Generallandesarchiv Karlsruhe J-Ac H 39.

Salomon von Haber

Hofbankier, * 17. Mai 1763 Breslau, † 23. Januar 1839 Karlsruhe, jüd., ∞ ca. 1795 Friederike Model, 9 Kinder.

Salomon von Haber kam Ende des 18. Jahrhunderts nach Karlsruhe, wo er die Tochter des verstorbenen Hoffaktors Salomon Meyer (Model) heiratete und in das von dessen Witwe weitergeführte Geldgeschäft einstieg. Neben seinen Diensten für den badischen Markgrafen war er auch Königlich Preußischer Hofagent. Als mit der napoleonischen Umwälzung der Finanzbedarf des zum Großherzogtum aufgestiegenen Baden wuchs, sorgte er 1803 für die erste große Anleihe über 300.000 Gulden. Zusammen mit Oberrat Elkan Reutlinger und dem konvertierten David Seeligmann war Haber einer der Hauptfinanziers Badens. Zwischen 1803 und 1820 verantwortete er ca. 8,5 Millionen Gulden der Anleihen von insgesamt 20 Millionen, die der badische Staat aufnehmen musste. 1811 wurde er offiziell zum Hofbankier ernannt. 1829 war er der erste badische Hoffaktor, der ohne zu konvertieren in den erblichen Adelsstand erhoben wurde, erhielt aber nicht wie die Konvertiten den Freiherrenstatus. 1809 wurde Haber in den neu konstituierten staatskirchlich organisierten Oberrat der Israeliten berufen. Er bekannte sich zum Reformjudentum und trat für Modernisierungen ein, gehörte 1819 zu den Begründern des „Tempelvereins“ in Karlsruhe, der für einen modernen und deutschsprachigen Gottesdienst eintrat. Mit der jüdischen Gemeinde und ihren Vertretern befand er sich in heftigen Konflikten.

Haber war auch Finanzier der drei größten Industriebetriebe Badens, der Aktiengesellschaften Spinnerei und Weberei Ettlingen (1836), der Maschinenfabrik Keßler & Martiensen Karlsruhe (1836) und der Zuckerfabrik Waghäusel (1837). Er erbaute sich ein Palais in der Langen Straße in das später das Kaufhaus Knopf zog. Nach seinem Tod übernahmen die Söhne Ludwig und Jourdan das Geschäft, das jedoch zunehmend in Schwierigkeiten geriet und infolge der Finanzkrise 1847/48 Bankrott ging.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2013

Literatur

Heinrich Schnee: Hofbankier Salomon von Haber als badischer Finanzierer, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 109, 1961, S. 341-359; ders.: Haber, Salomon von, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 7, 1966, S. 389; Albrecht Strobel: Der Fall des Bankhauses S. v. Haber & Söhne Ende 1847, in Alemannisches Jahrbuch, 1973/75, S, 597-635; Ernst Otto Bräunche, Manfred Koch, Heinz Schmitt (Hrsg.): Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 8). Karlsruhe 1988.