Julius Cohn

Rabbiner, * 5. Dezember 1878 Graudenz/Westpreußen (Grudziądz), † 18. März 1940 Golders Green/London, jüd., ∞ 2. 1933 Dorothea Meth.

Cohn war Sohn eines Kultusbeamten und Lehrers. Nach dem Abitur 1900 in Gnesen studierte er an der Universität Berlin orientalische Philologie, Geschichte und Philosophie. 1906/08 promovierte er an der Universität Heidelberg und schrieb sich 1907 an der 1872 unter anderem von Abraham Geiger (1810-1874) gegründeten Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ein. An dieser Schule für das Reformjudentum erhielten zahlreiche Rabbiner ihre Ausbildung. Cohn absolvierte sein Rabbinerexamen 1913. Bereits von 1906-1915 war er als Religionslehrer und Hilfsprediger in Berlin tätig. 1915 übernahm er sein erstes Rabbinat als Landrabbiner für Hoppstädten, Fürstentum Birkenfeld, als Exklave des Großherzogtums Oldenburg an der Nahe.

Von dort kam er 1919 nach Karlsruhe, um als 2. Stadtrabbiner neben Viktor Kurrein zu wirken. Dabei war der Anhänger der "Vereinigung für das liberale Judentum" insbesondere auch für die Erteilung von Religionsunterricht zuständig. Nach Kurreins Weggang versah Cohn ab November 1923 vertretungsweise dessen Amtsgeschäfte. Im März 1925 verließ er Karlsruhe, um die 2. Rabbinerstelle in Stuttgart anzunehmen. Seit 1928-1939 versah er das Amt eines Bezirksrabbiners in Ulm. In der Reichspogromnacht 1938 wurde er misshandelt und lag mehrere Wochen im Krankenhaus. 1939 emigrierte Cohn nach England, wo er kurz danach verstarb, vermutlich an den Folgen der erlittenen Misshandlungen.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Quellen

Abschiedspredigt, Ulm 1939 [im Leo Baeck Institute, New York]; Jüdisch-liberale Zeitung vom 27. März 1925; Jüdisch-liberale Zeitung vom 28. September 1928.

Werk

Des Samuel al-Magrebi Abhandlung über die Pflichten der Priester und Richter bei den Karäern. Nach einer Berliner Handschrift herausgegeben, übersetzt und mit Anmerkungen versehen, Diss. Univ. Berlin 1908.

Literatur

Jüdischer Biographischer Index (JBI); Michael Brocke und Julius Carlebach (Hg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner, Teil 2, Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871 - 1945, bearb. von Katrin Nele Jansen unter Mitwirkung von Jörg H. Fehrs und Valentina Wiedner, Bd. 1, München 2009; Frank Raberg: Biographisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm, Ostfildern 2010.