Jakobskirche in Wolfartsweier, Ansicht von Südosten, um 1967, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIa 621.

Jakobskirche in Wolfartsweier

Die im 13. Jahrhundert im spätromanischen Stil erbaute Wolfartsweierer Dorfkirche war ursprünglich der Heiligen Margaretha geweiht. Als Markgraf Karl II. 1556 in Baden-Durlach das lutherische Glaubensbekenntnis einführte, wurde die Kirche noch im selben Jahr lutherisch. In der Folgezeit wurde sie nur als Pfarrkirche zu Wolfartsweier bezeichnet, der Name Jakobskirche findet sich erstmals in der 1869 von Karl Gustav Fecht herausgegebenen Chronik über Durlach.

Als Kultgebäude für eine kleine Dorfgemeinschaft bestand der Bau lediglich aus einem einschiffigen Langhaus mit Flachdecke und Satteldach, an das nach Osten ein breiter rechteckiger Turm mit Pyramidendach anschloss, der im Untergeschoss den rechteckigen Chor aufnahm. Im Kircheninneren markierte eine Rundbogenarkade (Triumphbogen) den Übergang zwischen Langhaus und Chor. Westlich der Arkade stand der Taufstein und an der nordöstlichen Ecke des Langhauses erhob sich die Kanzel. Dem Turm war nach Norden die Sakristei vorgelagert, die über eine schlichte Verbindungstür mit dem Chor verbunden war. Chor und Sakristei waren mit Tonnengewölben gedeckt, von denen das der Sakristei noch heute erhalten ist, während das des Chores bereits im 15. Jahrhundert durch ein gotisches Kreuzrippengewölbe, dessen Schlussstein ein gemaltes badisches Wappen ziert, ersetzt wurde. Ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammen die gotisch gestaltete Sakramentsnische in der Chornordwand und der spitzbogige Abschluss der Chortür zur Sakristei. Am südöstlichen Ende des Langhauses nahm ein schlichter Vorbau, dessen Innenwände mit vier alten Grabsteinen geschmückt waren, den Haupteingang auf. Eine weitere Zugangstür befand sich an der Westfassade. Das Langhaus wurde durch zwei Segmentbogenfenster in der Südwand und zwei Rechteckfenster unterschiedlicher Größe in der Nordwand belichtet. Der Chor besaß je ein bogenförmiges Fenster in der Ost- und Südwand, die Sakristei je ein rechteckiges Fenster in der Ost- und Westwand.

Das im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstörte Langhaus wurde 1744 unter der Leitung des Durlacher Baumeisters Johann Heinrich Arnoldt wieder aufgebaut und zugleich nach Westen um eine bzw. zwei Fenstereinheiten erweitert und mit einer Empore versehen. Die 1782 auf der Empore aufgestellte Orgel musste aus statischen Gründen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Chorraum versetzt werden und kehrte erst nach einer Gesamtsanierung einschließlich Erweiterung der Kirche 1985 auf die Empore zurück.

Die Vergrößerung des Kirchenraumes aufgrund der gestiegenen Zahl an evangelischen Gemeindemitgliedern war 1984/85 nach Plänen von Kirchenbaudirektor Horst Wein und Architekt Stephan von Freydorf erfolgt. Dabei war das Kirchenschiff nach Norden verbreitert und im Westen um einen eigenen Anbau erweitert worden, ohne dass das äußere Erscheinungsbild des alten Baukörpers beeinträchtigt wurde. Die liturgische Ostung der Kirche wurde zugunsten einer Zentrierung des Raumes aufgegeben. Der vom ehemaligen Ortsvorsteher und Bürgermeister Hermann Ringwald zur Wiedereinweihung an Pfingstsonntag 1985 gestiftete Altar kam vor der nordöstlichen Langhauswand zur Aufstellung und ist an drei Seiten von Sitzbänken umgeben. Abschluss der Umbauarbeiten bildeten die von Jürgen Goertz 1988 installierte Altarwand sowie die sechs von Horst Leyendecker entworfenen Glasfenster (1990). Die Glockenstube und der hölzerne Glockenstuhl aus dem 13. Jahrhundert zählen zu den ältesten in der Region.

Katja Förster 2013

Literatur

Elga Roellecke: Jakobskirche Wolfartsweier. Kunstführer. Mit Beiträgen von Helmut Pilder/Horst Fischer/Annegret Lingenberg/Hans Klenert, hrsg. vom Evangelischen Kirchengemeinderat Karlsruhe-Wolfartsweier, Wolfartsweier 1997; dies.: Glaube und Visitation. Kirchliches Leben in einem badischen Dorf. Mit Beiträgen von Heinz Bölle/Horst Fischer/Hansmartin Schwarzmaier, Wolfartsweier 2006 (= Chronik Wolfartsweier, hrsg. vom Verein für die Geschichte von Wolfartsweier, Heft 7); Jürgen Krüger: Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, hrsg. Günter Frank u. a., Ubstadt-Weiher 2015, S. 238 f.