Luftbild von Palmbach, 1987, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 405/24.
Waldenserhaus aus dem 18. Jahrhundert, abgebrochen 1972, Aufnahme um 1960, Ortsarchiv Wettersbach.
Ansicht von 1974, im Hintergrund der Turm der evangelischen Kirche, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A28/162/3/10.
Das 1902 erbaute Rathaus, Ortsarchiv Wettersbach.

Palmbach

Palmbach ist ein im Südosten von Karlsruhe gelegener Stadtteil. Er gehört geographisch zum nördlichen Schwarzwald und wird wegen seiner Lage auf rund 260 Metern über Normalhöhennull zu den Höhenstadtteilen (Bergdörfern) gezählt.

Gegründet wurde Palmbach am 4. Februar 1701, als 28 Waldenserfamilien von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg die Erlaubnis erhielten, sich auf der Gemarkung Grünwettersbach niederzulassen. Die sich hier ansiedelnde religiöse Gemeinschaft der Waldenser stammte aus dem Chisonetal in den Savoyer Alpen, von wo sie Ende des 17. Jahrhunderts wegen ihres Glaubens vertrieben worden war und zunächst in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt Zuflucht gefunden hatte, bevor sie wenige Jahre später um Aufnahme in das Herzogtum Württemberg bat. Die Flüchtlinge nannten den Ort, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts rein evangelisch blieb, nach ihrem Heimatdorf La Balme, aus dem sich im Laufe des 18. Jahrhunderts der Name Palmbach entwickelte.

1806 kam das bis dahin zum Amt Neuenbürg (Württemberg) gehörende Palmbach zum Amt Durlach und dadurch zum neu gebildeten Großherzogtum Baden. Durch den Bau des ersten Schulhauses und die Anstellung des ersten deutschen Lehrers im Jahr 1809 wurde Deutsch verpflichtende Unterrichtssprache. Zuvor waren die Kinder über 100 Jahre stets von ortsansässigen Laien auf Französisch und Deutsch unterrichtet worden. 1844 nahm in einem zum Rathaus umfunktionierten ehemaligen Wohngebäude die Ortsverwaltung ihre Arbeit auf. Die Lebensbedingungen im von der Landwirtschaft geprägten Palmbach waren um die Mitte des 19. Jahrhunderts derart entbehrungsreich, dass zwischen 1830 und 1870 etwa ein Viertel der 300 Einwohner den Ort in Richtung Nordamerika verließ. Erst ab 1870 trat eine spürbare Verbesserung ein, als zahlreiche Bauern sich in Steinbrüchen und in den Fabriken in Ettlingen, Durlach oder Karlsruhe ein zusätzliches Einkommen erarbeiten konnten. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Steigerung der Lebensqualität erfolgte 1892 durch die Fertigstellung der neuen Wasserleitung und den Beitritt Palmbachs zum Wasserversorgungsverband des Alb-Pfinz-Plateaus.

Bis zum Ersten Weltkrieg setzte zudem eine rege Bautätigkeit ein. So entstand 1902 ein Gebäude, das sowohl als Rat- als auch als Schulhaus (Waldenserschule) genutzt wurde, 1906 erfolgte die Fertigstellung der Waldenserkirche und 1914 wurde das neue Pfarrhaus bezogen. 1925 erhielt die nunmehr 392 Einwohner zählende Ortschaft eine Busverbindung nach Durlach. Außerdem wurde im selben Jahr vor der Waldenserkirche das Gefallenendenkmal zur Erinnerung an die 19 im Ersten Weltkrieg gefallenen Palmbacher eingeweiht. Seit 1963 steht es auf dem Palmbacher Friedhof, wohin im selben Jahr auch die Heinrich-Vierordt-Bank versetzt wurde. Die 1925 im Ortszentrum aufgestellte steinerne Sitzbank erinnert an den Karlsruher Heimatdichter, der den Ort regelmäßig besuchte. Schul- und Rathaus, Waldenserkirche und Gefallenendenkmal sind heute geschützte Kulturdenkmäler.

Durch die Fertigstellung der Reichsautobahn Karlsruhe-Stuttgart, bei deren Bau zahlreiche Palmbacher mehr als ein Jahr mitgearbeitet hatten, erhielt der Ort im Dezember 1938 einen Autobahnanschluss. Am 4. Dezember 1944 wurde die Gemeinde beim Luftangriff auf Karlsruhe durch falsch abgeworfene Bomben getroffen, wobei ein Mensch ums Leben kam. Der bei Kriegsende 430 Einwohner zählende Ort musste bis 1956 130 Heimatvertriebene aufnehmen.

Von Mitte der 1950er- bis Mitte der 1960er-Jahre vollzog sich ein erneuter Strukturwandel. So fanden die Bewohner zunehmend Arbeit in Ettlinger und Karlsruher Betrieben. Gleichzeitig ging die Zahl der Landwirte deutlich zurück. Die verbesserte verkehrstechnische Erschließung des Ortes, eine Neugestaltung der Ortsmitte sowie die Ausweisung von zahlreichen Bauplätzen führten zu einer Veränderung der vormals landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hin zum ländlichen Wohngebiet.

Im Zuge der baden-württembergischen Gebietsreform schloss sich zum 1. Januar 1972 Palmbach mit Grünwettersbach zur Verwaltungseinheit Wettersbach zusammen, um eine Eingemeindung nach Karlsruhe zu verhindern. Diese Maßnahme brachte jedoch lediglich kurzzeitig den gewünschten Erfolg, da Wettersbach zum 1. Januar 1975 nach Karlsruhe eingemeindet wurde. Allerdings bekamen sowohl Palmbach als auch Grünwettersbach den Status eines eigenen Stadtteils zugestanden. Damit ist Palmbach mit Grünwettersbach der zweitjüngste Karlsruher Stadtteil nach Neureut. Mit 1.835 Einwohnern (Stand: Ende 2013) ist Palmbach zudem der kleinste Karlsruher Stadtteil nach der Einwohnerzahl. Seit 2014 befindet sich in der ehemaligen Waldenserschule das Badische Schulmuseum.

René Gilbert 2015

Quellen

StadtAK 5/Palmbach; 8/ZGS 98a.

Literatur

Wilhelm Sprengel/Heinz-Theo Krahl: Wettersbacher Heimatbuch, Karlsruhe 1974, S. 243-324; Manfred Koch: Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992, S. 285-287 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14); Palmbach – Streifzüge durch die Ortsgeschichte, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe und der Ortsverwaltung Wettersbach durch Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe 2001.