Gustav Binz, 1896, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 12/33a.

Gustav Binz

Jurist, Politiker, Stadtrat, * 9. Februar 1849 Mahlberg/Ortenaukreis, † 6. November 1937 Achern, kath., ∞ 1877 Ida Breithaupt, 1 Sohn, 2 Töchter.

Der Sohn eines Küfermeisters, Land- und Gastwirts wechselte 1863 aufgrund sehr guter Leistungen von der Ettenheimer Höheren Bürgerschule auf das Freiburger Lyzeum (heute Berthold-Gymnasium), an dem er 1869 als Klassenbester das Abitur bestand. 1869-1872 studierte Binz in Freiburg und Heidelberg Jura, den Vorbereitungsdienst absolvierte er in Freiburg, Emmendingen und Konstanz. Die bevormundende Behandlung beim Konstanzer Bezirksamt veranlasste ihn, nach dem zweiten Staatsexamen 1875 statt des Staatsdienstes den Beruf des Rechtsanwalts zu wählen. Er arbeitete zunächst in der Kanzlei des Rechtsanwalts Adolf Strauß in Karlsruhe, wurde 1876 in Heidelberg promoviert und ließ sich 1877 als Rechtsanwalt in Karlsruhe nieder. Hier lebte bereits sein jüngerer Bruder, der Bildhauer Fidel Binz.

Vier Jahrzehnte, bis zum Sommer 1917, war Binz als Anwalt tätig, 24 Jahre engagierte er sich im Vorstand der Anwaltskammer, davon zehn Jahre als Vorsitzender. Neben seinem Anwaltsberuf wirkte Binz als Politiker in Karlsruhe und in Baden. Schon bald nach Eröffnung seiner Anwaltskanzlei trat Binz der Nationalliberalen Partei bei und übernahm auch Ämter in führenden Gremien der Landesparteiorganisation. 1894 wurde er in den Bürgerausschuss und 1896 in den Stadtrat in Karlsruhe gewählt, dem er ununterbrochen bis 1919 angehörte. Als Stadtrat war er unter anderem Mitglied der Schulkommission, der Rheinhafen-Kommission und von 1899-1919 Vorsitzender des Verwaltungsrats des Waisenhauses. Auch am Vereins- und Wirtschaftsleben der Stadt nahm er aktiv teil: Er war Vorsitzender der Liederhalle, Mitglied des Vereins für das Deutschtum im Ausland, Mitinitiator und Leiter des 1912 gegründeten Karlsruher Jugendbildungsvereins und stellvertretender Vorsitzender des kurz darauf konstituierten Jung-Deutschland-Bundes Baden. Ab 1889 gehörte er dem Aufsichtsrat der Brauerei Schrempp bzw. Schrempp-Printz und ab 1900 als Vorsitzender dem Aufsichtsrat der Sinner AG an. Über drei Jahrzehnte war Binz zudem Mitglied bzw. Vorsitzender des Verwaltungsrats der Privatsparkasse Karlsruhe, die 1923 in der Städtischen Sparkasse aufging. 1897-1908 gehörte Binz zuerst als Abgeordneter der Stadt Durlach und 1901-1908 der Stadt Karlsruhe dem Badischen Landtag an. 1903-1905 amtierte er als Fraktionsvorsitzender seiner Partei.

Für sein vielfältiges Wirken wurde Binz 1902 mit dem Orden vom Zähringer Löwen, seit 1906 mit Eichenlaub, geehrt. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben 1917 verlieh ihm Großherzog Friedrich II. den Titel eines Geheimen Hofrats. Noch zu seinen Lebzeiten wurde die Gustav-Binz-Straße nach ihm benannt.

Katja Förster 2015

Quellen

StadtAK 1/POA 2/810 (Personalakte); GLA 69 NLP Baden (Schriftwechsel PV 1905-1923); Karlsruher Adressbücher 1875-1937.

Werk

Das neue badische Gemeindegesetz, vom nationalen und liberalen Standpunkt beleuchtet, Karlsruhe 1890; Die Parteien, in: Das Großherzogtum Baden, Bd. 1, 2. Aufl. Karlsruhe 1912, S. 1090-1102; Die Stadt Mahlberg. Ein Heimatbild, Karlsruhe 1923; Aus dem Leben eines Landkindes, Karlsruhe 1926.