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Badische Lederwerke

Ehemals Lameystraße 2.

Am 10. November 1867 gründeten die beiden jungen Karlsruher Kaufleute Rudolf Ellstätter und Albert Reutlinger die Handschuh-Manufaktur Ellstätter & Reutlinger am Friedrichsplatz 9. Durch den frühen Tod Reutlingers mit nur 28 Jahren am 30. April 1868 erlosch die offene Handelsgesellschaft (OHG) bereits nach wenigen Monaten. Um das Unternehmen als Ellstätter & Co. fortzuführen, ging Rudolf Ellstätter am 1. Juli 1868 mit seinem Bruder Wilhelm als gleichberechtigtem Partner wiederum eine OHG ein. Zum 1. Juli 1874 schied Wilhelm Ellstätter aus der Firma aus, um mit seinem Schwager Karl Urbino die Handschuh-Fabrik Willstätter & Urbino zu gründen, die später auch in Mannheim eine Zweigniederlassung eröffnete.

Rudolf Ellstätter dagegen verlegte sein bisheriges Fabrikgeschäft zwecks Vergrößerung zum 1. Januar 1875 nach Mühlburg, das Ladengeschäft am Friedrichsplatz verpachtete er. Neuer Geschäftspartner war seit Januar 1875 Cornelius Eugen Wolf, seit Januar 1877 firmierte das Unternehmen als Glacé-Lederfabrik Mühlburg in Baden, R. Ellstätter, Wolf & Cie. Zum Jahresende 1877 schied Wolf aus der Firma aus, so dass ab Januar 1878 Rudolf Ellstätter der alleinige Inhaber der Glacé-Leder-Fabrik war.

Zum 25. November 1882 wurde die Glacélederfabrik Mühlburg in Baden, vormals R. Ellstätter in eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Karlsruhe und einem Grundkapital von 600.000 Mark umgewandelt. Direktor und einziger Vorstand war Rudolf Ellstätter. Zum 30. Juni 1891 trat Ellstätter krankheitsbedingt von beiden Posten zurück, sein Nachfolger wurde Paul Schäfer. Auf Beschluss einer außerordentlichen Generalversammlung am 31. Oktober 1899 wurde die Firma in Badische Lederwerke Karlsruhe umbenannt.

Die Arbeitsbedingungen in der Lederfabrik waren bis 1910 katastrophal. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Färberei verfügten weder über einen gesonderten Aufenthaltsraum noch über einen Abort. Ein neu ausgehandelter Tarifvertrag des Deutschen Lederarbeiterverbandes brachte für die circa 183 Arbeitenden in den Badischen Lederwerken Karlsruhe und für die 92 Arbeiterinnen und Arbeiter in der Zweigniederlassung Zeutern (Amt Bruchsal) seit dem 1. Mai 1910 eine Kürzung der täglichen Arbeitszeit von zehn auf neun Stunden, eine Erhöhung des Stundenlohns um drei bis maximal sechs Pfennige, was für einen Akkordarbeiter einen wöchentlichen Mehrverdienst von 1,80 bis 3,29 Mark bedeutete, sowie Verbesserungen im sanitären Bereich.

Nach Schäfers Tod am 30. März 1914 wurden der bisherige Prokurist und Kaufmann Emil Willstätter sowie August Knyrim als Direktoren ernannt. 1917 übernahm Fabrikdirektor Willstätter zusätzlich die Geschäftsführung der Firma Reichert & Cie., Glacélederfabrik St. Ilgen bei Heidelberg.

Der Erste Weltkrieg brachte für das Unternehmen keine wirtschaftlichen Einbußen. 1921 wurde das Grundkapital durch Ausgabe weiterer Aktien mehr als verdoppelt. Mitte der 1920er-Jahre begann der Absatz in der deutschen Lederindustrie deutlich zu sinken, allein 1928 meldeten 18 deutsche Lederhandschuhfabriken Konkurs an. Auch die Badischen Lederwerke AG in Karlsruhe-Mühlburg schrieben Verluste, im Geschäftsjahr 1927/28 174.579 Reichsmark und im Geschäftsjahr 1928/29 241.599 Reichsmark.

Bereits im Dezember 1925 war der Belegschaft in Zeutern wegen fehlender Aufträge vorübergehend gekündigt worden, im Oktober 1929 wurde die Filiale geschlossen. Der Betrieb in Mühlburg ließ sich noch mit rund 50 Arbeitern bis Mitte April 1930 aufrechterhalten, dann musste auch er in der Weltwirtschaftskrise stillgelegt werden. Zum 6. Dezember 1930 wurde die Firma im Handelsregister gelöscht.

Katja Förster 2021

Quellen

Bekanntmachungen von Einträgen in das Gesellschafts- oder Firmenregister im Karlsruher Tagblatt vom 17. November 1867, 26. August 1868, 19. Januar 1873, 17. Februar 1875, 24. Januar 1878, 21. Oktober 1878, 8. Juni 1882, 3. Januar 1883, 31. Juli 1891, 29. November 1899 und vom 29. März 1930 (Badische Lederwerke AG Stilllegung ab Mitte April); Volksfreund vom 9. Mai 1910 (Gewerkschaftliches), Karlsruher Zeitung vom 28. März 1930 (Schließung der Badischen Lederwerke AG); vgl. digitalisierte Zeitungen in der Badischen Landesbibliothek, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/2965491 (Zugriff am 7. November 2021).