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Erich-Kästner-Schule


Erich-Kästner-Schule

Erich-Kästner-Schule 2003, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Erbacher 1090.
Erich-Kästner-Schule 2003, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Erbacher 1090.

1890 erhielten sprachbehinderte Kinder in Karlsruhe erstmals zusätzlichen Unterricht zu den regulären Schulstunden. Es gab drei Abteilungen, eine für "Stotterer", eine für "Stammler" und eine für Fortgeschrittene aus beiden Gruppen. Dass die Förderung sprachbehinderter Kinder von nun an zum Aufgabenbereich der lokalen Schulbehörde gehörte, war dem 1879 erschienenen Werk des Berliner Pädagogen Albert Gutzmann "Das Stottern und seine gründliche Beseitigung durch ein methodisch geordnetes und praktisch erprobtes Verfahren. Eine Anleitung für Lehrer und Eltern sowie zum Gebrauche für Erwachsene" zu verdanken.

Seit 1913 richtete sich der außerplanmäßige Unterricht auch an hörgeschädigte Kinder. Die Zahl der schwerhörigen und sprachbehinderten Kinder stieg stetig an. Der "Badische Schulkalender für 1917" verzeichnet in Karlsruhe bereits zehn Abteilungen, drei für "Stotterer", fünf für "Stammler" und zwei für Schwerhörige, die alle durch einen Ober- und drei Hauptlehrer entweder an der Nebeniusschule oder an der Pestalozzischule in der Erbprinzenstraße unterrichtet wurden. Zum Schuljahr 1921/22 wurde in der Schillerschule erstmals eine Klasse mit ausschließlich sprachbehinderten und schwerhörigen Kinder der unteren Schuljahre eingerichtet. Zum Schuljahr 1923/24 wurde dann der dezentrale Unterricht, der zu diesem Zeitpunkt aus "2 Sprachklassen (je eine in der West- und Oststadt) u. 4 Sprachheilkursen" bestand, aufgegeben und dafür eine "Schule für Schwerhörige und Sprachgebrechliche" mit sechs Sprachheilklassen und 82 Schüler*innen gegründet, die ihr Domizil in der Lindenschule erhielt. Ende der 1920er-Jahre wurde die Sprachheilschule in die Markgrafenschule und 1933 in die Südendschule I verlegt.

Die Auflösungsbestrebungen des nationalsozialistischen Stadtschulrats Edmund Zeil 1933/34 blieben erfolglos, so dass der Schulbetrieb, wenn auch mit Einschränkungen, auch nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten 1933 bestehen blieb. 1942 wurde er in die Lidellschule verlegt, bevor er gegen Jahresende 1944 infolge der häufigen Fliegeralarme eingestellt wurde. Zum Herbst 1945 nahm man den Schulunterricht in der Lidellschule unter der Leitung des Taubstummenlehrers Hans Robert Dirr, der 1937 aus dem Schuldienst entlassen worden war, wieder auf. 1952 zog die Schwerhörigen- und Sprachheilschule in die Weinbrennerschule sowie im Frühjahr 1955 in die neu erbaute Schillerschule. Am 15. März 1959 wurde die Unterrichtsanstalt in Karlsruhe offiziell als Schule anerkannt. Trotzdem blieb ihr noch zwei Jahrzehnte lang ein eigenes Schulhaus versagt. An Ostern 1964 wurde die Schule in die Leopoldschule verlegt, wo ihr im November des Jahres ein Sonderschulkindergarten und 1965 eine Pädaudiologische Beratungsstelle angegliedert wurden.

Das Nebeneinander zweier Grund- und Hauptschulen, nämlich der Leopoldschule (Regelschule) und der Schwerhörigen- und Sprachheilschule (Sonderschule), gestaltete sich insbesondere wegen der unzureichenden Raumverhältnisse äußerst schwierig. Man begann zunächst einzelne Klassen der Sonderschule in die Schiller-, Gutenberg- und Rennbuckelschule auszulagern, bevor man dann 1971 ihre Hauptschulklassen nach Daxlanden in die Räume des alten Schulhauses verlegte. Mit dem Umzug nach Daxlanden startete zugleich der Schulversuch, eine Ganztageshauptschule für Schwerhörige- und Sprachbehinderte für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe einzurichten. Der Sonderschulkindergarten zog aus Platzgründen 1973 in die Bergwaldschule um.

Die Verteilung von Grundschule, Hauptschule und Kindergarten auf weit auseinanderliegende Standorte einerseits, überbelegte Klassenzimmer und fehlende Fachräume andererseits, machten Mitte der 1970er-Jahre eigentlich den Bau eines Sonderschulzentrums, für den das Beiertheimer Feld vorgesehen war, notwendig. Fehlende Finanzmittel ließen das Projekt aber bereits im Keim ersticken. Als gegen Jahresende 1975 die II. Medizinische Abteilung des Städtischen Klinikums in einen Neubau zog und ihr bisheriges Gebäude in der Moltkestraße frei wurde, konnte die Schulleitung die Stadt schließlich von der Umnutzung des einstigen Kasernentrakts zu Sonderschulzwecken überzeugen. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten bezogen die Grundschule 1979 und die Hauptschule im Frühjahr 1980 den langgestreckten Bau, in dem 29 Klassenzimmer sowie die für Sonderpädagogik und für einen Ganztagesschulbetrieb erforderlichen Räume Platz fanden. Am 10. Juni 1980 fand die feierliche Einweihung der Schule statt, die nach dem bekannten Kinderbuchautor Erich Kästner benannt wurde.

1997 erhielt die Schule mit dem Standort Moltkestraße 136 von der Stadt noch das Nachbargebäude Moltkestraße 134 zur Nutzung, in dem sich seit 2000 die Pädaudiologische Beratungsstelle befindet. Seit 2003 besitzt die Lehranstalt auch eine eigene Turnhalle. Zum Schuljahr 2012/13 wurde der Bildungsgang Werkrealschule und zum Schuljahr 2018/19 der Bildungsgang Realschule eingeführt, so dass neben dem Hauptschulabschluss auch der Werkrealschul- oder der Realschulabschluss gemacht werden kann. Mit dem Schulkindergarten, den differenzierten Schulformen und der Beratungsstelle stellt die Erich-Kästner-Schule für die Stadt und den Landkreis Karlsruhe ein wichtiges Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit den Förderschwerpunkten Hören und Sprache dar.

Katja Förster 2026

Quellen

GLA 407-2/780; Erich-Kästner-Schule Karlsruhe, https://www.eks-ka.de/erich-kaestner-schule/geschichte/ (Zugriff am 29. April 2026); Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 2. Mai 2026), darunter Errichtung einer Schwerhörigen- und Sprachheilschule in Karlsruhe, in: Karlsruher Zeitung vom 26. Februar 1923; Einrichtung von Sprachheilklassen an der Volksschule, in: Karlsruher Zeitung vom 10. April 1923; Eine der ältesten Deutschlands. Schwerhörigen- und Sprachheilschule im neuen Heim, in: Badische Allgemeine Zeitung vom 6. Mai 1955; Stadtratsbeschluss zur Errichtung einer Sonderschule für schwerhörige und sprachbehinderte Kinder und Jugendliche im Gebäude der 2. Medizinischen Klinik der Städtischen Krankenanstalten in der Moltkestraße, in: Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 30. Juni 1976; Einweihung der Erich Kästner-Schule, in: BNN vom 11. Juni 1980.