Chaim Seeligmann (eigentlich Heinz Alfred)

Pädagoge, Historiker, * 16. November 1912 Karlsruhe, † 25. September 2009 Givat Brenner/ Israel, jüd., ∞ 1939 mit Schifra Gurwitz, 2 Söhne, 1 Tochter.

Seeligmann entstammte einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie, die sich mehr der deutschen als der jüdischen Kultur verbunden fühlte. Während seiner Schulzeit am heutigen Bismarck-Gymnasium 1922-1931 begann etwa 1927 sein ernsthaftes Interesse am Zionismus. Zu dieser Zeit schloss sich Seeligmann der Karlsruher Ortsgruppe des zionistischen "Wanderbunds Kadimah" ("Ostwärts/Vorwärts") an, deren Mitglieder sich zum großen Teil aus der 1926 aufgelösten Ortsgruppe "Blau-Weiß, Bund für jüdisches Jugendwandern in Deutschland" rekrutiert hatten. Der "Wanderbund Kadimah" trat zunehmend für einen zionistischen Sozialismus ein, was Seeligmanns Lebensweg entscheidend prägen sollte.

Nach dem Abitur absolvierte er zunächst auf Wunsch des Vaters eine zweijährige Banklehre im jüdischen Bankhaus Baer & Elend in der Kaiserstraße 209. In unmittelbarem Anschluss daran ging er 1933 als bekennender sozialistischer Zionist nach Berlin-Charlottenburg, um in leitender Funktion im deutschen Landesverband Hechaluz tätig zu sein, der sich die Immigration deutsch-jüdischer Personen nach Palästina (Alija) und ihre Vorbereitung darauf (Hachschara) zur Aufgabe gemacht hatte. Seeligmann selbst durchlief die halbjährige Hachschara, bei der die Grundlagen von Landwirtschaft und Hebräisch gelehrt wurden, 1935 in der Schweiz. 1936 konnte er aus Deutschland über Triest nach Haifa ausreisen. Er wurde Mitglied des Kibbuz Givat Brenner bei Rechovot südlich von Tel Aviv und kam auch zur Palmach, einer mobilisierten Einheit des jüdischen Verteidigungswesens (Haganah).

Die Ausbildung am Seminar für Jugendleiter in Jerusalem 1945 brachte Seeligmanns endgültige Hinwendung zu Pädagogik, Lehre und Forschung. Nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg 1949 arbeitete er über zwei Jahre als Sendbote (Schaliach) in Frankreich, um jüdische Jugendliche für die Einwanderung nach Israel vorzubereiten, anschließend im Aufnahmezentrum für Neuzuwanderer der Kibbuzbewegung, bevor er von 1957-1959 an den Universitäten in Jerusalem und Tel Aviv Pädagogik und Geschichte studierte. Von 1967-1982 war er Dozent am Yad Tabenkin in Efal, dem Forschungsinstitut der Kibbuzbewegung, an dem er bis zu seinem Tode die jüdische Jugendbewegung sowie die Ursprünge, Errungenschaften und Utopien der Kibbuzbewegung und ihr Verhältnis zum Anarchismus erforschte.

Katja Förster 2014

Werk

Die Jüdische Jugendbewegung und die Kibbuzbewegung, in: Wolfgang Melzer/Georg Neubauer: Der Kibbuz als Utopie, hrsg. und mit einem Nachwort von Ludwig Liegle, Weinheim u. a. 1988; Der Kibbuz und seine Entwicklung, in: Auseinandersetzungen mit dem zerstörten jüdischen Erbe. Franz-Rosenzweig-Gastvorlesungen 1999-2005, hrsg. von Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, Kassel 2004, S. 266-272 (= Kasseler Semesterbücher/Studia Cassellana Bd. 13); zusammen mit Gabi Madar: Kibbuz. Ein Überblick, Ramat-Efal 2000; Curriculum vitae, in: Auseinandersetzungen mit dem zerstörten jüdischen Erbe. Franz-Rosenzweig-Gastvorlesungen 1999-2005, hrsg. von Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, Kassel 2004, S. 261-265 (= Kasseler Semesterbücher/Studia Cassellana Bd. 13); Es war nicht nur ein Traum. Autobiographische und kibbuzgeschichtliche Skizzen, Bad Tölz 2002.

Literatur

Biografie der Familie Oskar Seeligmann, in: Gedenkbuch der Karlsruher Juden, http://gedenkbuch.informedia.de/gedenkbuch.php?PID=12&name=3898 (Zugriff am 29. September 2014).