Grenadierkaserne an der Moltkestraße, um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 62/42b.

Grenadierkaserne (heute Behördenzentrum des Landes Baden-Württemberg)

Ehemals Moltkestraße 4 (heute Moltkestraße 60-84, Freydorfstraße 3-7).

Die neue Infanteriekaserne für das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 entstand von 1893-1897 nach Plänen von Garnisonbauinspektor Georg Jannasch, dem Leiter des Karlsruher Garnisonbauamts I, welcher von Garnisonbauinspektor Hermann Buschenhagen und Regierungsbaumeister Gustav Kaiser unterstützt wurde. Das circa fünf Hektar große Kasernenareal wurde von der Moltkestraße im Süden, der Freydorfstraße im Osten, der Grenadierstraße im Norden und der Blücherstraße (heute Franz-Lust-Straße) im Westen begrenzt. Bis auf das Exerzierhaus, das Stallgebäude und die vier Latrinenhäuser waren die Kasernenbauten entlang der vier Straßen angeordnet. Dazu gehörten sechs Mannschaftsgebäude für je zwei Kompanien à 150 Mann mit den zugehörigen drei Wirtschaftsgebäuden, ein Kammergebäude, drei Wohnhäuser für Unteroffiziersfamilien, das Offizierskasino sowie ein Wachhaus. Im Inneren der Anlage, den Mannschaftsgebäuden zugeordnet, befand sich ein geräumiger Exerzierplatz, an dessen Westseite 1913 noch ein Bau für die Waffenmeisterei und Beschlagschmiede entstand. An den sechs Mannschaftsgebäuden wurde 1918 jeweils das mittlere der drei Treppenhäuser durch einen Risalitbau ersetzt, um Raum für weitere sechs Schlafsäle à 20 Personen zu schaffen. Die Zahl der Soldaten pro Haus erhöhte sich dadurch von 304 auf 424 Mann.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der aufgrund des Versailler Vertrages erfolgten Einrichtung einer entmilitarisierten Zone wurde das Regiment 1919 aufgelöst. Ab 1920 diente die ehemalige Grenadierkaserne, die im Karlsruher Adressbuch bis 1919 ausschließlich als "Infanterie-Kaserne" bezeichnet wird, der Landespolizei sowie einigen Gewerbebetrieben. 1932 wurde das Exerziergebäude zu einer Autohalle umgebaut. Die in der Kaserne befindlichen Landespolizei-Einheiten wurden 1936 als Teile des neu aufgestellten I. Infanterie-Regiments 109 in die Deutsche Wehrmacht überführt. Während des Zweiten Weltkriegs war das Infanterie-Ersatz-Bataillon 109 in der Kaserne stationiert. Nach Kriegsende bis 1951 kamen sowohl Flüchtlinge und Heimatvertriebene in den weitgehend unversehrt gebliebenen Kasernenbauten als auch Landesbehörden und verschiedene Ämter von Stadt und Landkreis Karlsruhe unter. 1952 übernahm dann die französische Armee die gesamte Anlage, die fortan "Quartier General Pagezy" hieß.

1991 räumten die französischen Streitkräfte die ehemalige Grenadierkaserne, die im Jahr zuvor in die Verwaltung des Bundesvermögensamts übergegangen war, welches den Verkauf der Gebäude an das Land Baden-Württemberg und die Stadt Karlsruhe besorgte. Ab 1993 entstand in dem ehemaligen Kasernement ein Behördenzentrum des Landes Baden-Württemberg, das heute unter anderen das Zollfahndungsamt, das Landesmedienzentrum, das Landesdenkmalamt (Außenstelle) und das Polizeirevier Karlsruhe-West beheimatet.

Katja Förster 2015

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 905 und 1347.

Literatur

Clemens Kieser/Johannes Wilhelm: "Einfache, aber sorgfältig erprobte Formen". Die Grenadierkaserne in Karlsruhe. Neue Adresse der Denkmalpflege in Nordbaden, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt des Landesdenkmalamtes, 32. Jg., 2003, S. 222-230; Holger Reimers/Hannes Eckert (Hrsg.): Karlsruhe – Grenadierkaserne, Ermittlung baugeschichtlicher Grundlagen für eine Instandsetzung und Modernisierung am Beispiel des Mannschaftsgebäudes Nr. 17. Studienarbeit an der Universität Karlsruhe (TH), Sonderforschungsbereich 315, Aufbaustudium Altbauinstandsetzung, Wintersemester 1999/2000, Privatdruck 2000; Garnisonstadt Karlsruhe. Militärische Liegenschaften einst und heute, zusammengestellt von Oberstleutnant Lüdke 1989, überarb. 1993 [Masch.schriftl. Manuskript], S. 42-44.