Der Bahnhofplatz mit Blick nach Osten zu Beginn der 1920er-Jahre, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 509.

Bahnhofplatz

Mit der Verlegung des Hauptbahnhofs von der Kriegsstraße an den Rand der damals noch weitgehend unbebauten Südweststadt ergab sich die Möglichkeit, den Bahnhofsvorplatz völlig frei zu gestalten. Er ist damit einer der Wenigen in Deutschland, denen ein architektonisches Gesamtkonzept zu Grunde liegt. Dieses stammt von Wilhelm Vittali, der 1911 den entscheidenden Wettbewerb gewann. Vittali ließ sich bei der Platzgestalt von den Bahngleisen inspirieren und schuf einen lang gezogenen rechteckigen Platz von 290 Metern Länge und 65 Metern Breite. Abgesehen von den mittig darüber laufenden Schienen für die Straßenbahn ließ er die Fläche frei und unbegrünt und errichtete lediglich an den Rändern des Platzes Gebäude. Die meisten von Vittali ausgeführten Bauwerke sind bis heute erhalten. Nachdem die Gestaltung Vittalis Ende der 1960er-Jahre zu Gunsten des Autoverkehrs aufgeweicht worden war, orientierte man sich mit den Modifikationen Mitte der 1980er-Jahre und 2001 wieder am ursprünglichen Aussehen des Platzes.

Direkt gegenüber des Bahnhofportals mündet die Bahnhofstraße in den Platz ein. Sie bildet die zentrale Symmetrieachse und zieht den Blick des Reisenden auch durch ihre Anlage als Allee auf sich. Östlich der Bahnhofstraße leitet ein Kolonnadengang mit flankierenden Pavillongebäuden vom Platz zu den Grünanlagen des Zoologischen Stadtgartens über. Das westlich der Bahnhofstraße stehende Gebäude beherbergte bis in die 1950er-Jahre das Hotel Reichshof. Ein Abschluss der Bebauung war an dieser Seite des Platzes durch den Ersten Weltkrieg verhindert worden und wurde auch später nicht mehr nach Vittalis Plänen fortgesetzt. In den imposanten Gebäuden am westlichen und am östlichen Ende des Platzes waren von Anfang an Hotels untergebracht. Während das im Westen zwischen der Poststraße und der Straße Am Stadtgarten gelegene Schlosshotel durchgängig hier ansässig war, ist das an der Ebertstraße gelegene Hotel Residenz aus dem Hotel Ketterer hervorgegangen.

Meinrad Welker 2011

Literatur

Gerhard Everke: Bahnhofplatz, in: Manfred Koch (Hrsg.): Stadtplätze in Karlsruhe, Karlsruhe 2003, S. 250-261 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).