Neue Artilleriekaserne, 1912, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 8 32d.
Grenadierkaserne und Offizierskasino, 1904, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 395/559.
Rechts Oberfinanzdirektion, Moltkestraße 50, Foto: Roland Feitenhansl 2012.
Ecke Moltke-/Reinhold-Frank-Straße Foto: Roland Feitenhansl 2012.

Moltkestraße

Die frühere Mühlburger Allee wurde im Jahr 1888 nach dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke (1800-1891) benannt. Heute erinnert die Straße zusätzlich an den Juristen Helmut James Graf von Moltke (1907-1945), der als Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde.

Die Straße führt als von Osten in der Achse vom Schlossturm genau nach Westen Richtung Mühlburg verlaufende Radialstraße. Nach Kreuzung des Adenauerrings und der Blücherstraße/Franz-Lust-Straße knickt sie zweimal leicht nach Nordwest ab und geht mit der Kreuzung der Hertzstraße in die Siemensallee über. Sie berührt auf Grund ihrer Länge mehrere Stadtteile. Aus der Innenstadt West kommend, flankiert sie im Norden die Nordstadt und die Nordweststadt, sowie im Süden die Weststadt und Mühlburg.

Eine Bebauung erfolgte zunächst nur auf der Südseite bis zur heutigen Reinhold-Frank-Straße. Die Nordseite bildete die Grünanlage In den Anlagen. Westlich davon reichte der Hardtwald zunächst noch über die Moltkestraße hinweg bis an die Kaiserallee. Hier (Moltkestraße Nr. 31) hat sich als ein Relikt der früheren Eisenbahnlinie nach Mannheim ein Bahnwärterhaus bis heute erhalten. Das erste Haus direkt an der damaligen Mühlburger Allee war ein als Waldhaus bezeichnetes Wohnhaus (Nr. 3) des Künstlerehepaares Schroedter. Es wurde vor 1870 erbaut und steht noch heute. Auch die übrige Bebauung auf der Südseite bilden, von den Bauten der Pädagogischen Hochschule abgesehen, Wohnhäuser, zum größten Teil Villen, die zwischen 1880 und 1885 erbaut wurden.

Der erste Bau auf der Nordseite war 1891 die Königlich Preußische Kadettenanstalt, die heutige Oberfinanzdirektion (Nr. 50). Ihr folgte zwei Jahre später, nach Plänen des Garnisons-Baubeamten Jannasch, die zunächst als Infanteriekaserne bezeichnete Grenadierkaserne, das heutige Behördenzentrum Grenadierkaserne (Nr. 60-84). Beide Einrichtungen befinden sich im mittleren Abschnitt der Moltkestraße, zwischen Reinhold-Frank-Straße/Adenauerring und Blücherstraße/Franz-Lust-Straße, damals also noch bewusst außerhalb der bebauten Stadt. Noch ein Stück weiter und ebenfalls auf der Nordseite folgte 1898 die Neue Artilleriekaserne (Nr. 130-152). In die Lücke zwischen den beiden Kasernen platzierte die Stadt Karlsruhe 1907 durch Wilhelm Strieder ihr neues Städtisches Krankenhaus, heute Städtisches Klinikum (Nr. 90).

Die Bebauung auf der Südseite zur Weststadt und nach Mühlburg erfolgte ab 1903. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die früheren "Anlagen" auf der Nordseite mit dem sogenannten Engländerplatz bebaut. Dort wurde 1889 zum ersten Mal in Karlsruhe Fußball gespielt. Heute stehen hier unter anderem die Hebel-Realschule, 1962 von Brunisch & Heidt (Nr. 8) erbaut, die Jugendherberge (Nr. 24) sowie die Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, 1961 von Günter Seemann, Erich Rossmann und Werner Groh (Nr. 30) erbaut. Diese bekam 2006 die durch das Büro Jürgen Mayer bebaute Mensa Moltke (Nr. 12), Diese ist für 1.800 Essenausgaben täglich ausgelegt und versorgt auch die Pädagogische Hochschule und die postalisch zur Reinhold-Frank-Straße gehörende Kunstakademie, deren Gebäude sich aber an der Moltkestraße entlangzieht. Die Straßenbahn führte ursprünglich bereits ab der Reinhold-Frank-Straße durch die Moltkestraße bis zum damaligen Städtischen Krankenhaus. 1971 wurde dieser Streckenabschnitt stillgelegt und zugleich eine neue Strecke von der Blücherstraße her über die Moltkestraße hinaus bis nach Knielingen in Betrieb genommen.

1995 wurden die geraden Hausnummern auf der Nordseite der Moltkestraße neu vergeben. Bis dahin hatten die Nummern auf dieser Straßenseite wegen der großen Einrichtungen nur den Zahlenraum von 2 bis 24 eingenommen, während gegenüber auf der Südseite die ungeraden Hausnummern auf gleicher Strecke von 1 bis 153 liefen. Den Anstoß hierzu gab die Umnutzung der ehemaligen Grenadierkaserne für verschiedene Behörden, die zahlreiche neue, eigene Hausnummern benötigten. Dieses Behördenzentrum Grenadierkaserne bekam zum Beispiel die Nummern 62 bis 84 (10 alt), das Städtische Klinikum bekam für die alte Nr. 14 die heutige Nr. 90.

Roland Feitenhansl 2012

Literatur

Wilfried Rößling: Fassaden – zur Repräsentationsfunktion öffentlicher Kunst, in: Residenz im Kaiserreich. Karlsruhe um 1890 (Ausstellungskatalog), bearb. von Konrad Krimm und Wilfried Rößling, Karlsruhe 1990, S. 99-117; Spuren in der Stadt. Beiträge der Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik zur Karlsruher Stadtentwicklung 1878-2003. Ausstellungskatalog der Fachhochschule Karlsruhe – Hochschule für Technik und des Instituts für Stadtgeschichte, Karlsruhe 2003; Clemens Kieser/Johannes Wilhelm: „Einfache, aber sorgfältig erprobte Formen“. Die Grenadierkaserne in Karlsruhe: Neue Adresse der Denkmalpflege in Nordbaden, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 3/2003, S. 222-230; Ernst Otto Bräunche/Volker Steck (Hrsg.): Vom Spital zum Klinikum. Städtische Gesundheitsversorgung in Karlsruhe, Karlsruhe 2007 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 29); Edmund Sander: Karlsruhe. Einst und Jetzt in Wort und Bild, Karlsruhe 1911, S. 103-108.