NDB) Bd. 4, Berlin 1959, S. 606 f.; Werner Baumann: Ernst Friedrich von Baden-Durlach – die Bedeutung der Religion für Leben und Politik eines süddeutschen Fürsten im Zeitalter der Gegenreformation, Stuttgart 1962; Der Kampf des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden um sein Bekenntnis und der Widerstand aus Pforzheim, in: Udo Wennemuth (Hrsg.): Reformierte Spuren in Baden, Karlsruhe 2001, S. 52-67 (= Veröffentlichungen des Vereins für Kirchengeschichte in der Evangelischen Landeskirche in Baden Bd. 57); Ernst Albrecht: Leben und Tod des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach (1560 -1604) in zeitgenössischen Dokumenten, in: Ebd., S. 68-86.